Depression: Symptome, Diagnose und Therapie in der Sozialpädagogik, Grafiken und Mindmaps von Sozialpädagogik

Seminar: Einführung in die Sozialpädagogik (S 206). Dozentin: Dr. Rachel Herweg. Hausarbeit zum Thema. Depression. Symptomatik - Diagnose - Therapie.

Art: Grafiken und Mindmaps

2021/2022

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Evangelische Fachhochschule Berlin
2. Semester - WS 1998/99
Fach: Sozialpädagogik
Seminar: Einführung in die Sozialpädagogik (S 206)
Dozentin: Dr. Rachel Herweg
Hausarbeit zum Thema
Depression
Symptomatik - Diagnose - Therapie
Bearbeitung:
Alwin Ertl
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Evangelische Fachhochschule Berlin

  1. Semester - WS 1998/ Fach: Sozialpädagogik Seminar: Einführung in die Sozialpädagogik (S 206) Dozentin: Dr. Rachel Herweg

Hausarbeit zum Thema

Depression

Symptomatik - Diagnose - Therapie

Bearbeitung:

Alwin Ertl

Inhaltsverzeichnis

1. Depression: Die unerkannte Volkskrankheit? Seite 2

2. Zur Struktur depressiver Erkrankungen Seite 4

3. Formen und mögliche Entstehungsursachen

depressiver Erkrankungen Seite 7

4. Möglichkeiten der Diagnose und Therapie

depressiver Erkrankungen Seite 10

4.1 Diagnose Seite 10

4.2 Therapie Seite 14

5. Was Depressionen nicht sind... Seite 17

Literatur- und Quellenverzeichnis Seite 18

Weitere Quellenhinweise Seite 19

Darüberhinaus ist diese Arbeit ein Plädoyer für mehr Interdisziplinarität. Gerade am Beispiel der Depression zeigt sich deutlich, daß die Ursachen einer Erkrankung nicht nur in einem Bereich zu suchen sind und demzufolge eine Therapie mit den Methoden nur eines Bereiches nicht erfolgreich sein kann. Erst die Zusammenarbeit von Medizinern, Neurobiologen, Pharmakologen, Psychologen, Psychiatern, Therapeuten, Sozialarbeitern und - nicht zuletzt - Betroffenen kann hier neue Wege aufzeigen.

2. Zur Struktur depressiver Erkrankungen

Eine depressive Erkrankung ist relativ leicht zu diagnostizieren, wenn die Merkmale des sogenannten „depressiven Kernsyndroms“ äußerlich erkennbar sind. Hierzu gehören Antriebsstörungen und niedergedrückte Stimmungen in allen ihren Ausprägungen: Hemmung des Denkens, Wollens und Handelns; negative Denkinhalte; Abschwächung von Wahrnehmung und Gefühlen; Kontaktverminderung bis hin zum vollständigen Rückzug. „Die Patienten fühlen sich verändert, fremd, wissen nicht mehr, wer sie eigentlich sind, können sich nicht mehr auf sich selbst verlassen. (...) Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und ein vermindertes Interesse für die Umwelt erschweren eine sinnvolle Beschäftigung.“ In fortgeschrittenen Stadien der Depression kommen „Konzentrationsschwierigkeiten, verlangsamte Auffassung und verminderte Gedächtnisleistung“ hinzu, wobei hier zu ergänzen ist, daß diese Symptome nur in einem bestimmten Kontext auftreten, nämlich dann, wenn es um Interaktion mit der Umwelt geht. Eine Reflexion des eigenen Innenlebens ist Depressiven sehr wohl möglich, wobei ein - im Vergleich zum „geistig Gesunden“ - erstaunliches Erinnerungsvermögen in Bezug auf seelische Vorgänge sichtbar wird.

Erlösende Tiefe

Alles, alle Bemühungen, so sie mal auftauchen, fallen in die Löcher - ich sacke durch meine Tage, ich segle, bläst einmal Wind, aufs offene Meer hinaus - dort läßt er nach, und ich dümple im Kreis bis es nicht mehr geht. Ich tauche hinunter, doch tiefer als gedacht, kein Grund, nirgendwo Grund - doch dunkler wirds. Der Druck preßt das Blut aus den Bahnen, die sauerstoffarme Müdigkeit ist die einzige Erlösung. Aber auch sie ein Betrug, eine böse Verlockung - denn im Schlaf saugt die Tiefe in die Tiefe bis ich erwache ohne Bewußtsein.

Doch nicht in jedem Fall muß die Kernsymptomatik offen sichtbar sein. Man spricht in einem solchen Fall von einer „larvierten Depression“ , einer Depression also, die gleichsam „in Verkleidung daherkommt“. Diese quasi „peripheren“ Symptome können, wenn mehrere zugleich auftreten, auf eine zugrundeliegende Depression hindeuten. Im folgenden soll eine Zusammenstellung der entsprechenden Symptome nach Woggon gegeben werden, nebst (nach Meinung des Autors) möglichen Bezugspunkten zu einer zugrundeliegenden Depression.

 Ängste und Panikattacken

 Kleptomanie ist ein Symptom, das bei schwer depressiven Personen kaum auftreten wird. Vielmehr ist diese Form der „Kleinkriminalität“ als Selbsttherapie anzusehen: Die durch die Möglichkeit des Ertapptwerdens verursachte Aufregung bewirkt eine erhöhte Adrenalinausschüttung; dadurch wird das bei depressiven Personen vorhandene Defizit an aktiven Neurotransmittern kurzfristig ausgeglichen.

 Spielsucht muß trotz gleichen Wortstamms von „Sucht“ (oben gleichgesetzt mit „kontinuierlichem / wiederholtem Drogenkonsum“) unterschieden werden. Das Automatenspiel erfüllt zwei Bedürfnisse des Depressiven gleichzeitig: Zum einen die Abkapselung von der Umgebung, da er sich nur mit dem vor ihm befindlichen Gerät beschäftigen muß; zum anderen die Erhöhung der Ausschüttung an Adrenalin/Neurotransmittern, da das Spiel eine gewisse Spannung bietet.

 Manie bzw. Hyperaktivität kann insofern mit Aggressionsverhalten (s.o.) gleichgesetzt werden, als es sich auch hier in erster Linie um eine Verschleierungsstrategie handelt. Während jedoch aggressives Verhalten in erster Linie darauf abzielt, den eigenen „Zustand“ vor der Umwelt zu verheimlichen, hat hyperaktives Verhalten den Sinn, sich seiner eigenen Situation möglichst nicht bewußt zu werden. Als „Workaholismus“ gesellschaftlich anerkannt, kann diese Coping-Strategie sehr lange ihren Zweck erfüllen.

Das genaue Gegenteil sind

 Psychotische Zustände Sie treten dann auf, wenn das Individuum nicht mehr in der Lage ist, sich durch gesellschaftlich akzeptable Strategien dem Zugriff der Umwelt zu entziehen. Kaum jemand wagt von sich aus den Schritt in eine psychiatrische Klinik - in bestimmten Gesellschaftsschichten gilt sogar der Gang zum Therapeuten als anrüchig -, so daß man das „Ausflippen“ als letzten Hilfeschrei des depressiven Patienten, im Widerstreit zwischen latenter Selbsttötungsabsicht und noch existierendem Selbsterhaltungstrieb, betrachten muß.

3. Formen und mögliche Entstehungsursachen

depressiver Erkrankungen

Die Unterscheidung zwischen „endogenen“ - auf sogenannten Persönlichkeitseigenschaften beruhenden - und „exogenen“ - durch Umweltfaktoren entstandenen - Depressionen erscheint angesichts neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse obsolet. Dasselbe gilt für die Aussage, daß Depressionen erblich seien. Beides sind unzulässige Vereinfachungen, die jedoch in ihrem Kern folgendes beinhalten:

Depressionen und andere affektive Störungen scheinen auf angeborenen Anlagen zu beruhen, obwohl über deren Eigenschaft noch nichts bekannt ist. Man vermutet genetisch bedingte Störungen im Hirnstoffwechsel, wobei man sich unter anderem auf Untersuchungen an eineiigen Zwillingen beruft. Dennoch sind die Ergebnisse nicht eindeutig. Daß viele eineiige Zwillingspaare mehr oder weniger gleichzeitig anfangen, an Depressionen zu leiden, mag auf hereditäre Faktoren hindeuten; daß dies bei manchen Zwillingspaaren nicht der Fall ist, stützt eher die Empathie-These. Brigitte Woggon schreibt:

„Gemütskrankheiten sind nicht ansteckend, die Stimmung kann sich aber vorübergehend übertragen (...) Wir hatten früher in unserer Klinik eine kleine, drei Zimmer umfassende Behandlungseinheit für acht depressive Frauen. Nach der einstündigen Gruppentherapie mit diesen acht in ähnlicher Weise niedergedrückten Patientinnen war ich jeweils selber deprimiert, wie angesteckt.“

Auf eine ererbte Veranlagung scheint wiederum hinzudeuten, daß bei Kindern depressiver Patienten das Erkrankungsrisiko um das Zwei- bis Dreifache erhöht ist. Da Depressionen - genauso wie andere Krankheiten - jedoch auch eine Bewältigungsstrategie in Lebenskrisen darstellen können, wäre eine lerntheoretische Erklärung ebenfalls denkbar: Das in der Familie erlebte „Vorbild“ wird vom Patienten nachgeahmt. Die These einer genetischen Prädisposition erscheint einleuchtend und entspricht noch dazu dem derzeitigen naturwissenschaftlichen Paradigma; bewiesen ist sie jedoch nicht.

Tatsache ist auch, daß Depressionen durch traumatisierende Ereignisse ausgelöst werden können, „zum Beispiel durch Verlust eines nahen Angehörigen oder Freundes, durch Verlust der Arbeitsstelle, durch politische Verfolgung oder das Wissen um eine tödliche Krankheit.“ Die hier aufgezählten Ereignisse stehen jeweils in unmittelbarem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Rollenerwartungen, die der Einzelne nicht (mehr) erfüllen kann und sich deshalb vielleicht durch „Flucht in die Krankheit“ der Gesellschaft entzieht. Anstelle dieser soziologischen ist jedoch auch eine rein medizinische Erklärung denkbar: Eine latent vorhandene Stoffwechselstörung wird durch ein traumatisches Erlebnis plötzlich manifest. Auch hier mögen genetische Faktoren eine Rolle spielen, wobei jedoch ebenfalls noch kein schlüssiger Beweis dafür erbracht wurde.

Beziehungsschwierigkeiten werden von Patienten und Therapeuten oft als auslösende Faktoren der Depression betrachtet. Nach Brigitte Woggons Ansicht ist dies jedoch eine Umkehrung der Ursache-Wirkungs-Kette: Im Verlauf einer affektiven Störung stellen sich „regelmäßig“ Beziehungsschwierigkeiten ein. Es ist dann „sehr schwierig, sich als Ehepartner nicht schuldig zu fühlen, wenn man immer wieder dafür verantwortlich gemacht wird, daß der

und Jugendliche können genauso schwere Depressionen haben wie Erwachsene, bis hin zum Selbstmord.“

Genauso unzutreffend ist die auch heute noch häufig anzutreffende Meinung, es gäbe eine „ganz normale Altersdepression“. Leiden ältere Menschen an Depressionen, „liegt (die Gefahr) darin, daß sie (die Depressionen, d.A.) als ‘verständlich’ angesehen werden, deshalb nicht als Krankheit erkannt und nicht konsequent behandelt werden. Es stimmt eben nicht, daß alle älteren Menschen depressiv sind, weil sie bald sterben werden. Ein gesunder alter Mensch genießt sein Leben mindestens genauso wie ein jüngerer Mensch und denkt nicht den ganzen Tag über den Tod nach.“

4. Möglichkeiten der Diagnose und Therapie

depressiver Erkrankungen

4.1 Diagnose

Auf somatischer Ebene sind depressive Erkrankungen zum Beispiel durch Veränderungen im Elektroenzephalogramm während des Schlafs nachweisbar, wobei im Vergleich zum Gesunden auch bestimmte Hormonspiegel verändert sind. Eine solche Diagnose ist jedoch nur äußerst aufwendig durchzuführen und bleibt medizinischen Speziallabors vorbehalten.

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle tritt der depressive Patient zunächst mit praktischen Ärzten, Therapeuten und/oder Sozialarbeitern in Kontakt, denen keine hochtechnisierten diagnostischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Hier ist es wichtig, Hilfsmittel zur Verfügung zu haben, die es ermöglichen, bestimmte typische Symptomatiken zu erkennen und einzugrenzen, um das Vorhandensein bzw. den Grad einer Depression zu bestimmen.

Brigitte Woggon verwendet in ihrer ärztlichen Praxis das von ihr so genannte „Blütenmodell“, bei dem die im zweiten Kapitel dieser Arbeit beschriebenen Symptome kreisförmig rund um das depressive Kernsyndrom angeordnet sind. Jedesmal, wenn der Patient zustimmt, daß er aus der entsprechenden Symptomgruppe auch Symptome hat oder hatte, wird das entsprechende „Blatt“ markiert. „So entsteht ein Abbild der gesamten Symptomatik des Patienten im Quer- und Längsschnitt, d.h. jetzt und im Gesamtverlauf. Es gibt auch Patienten, die die Symptome des depressiven Kernsyndroms nicht kennen, sondern nur Symptome eines anderen affektiven Syndroms. Das ist allerdings eher die Ausnahme.“

Abbildung 1 auf der nächsten Seite zeigt eine schematische Darstellung dieses Blütenmodells, die als Hilfsmittel zur Diagnose dienen kann.

Eine weitere Grundlage für die Diagnose kann das psycho-bio-soziale Depressionsmodell des Schweizer Mediziners und Psychiaters Daniel Hell darstellen. Ob die dort genannten Risikofaktoren bzw. Symptome vorhanden sind, läßt sich durch Gespräche mit dem Patienten feststellen, wobei sich biologische Faktoren oft anhand unbewußter Verhaltensmerkmale erkennen lassen.

Das Hellsche Depressionsmodell ist in Abbildung 2 auf der folgenden Seite dargestellt. Eine ausführliche Beschreibung muß hier aus Platzgründen unterbleiben.

Welchem Modell der Vorzug gegeben wird, hängt nicht zuletzt von der Person des Klienten bzw. Therapeuten ab. Die Darstellung Hells eignet sich eher für psychoanalytisch orientierte Ansätze, während das Modell von Woggon gut für die Verhaltens- und Gesprächstherapie geeignet ist.

Depressions- zustand

psychomotorische Erstarrung, evtl. Entrhythmisierung (Reaktivierung älterer Affektsysteme?)

Einbuße an ichhaften Gefühlen (Empfindung der Hemmung und Schwere)

Lähmung der Beziehungsdynamik (interaktioneller Stillstand)

Ein weiteres diagnostisches Hilfsmittel sind Fragebögen zur Selbsteinschätzung, die dem Patienten an die Hand gegeben werden. Er soll die dort gemachten Aussagen auf einer Zahlenskala bewerten, was allerdings voraussetzt, daß er über eine hinreichende Fähigkeit und über den Willen zu einer realistischen Selbsteinschätzung verfügt. Verdrängt er beispielsweise seine Krankheit vehement, so dürften die gemachten Angaben wertlos sein. Zudem wird nur der Zeitraum der letzten zwei bis vier Wochen erfaßt, so daß eine vorhandene depressive Symptomatik nicht erkannt wird, wenn der Zeitpunkt der Befragung in eine „Hochphase“ fällt.

Trotz dieser Einschränkungen kann es sinnvoll sein, solche Fragebögen einzusetzen, zumal da sie für den Patienten etwas „Vertrautes“ darstellen, erinnern sie doch an die mehr oder weniger seriösen „Psycho-Tests“ diverser Zeitschriften. Auch der nachfolgend abgedruckte Test stammt aus einer Frauenzeitschrift. Er wurde erstellt unter Mitwirkung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen, Leiter der klinischen Psychologie am Münchener Max-Planck-Institut für Psychiatrie, und Dr. Rita Wietfeld, Ärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Witten.

Abbildung 3: Fragebogen zur Selbsteinschätzung bei depressiven Erkrankungen

Testauswertung zum Fragebogen auf der folgenden Seite:

bis 35 Punkte: Offenbar gibt es bei Ihnen keine Anzeichen für eine depressive Verstimmung. Sie scheinen stabil zu sein, und es gelingt Ihnen, negative Gefühle und Belastungen so zu verarbeiten, daß Sie insgesamt ausgeglichen sind.

36 bis 60 Punkte: Manchmal sind Sie depressiv verstimmt - und das ist kein Anlaß zur Sorge. Gelegentliche Gefühle von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Freudlosigkeit sind normal und keine Krankheit. Die negativen Gefühle dauern ja auch nur wenige Stunden oder Tage an. Dieser Zustand läßt sich durch Ablenkung, Gespräche oder Zuwendung meist unterbrechen.

61 bis 75 Punkte: Sie fühlen sich häufig antriebslos und erschöpft oder rastlos getrieben. Sie neigen dazu, alles schwarz zu sehen, und empfinden wenig Lebensfreude. Ein Besuch bei einem Psychotherapeuten oder Arzt ist empfehlenswert. Denn Depressionen verändern Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und körperliche Vorgänge so massiv, daß sie zu einer lebensbedrohlichen Krankheit werden können. Je früher Sie Hilfe suchen, desto größer sind die Chancen, aus dem Stimmungstief wieder herauszukommen.

76 bis 100 Punkte: Eine normale Lebensführung ist Ihnen nur unter größten Anstrengungen möglich. Sie fühlen sich erschöpft und hoffnungslos. Dauert dieser Zustand schon länger als zwei Wochen an, leiden Sie wahrscheinlich unter einer schweren Depression. Ein Besuch bei einem Psychotherapeuten oder Arzt ist dringend nötig. Möglicherweise denken Sie sogar öfter an Selbstmord. Dann sollten Sie sofort eine Klinik oder einen ärztlichen Notdienst aufsuchen.

Schlecht drauf oder schon depressiv?

Beantworten Sie die Fragen für den Zeitraum der letzten zwei bis vier Wochen und stufen Sie sich auf einer Skala von 1 bis 4 ein. Dabei bedeutet: 1 = nie oder fast nie 2 = selten 3 = häufig 4 = fast immer

 Ich fühle mich traurig und niedergeschlagen und empfinde ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit. ____  Ich kann mich an nichts mehr richtig freuen. Auch wenn mir etwas Schönes passiert und ich zum Beispiel gelobt werde, etwas gewinne oder mir ein Kompliment gemacht wird, berührt mich das nicht wie sonst. ____  Es fällt mir schwer, mich zu irgend etwas aufzuraffen, und ich schaffe es kaum, meinen Verpflichtungen nachzukommen. ____  Ich muß grübeln. Dabei sind meine Gedanken finster und drehen sich im Kreis. ____  Ich habe das Gefühl, daß mein Leben eigentlich nie richtig schön war und daß sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß mir da jemand heraushelfen könnte. ____  Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, und ich habe den Eindruck, daß mein Gedächtnis nicht mehr so gut ist wie früher. Es fällt mir auch immer schwerer, neue Dinge zu behalten. ____  Fast alles, selbst alltägliche Probleme in meinem Leben, löst Sorgen, Angst und das Gefühl von Überforderung aus. Selbst bei den kleinsten Anlässen muß ich weinen. ____  Ich habe keinen Appetit mehr, nicht einmal auf meine Lieblingsspeise. Ich habe an Gewicht verloren.


 Wenn es mir schlecht geht, esse ich meinen Kummer in mich hinein und werde gierig auf Essen und Süßes. ____  Ich fühle mich antriebslos und verkrieche mich am liebsten in meiner Wohnung. Ich habe das Interesse an meinen Hobbys und meiner Arbeit verloren. ____  Wenn ich morgens aufwache, geht es mir schlecht. Ich frage mich, warum ich eigentlich aufstehen soll. ____  Ich habe das Gefühl, nichts wert zu sein. Mein Selbstwertgefühl ist so labil, daß es mir zum Beispiel schwerfällt, offen meine Meinung zu sagen. Schon die geringste Kritik, das kleinste negative Ereignis wirft mich aus der Bahn. ____  Unter Alkoholeinfluß fühle ich mich vorübergehend etwas erleichtert. Für einige Stunden habe ich dann das Gefühl, es sei doch nicht so schlimm. Deswegen trinke ich mehr Alkohol als sonst. ____  Ich mache mir eigentlich unberechtigte Vorwürfe. Wenn zum Beispiel am Arbeitsplatz etwas schiefgeht oder Freunde verstimmt reagieren, fühle ich mich dafür verantwortlich. ____  Ich habe große Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, auch solche ganz alltäglicher Art. ____  Ich bin immer unruhig, kann nicht stillsitzen und gehe ständig auf und ab. ____  Ich stürze mich rastlos und getrieben von einer Aktivität in die nächste in der Hoffnung auf Änderung. ____  Ich bin mit nichts mehr zufrieden, nicht mit meinem Auftreten, meinem Aussehen und dem, was ich tue - alles dreht sich im Kreis. ____  Ich habe das Gefühl, daß ich langsamer spreche und mich langsamer bewege als sonst. Sogar meine Gedanken sind langsamer als gewöhnlich und sehr durcheinander. ____  Ich fühle mich eigentlich grundlos müde, abgespannt und energielos, obwohl ich körperlich gesund bin. Auch mein sexuelles Interesse ist geringer als gewöhnlich. ____  Ich schlafe schlecht ein oder wache nachts immer wieder auf. Morgens werde ich viel früher wach als sonst. ____  Ich denke viel über meinen eigenen Tod oder den einer nahestehenden Person nach. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, daß es eigentlich egal wäre, wenn ich jetzt sterben würde. ____  Ich ziehe mich von meinen Freunden und Bekannten zurück. Es fällt mir sogar schwer, mich bei meinen besten Freunden zu melden, und ich habe das Gefühl, für andere nur noch eine Last zu sein. ____  Ich fresse alles in mich hinein, ich habe niemanden, dem ich meine belastenden Gefühle anvertrauen kann oder möchte. ____  Das Leben erscheint mir sinnlos, ich sehe keinen Ausweg. ____

Bitte jetzt die Punkte zusammenzählen und das Ergebnis hier eintragen: ____

4.2 Therapie

  • Suizid in der Familie oder der Umgebung
  • Angst-, Schuld-, Insuffizienzgefühle
  • Berufliche oder finanzielle Schwierigkeiten
  • Verlust mitmenschlicher Kontakte
  • Zerrüttete Familienverhältnisse in der Kindheit (broken home)

Fragen an (eventuell) suizidgefährdete Patienten:

Suizidalität - Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich das Leben zu nehmen? Vorbereitung - Wie würden Sie es tun? Haben Sie bereits Vorbereitungen getroffen? (Je konkreter die Vorstellungen, desto größer das Risiko) Zwangsgedanken - Denken Sie bewußt daran? Oder drängen sich die Gedanken auf, auch wenn Sie es nicht wollen? (Sich passiv aufdrängende Gedanken sind gefährlicher.) Ankündigung - Haben Sie über Ihre Absichten schon mit jemandem gesprochen? (Ankündigungen immer ernst nehmen.) Einengung - Haben sich Ihre Interessen, Gedanken und zwischenmenschlichen Kontakte gegenüber früher eingeschränkt, verringert? Aggression - Haben Sie gegen jemand Aggressionsgefühle, die Sie gewaltsam unterdrücken? (Derartig unterdrückte Gefühle können sich schließlich gegen die eigene Person richten.)

Das helfende Gespräch zur Stützung:

1. „Schale öffnen“: - „Aktives“ Zuhören, ernst nehmen; - Verständnis zeigen; - Fragen stellen, die das Gefühlsleben des Patienten ansprechen 2. Helfen, Situation klar darzustellen und zu erkennen: - Fördern der „Auseinandersetzung mit sich selbst“; - Gegenfragen stellen, bis Patient selber klar sieht; - Auf paradoxe Kommunikation achten. 3. Lösungsmöglichkeiten suchen lassen: - Keine Ratschläge, keine Lösungsangebote von außen! - Verschiedene Varianten suchen und gegeneinander abwägen lassen; - Konsequenzen überdenken lassen. 4. Patient soll Entscheidung über mögliche Lösung selber treffen.

Daneben gilt die bereits gemachte Aussage, daß - besonders bei Vorliegen einer schweren Depression - mit flankierenden Maßnahmen nicht allzu lange gewartet werden sollte.

Die medikamentöse Behandlung ist eine solche Maßnahme. Sie stellt keinesfalls einen Ersatz für die Gesprächs- oder Verhaltenstherapie dar, sondern ist in vielen Fällen erst die Grundlage für deren Erfolg: „Eine depressive Patientin ‘lernt’ in der Psychotherapie, wie sie mit ihrem Mann umgehen soll, damit sie besser mit ihm zurechtkommt. Weil sie aber zu diesem Zeitpunkt viel zu stark depressiv ist, kann sie die Ratschläge und Einsichten nicht in die Tat umsetzen. Das ist erst nach erfolgter Besserung der Depression, z.B. durch ein Antidepressivum, möglich.“

Bei den antidepressiv wirksamen Medikamenten gibt es unterschiedliche Substanzgruppen mit unterschiedlichen Wirkungsprofilen und Nebenwirkungen. Nebenwirkungsfrei ist keines dieser Therapeutika. Die Einstellung auf das „passende“ Medikament in der richtigen Dosierung kann daher viel Geduld vom Patienten - aber auch auf seiten des Arztes - erfordern. In den letzten Jahren ist aber eine zunehmend differenziertere Behandlung möglich geworden;

zudem kann durch die Kombination mit anderen Medikamenten (z.B. Stimulanzien, Schilddrüsenhormone, Östrogene) eine zusätzliche „Feinabstimmung“ erreicht werden.

Aus noch nicht geklärten Gründen kann wiederholter Schlafentzug entscheidend zur Heilung schwerer Depressionen beitragen. Eine Anwendung zuhause setzt voraus, daß ein Angehöriger zumindest anfänglich mitmacht und den Patienten jeweils am Einnicken hindert. Da ein Schlafentzug jeweils eine Nacht und den darauffolgenden Tag andauert und, um eine langfristige Wirkung zu erzielen, anfangs in wöchentlichen Abständen wiederholt werden muß, ist eine ambulante oder teilstationäre Behandlung in der Klinik einfacher durchzuführen.

Nach dem Schlafentzug stellt sich meist eine sofortige Besserung der Beschwerden ein, die von großer therapeutischer Bedeutung ist: „Anfänglich habe ich immer den Eindruck, daß die Patienten mir kaum glauben können, daß es sich um eine sinnvolle Therapie handelt. Das liegt größtenteils daran, daß Schlaf in der Depression nicht erfrischt und die Patienten deshalb fast alle das Gefühl haben, sie würden sich wesentlich besser fühlen, wenn sie einmal richtig schlafen könnten. Viele schlafen deshalb auch viel zu lange, wodurch die Depression häufig noch verstärkt wird. Hat ein Patient aber einmal die Erfahrung gemacht, daß Schlafentzug hilft, so wird die Anstrengung mehr oder weniger gern in Kauf genommen.“

Die Elektrokrampftherapie , bei der dem Patienten unter Narkose Elektroschocks verabreicht werden, soll ähnlich wie der Schlafentzug dazu dienen, Veränderungen im Hirnstoffwechsel herbeizuführen, die eine Linderung der depressiven Symptome bewirken. Nicht zuletzt aufgrund des schlechten „Image“ von Elektroschockanwendungen in der Psychiatrie ist sie umstritten, obwohl Erfolge nachweisbar sind. Da aber jede Narkose ein Risiko für den Patienten darstellt, sollte die Elektrokrampftherapie nur dann versucht werden, wenn andere Therapieformen wirkungslos geblieben sind.

Für den Therapeuten ist es dabei wichtig, „das ganze Spektrum der vorhandenen Möglichkeiten zu kennen, damit man den einzelnen Patienten sachkundig dahingehend beraten kann, welche Behandlung für ihn geeignet und vielversprechend ist und bei welchem Therapeuten er sie machen kann .“ Die Behandlung muß dabei integrativ sein: „Nicht der Patient wird einer Behandlungsmethode angepaßt, sondern es werden alle Therapieverfahren so eingesetzt, wie sie dem Patienten am besten helfen können. Da natürlich ein Arzt/Therapeut nicht das ganze Spektrum von heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten lernen und anwenden kann, müssen verschiedene Spezialisten zusammenarbeiten. So wie sonst in der Medizin auch!“

Literatur- und Quellenverzeichnis

Literatur:

Bareiter, Katharina: Depression - Rückzug aus dem Leben, Frankfurt/Main 1992

Hell, Daniel: Welchen Sinn macht Depression? - Ein integrativer Ansatz, Reinbek b. Hamburg 1992

Juchli, Schwester Liliane: Bilder einer Depression - Leben mit den Kräften der Tiefe, Stuttgart 1993

Schneider, Regine: Oh, Baby... - Das hatte ich mir anders vorgestellt: Erfahrungen von Frauen beim ersten Kind , aktualisierte Taschenbuchausgabe, München 1995

Staudinger, Astrid: Mutterglück - Mythos oder Wirklichkeit? , Seminararbeit im Fach Soziologie an der Evangelischen Fachhochschule Berlin, 3. Sem. WS 1998/99 („Zur Soziologie des Glücks“, Prof. Dr. Walter Hollstein), unveröffentlicht (Manuskript bei der Autorin erhältlich), Berlin 1998

Woggon, Brigitte: Ich kann nicht wollen! - Berichte depressiver Patienten , Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 1998

Internet:

National Foundation for Depressive Illness, P.O. Box 2257, New York, NY 10116 (USA): http://www.depression.org (Stand: Februar 1999)

SML Licht- und Therapiesysteme, 52076 Aachen: http://www.lichttherapie.de (Stand: Februar 1999)

Weitere Quellenhinweise

An dieser Stelle sei auf drei weitere Quellen hingewiesen, die in der vorliegenden Arbeit nicht oder nur unvollständig genannt werden konnten.

Zum einen ist dies das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, bei dem Unterlagen zu therapeutischen Maßnahmen bei Depressionen erhältlich sind.

Die Postanschrift lautet:

Max-Planck-Institut für Psychiatrie Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen Kraepelinstraße 2 80804 München

Desweiteren ist im Internet die Arbeit eines Autors verfügbar, der sich selbst nicht namentlich nennt, der aber erwähnt, daß er selbst über Jahre hinweg unter Depressionen litt. Er ist nach eigenen Angaben kein Mediziner oder Chemiker, hat jedoch umfangreiches Material unter anderem über die biochemischen Entstehungsursachen von Depressionen zusammengetragen und dieses zu einem hervorragenden Grundlagenartikel aufbereitet.

Der Text (in englischer Sprache) ist abrufbar (Stand: Februar 1999) unter

http://www.ja-web.com/depression/index.shtml

Speziell mit der Thematik der saisonal abhängigen Depression befaßt sich in den USA die „Society for Light Treatment and Biological Rhythms“. Die Adresse lautet:

Society for Light Treatment and Biological Rhythms (SLTBR) Stephanie Argraves, executive director 842, Howard Avenue New Haven, CT 06519 USA e-Mail: [email protected]

Die Informationen auf der zugehörigen Website verweisen zur Zeit leider hauptsächlich auf Informationsmaterial, das kostenpflichtig angefordert werden kann. Dennoch sei, der Vollständigkeit halber, die URL genannt: