1.Einleitung, Leitfäden, Projektarbeiten und Recherchen von Philosophie

Im Buch 1 der Politik beschreibt Aristoteles den Staat als die ... Staatsformen Oligarchie und Demokratie besonders intensiv und umfangreich ausfällt.

Art: Leitfäden, Projektarbeiten und Recherchen

2021/2022

Hochgeladen am 09.08.2022

PestoReisKlopapier
PestoReisKlopapier 🇩🇪

4.2

(21)

1 / 20

Toggle sidebar

Diese Seite wird in der Vorschau nicht angezeigt

Lass dir nichts Wichtiges entgehen!

bg1
1
Inhalt
1.Einleitung ................................................................................................................. 2
1.1 Die Staatsformenlehre in Buch 3(7) ................................................................... 3
1.2 Grundlage der Untersuchung der Parekbaseis: Die politische Philosophie des
Aristoteles ................................................................................................................. 4
2. Wesen und Ordnung der Verfallsformen ............................................................ 6
2.1 Die Formen der Demokratie ............................................................................. 10
2.2 Die Formen der Oligarchie ............................................................................... 14
2.3 Die Tyrannis ..................................................................................................... 17
2.4 Vergleich der Hierarchien von Demokratie und Oligarchie ............................. 17
3. Fazit: ...................................................................................................................... 19
4. Literatur: .............................................................................................................. 20
pf3
pf4
pf5
pf8
pf9
pfa
pfd
pfe
pff
pf12
pf13
pf14

Unvollständige Textvorschau

Nur auf Docsity: Lade 1.Einleitung und mehr Leitfäden, Projektarbeiten und Recherchen als PDF für Philosophie herunter!

Inhalt

  • 1.Einleitung
    • 1.1 Die Staatsformenlehre in Buch 3(7)
    • Aristoteles 1.2 Grundlage der Untersuchung der Parekbaseis: Die politische Philosophie des
    1. Wesen und Ordnung der Verfallsformen
    • 2.1 Die Formen der Demokratie
    • 2.2 Die Formen der Oligarchie
    • 2.3 Die Tyrannis
    • 2.4 Vergleich der Hierarchien von Demokratie und Oligarchie
    1. Fazit:
    1. Literatur:

1.Einleitung Im Buch 1 der Politik beschreibt Aristoteles den Staat als die bedeutendste aller Gemeinschaften. In dieser Rolle umschließt der Staat alle anderen existierenden Gemeinschaften. Er wird charakterisiert als Gemeinschaft, die um eines Gutes(agathon)willen besteht(A1 1252a1-7)^1. Er ist, zunächst um des bloßen Lebens willen entstanden, dann jedoch zur Verwirklichung des vollkommenen Lebens bestehend, die vollendete Gemeinschaft. Der ursprüngliche Zweck der Polis bestand also im physischen Überleben der in ihr enthaltenen Gemeinschaften (Mann- Frau, Herr- Sklave, Oikos, Dorf). Die eigentliche Bedeutung erhält die Polis durch ihre immanente Zielstellung, das vollkommene Leben im Sinne der geistigen Eudamonia. Die Naturgegebenheit der Polis ist mit der elemen- taren Existenz ihrer Bestandteile, der Gemeinschaften, gerecht- fertigt. Da sie die Grenze der vollendeten Autarkie erreicht hat, und so bezüglich der zur Bewältigung der Aufgaben der Polis notwendigen Dinge unabhängig ist, genügt sich die Polis als eine Art abgeschlossene Einheit selbst(1252b27-1253a1). In dieser Arbeit sollen die in der aristotelischen "Politik" beschriebenen Verfallsformen( Parekbaseis) behandelt werden. Dabei sollen sowohl die Ausprägungen innerhalb der jeweiligen Verfallsform, als auch die Beziehungen der Verfehlungen zueinander präzisiert werden. Im Mittelpunkt sollen Demokratie und Oligarchie stehen, da ihre ausführliche Behandlung in der "Politik" die Absicht der politischen Philosophie des Aristoteles wiederspiegelt. Da das Material der "Politik" recht umfangreich und teilweise widersprüchlich ist, habe ich mich bei der Auslegung am Kampschen Verständnis der Staatsformenlehre orientiert, das mit dem Hintergrund der Metaphysik eine klare Struktur aufweist. Die Fülle der Fakten ist verantwortlich für meine Eingrenzung des Themas innerhalb der Hausarbeit. (^1) Vgl. NE 1094 a1f.

Tugenden, der kriegerischen Tüchtigkeit.^3 So sieht Aristoteles in der Politie eine Staatsform in der die Bewaffneten die regierende Mehrheit stellen. Auf der Seite der verfehlten Formen beschreibt er die Tyrannis als eine Alleinherrschaft zum Nutzen des Herrschers, die Oligarchie als eine Herrschaft zum Eigennutz weniger Reicher und die Demokratie als eine Alleinherrschaft zum Nutzen der wenigen Armen. Die Gemeinsamkeit der Parekbaseis besteht in der Ignoranz der Gemeinnützigkeit. 1.2 Grundlage der Untersuchung der Parekbaseis: Die politische Philosophie des Aristoteles Nach Buch 1(1)und 1(2) ist jede Polis Thema der politischen Philosophie des Aristoteles(1252a1)^4. Methode und Absicht seiner Untersuchung beschreibt er in Buch 2(1) (1260b27-36)^5. Ziel der Analyse ist es, aus dem untersuchten Vorhandenen und Vorgeschlagenen, das herauszufinden, was in der Theorie richtig und in der Praxis verwendbar ist. Der Grund für die Beschäf- tigung mit der Thematik wird von Aristoteles explizit genannt: Die vorhandenen Politeiai sind nicht richtig eingerichtet (1260b35).^6 Aus dieser Erkenntnis, resultiert die Notwendigkeit, diese zu verbessern. Die Voraussetzung dafür ist das genaue Erfassen des Vorhandenen. In einem vorwiegend theoretischen Teil soll die Frage nach der idealen, also besten, Verfassung ebenso Beachtung finden, wie die nach dem Verhältnis von Ver- fassung und menschlichen Zügen. Dagegen erörtert ein eher em- pirischer Teil die Entstehung der Verfassungen unter realen Bedingungen und die Verfassungen, die sich demzufolge in der Mehrzahl der Staaten herausgebildet haben(Buch 4(1), 1288b21- 35). (^3) Vgl. NE Buch 3(10) (^4) Vgl. Kamp, Andreas, Die politische Philosophie des Aristoteles und ihre metaphysischen Grundlagen, Freiburg/München 1985 S. (^5) Zunächst soll die an und für sich beste Polis betrachtet werden. Dem soll sich die Untersuchung der Staatsformen, die existieren und als gut eingerichtet gelten, anschließen. Darüber hinaus sollen auch von anderen Theoretikern erdachte Entwürfe Beachtung finden. (^6) Vgl. Kamp 1985 S.119, 122

Ursache für diese umfangreiche Behandlung ist Aristoteles Auffassung der Bestandteile der politischen Philosophie. Sie soll die Suche nach dem Besten, die Kenntnis der politischen Realität und die Verbesserung des Vorhandenen einschließen. So ist es selbstverständlich, das jede Polis und nicht nur die Beste betrachtet werden muß.^7 Daraus wird deutlich, daß die politische Philosophie des Aristoteles einen praktischen Charakter besitzt. Die Untersu- chung nach der in Buch 1(1), 1(2), 2(1) und 4(1) beschriebenen Methode dient nicht dem Erlangen rein selbstzwecklicher Erkenntnis, sondern vor allem dem aus der Einsicht folgenden vernünftigen Handeln^8. Das Ziel, die Einsicht in ein bestimmtes Eidos, ist selbst grundlegend für die praktische Umsetzung des Eingesehenen. So schließt die politische Philosophie des Aristoteles die Veränderung des Vorhandenen ausdrücklich ein.^9 Dieser nimmt so die Rolle eines Kritikers und Veränderers ein. Darüber hinaus ist die Kritik am Bestehenden abhängig von den zuvor getroffenen theoretischen Erkenntnissen über die ideale Polis, die als Maßstab für die Beurteilung des Vorhandenen fungiert^10. So stellt die Einsicht in die Gestalt der vollkommenen Polis für ihn das wesentliche Wissen der politischen Philosophie dar, denn nur die an und für sich beste Polis, die in der Realität nicht existiert, ist die Polis, und verkörpert das "eigentlich Seiende"^11. Grundlage hierfür bildet die in seiner "Metaphysik" dargelegte Ousia- Theorie^12. Es stellt sich die Frage, in welche Richtung die angestrebte Veränderung, die nach der Zielsetzung des Aristoteles de facto eine Verbesserung des Bestehenden sein muß, geht. Maßgeblich ist die Annäherung an das Beste. Was mit dem Maßstab der an und für sich besten Polis verändert wird, geschieht jedoch unter (^7) Vgl. 1252a1f (^8) Vgl. Kamp 1985S. 120 (^9) Vgl. ebd., S. 121 (^10) Vgl. ebd., S. 123 (^11) Vgl. ebd., S. 122f. (^12) Vgl. ebd., S. 123- 126

Verbreitung der beiden Verfassungen in der politischen Wirklichkeit^16. So stehen politische Philosophie und politische Wirklichkeit einander gegenüber.^17 Die Kenntnis des Gegebenen soll in der umfangreichen Analyse nicht nur um des reinen Wissens willen erlangt werden, sondern sie fungiert als Grundbedingung für die Verbesserung des Seienden(1289a1ff.).^18 Elementar für den Antrieb zur Änderung zum positiven ist die Anerkennung von Verbesserungs- würdigkeit und Verbesserbarkeit des Vorhandenen.^19 Die schlecht geordnete politische Realität ist jedoch nur begrenzt verbesserungsfähig, so daß in Hinblick auf das jeweils Mögliche, die gründliche Betrachtung des Bestehenden relevant ist.^20 So ist nicht nur die Analyse der besten Verfassung Inhalt der politischen Philosophie, sondern es wird mit dieser Polis als Maßstab, die Einschätzung der in der Realität erreichbaren Ordnung vorgenommen.(1288b35ff.) Nach Andreas Kamp liegen der ausführlichen Behandlung von Demokratie und Oligarchie in den Büchern 4-6 drei Elemente zugrunde: Aus 1) der praktischen Absicht der politischen Philosophie folgt 2) der Blick auf das jeweils Mögliche, da das Beste nicht erreichbar ist und Aristoteles bezieht so 3)die Prägung der politischen Realität durch Demokratie und Oligarchie mit in die Betrachtung ein^21. In der unterschiedlichen Konstellation der Teile des Staates sieht Aristoteles die Ursache für die Entstehung unterschiedlicher Ordnungen in der politischen Wirklichkeit(1290a11ff.). Um dies zu verdeutlichen, nimmt er zunächst eine Differenzierung der innerhalb der Polis vorfindbaren Familien vor(1289b27- (^15) Vgl. 1290a (^16) 1301b40ff. (^17) Vgl. Kamp 1985 S. (^18) Vgl. ebd., S.245 "Die umfangreiche Analyse der Verfallsformen in ihrem jeweiligen Vorhanden- Sein stellt deshalb lediglich ein Mittel zum Zweck ihrer Verbesserung dar.", Vgl. Kapitel 1.2 der Hausarbeit. (^19) Vgl. Kamp 1985 S. (^20) Vgl. ebd., S. (^21) Vgl. ebd.

1290a1)^22. Bei Betrachtung dieser Differenzierung wird klar, daß die spezifisch menschliche Tüchtigkeit im vorhandenen Schlechten nur ein Kriterium zur rechtmäßigen Ausübung der Aktivbürgerschaft ist, und eine untergeordnete Rolle spielt. Sie figuriert keineswegs als einziger oder grundlegender Maßstab. Da also im Vorhandenen die Phronesis nicht vordergründig zu finden ist, braucht Aristoteles bei der Untersuchung der bestehenden Poleis neben ihr als Richtlinie einen "realistischen" Maßstab, der den vorherrschenden Bedingungen gerecht wird.^23 Daß dennoch die menschliche Tugend nicht außer Acht gelassen wird, zeigt sich daran, daß die untersuchten vorhandenen Politeiai stets mit der Bezeichnung 'Parekbaseis' versehen^24 , und so als Abweichung oder Perversion der schlechthin besten Staatsformen betrachtet werden. Die den Parekbaseis imman- enten Maßstäbe werden von Aristoteles nur genutzt, da er auch eine Aufgliederung innerhalb der Verfallsformen vornimmt. In Buch 4(3) wird das Dominieren von Demokratie und Oligarchie unter den bestehenden Staatsformen festgestellt (1290a13-29). Darauf zeigt Buch 4(4), daß nicht die Qualität der an der Regierung Beteiligten das entscheidende Kriterium für die Unterscheidung von Demokratie und Oligarchie ist(1290a30-1290b20). Die Frage nach der quantitativen Bestimmung der Herrschenden steht im Vordergrund, so daß die Demokratie nicht einfach den Charakter einer Herrschaft der Menge und die Oligarchie nicht den einer Herrschaft der Minderheit hat. Als eigentliche Merkmale für Unterscheidung und Ausprägung der Formen dienen Freiheit und Reichtum. Maßgeblich ist bei der von Aristoteles getroffenen Unterscheidung ein Zusammenwirken der drei Kriterien. So faßt er zusammen, "daß Demokratie dort herrscht, wo die (^22) Er unterteilt sie nach a)Besitz in Reiche, Mittlere und Arme, b) nach Bewaffnung in Bewaffnete und Unbewaffnete, c)in der einfachen Bevölkerung nach dem Beruf in Bauern, Händler und Handwerker und schließlich d) nach ihrer Herkunft und Tugend dem Adel angehörend oder nicht angehörend. (1289b27-1290a1) (^23) Vgl. Kamp 1985 S. 248 (^24) Vgl. 1290a24ff., 1293b1ff.

menschlichen Tätigkeiten sind in den Bereichen von Praxis und Poiesis miteinander vermischt, so ist die geforderte Trennung von Oikos und Politeia nicht verwirklicht. Als Folge beider Umstände entwickelt sich das rein ökonomisch begründete Differenzierungskriterium Arm- Reich zur primären politischen Richtschnur.^29 An dieser Stelle lohnt sich, um noch eine weitere Differen- zierung treffen zu können, ein Blick auf das Selbstverständnis von Oligarchen und Demokraten. Innerhalb der Oligarchie wird die ökonomische Potenz als Voraussetzung zur Bekleidung von Ämtern betrachtet. Im Gegensatz dazu ist in der Demokratie nicht die Armut diese Notwendigkeit. "Die Demokratie be- streitet[...]die politische Relevanz ökonomischer Differenzen als Partizipationslegitimation"^30 und beruft sich auf das rein politische Kriterium der Freiheit. 2.1 Die Formen der Demokratie Eine erste Einteilung der Demokratieformen ist in im Buch 4(4)zu finden (1291b30-1292a38). Es werden dort fünf Ausprägungen der Demokratie dargestellt. Die erste Form ist gekennzeichnet durch die vom Zensus unabhängige Bürgerschaft, der Freiheit und politische Gleichheit eigen ist. Da diese Bürgerschaft den Großteil des Volkes darstellt, ist diese Form eine Regierung der (mittellosen) Mehrheit (1291b30-39). In der zweiten Ausprägung ist ein geringer Zensus die Grundlage für die Partizipation. Hierin wird die Nähe zur Oligarchie deutlich. Es steht nach wie vor dem Großteil der Bevölkerung der Zugang zu den Ämtern offen (1291b39-41). In der dritten Form ist neben dem geringen Zensus die Herkunft Grundlage für die Partizipation. Die Regierung liegt in der Hand der Besten der Bürger, das Gesetz herrscht (1292a1-2). In einer Abwandlung spielt neben den bereits genannten Kriterien die (^29) Vgl. ebd., S.252f.

Regimentsfähigkeit eine Rolle (1292a2-4). In der vierten Form nimmt die Masse des Volkes die Rolle eines Alleinherrschers ein. Es entsteht ein Staat ohne Gesetze, in dem sich eine Herrschaft des Plebiszits konstituiert. So kann die regierende Mehrheit beliebig über Gesetze verfügen, ohne durch sie Ein- schränkungen zu erfahren.(1292a4-37). Bei Betrachtung der Abstufungen fällt auf, daß die Anzahl der Partizipationsberechtigten stetig steigt, während parallel dazu die politische Vernunft abnimmt, bis schließlich eine Extremform der Demokratie erreicht wird, in der die vielen Schlechten eine Herrschaft über die wenigen Besseren ausüben. Diesen vierten Typus der Demokratie setzt Aristoteles mit der Tyrannis gleich. In der despotischen Regierung über die Tugendhaften sieht er die Gemeinsamkeit beider Formen. Darüber hinaus macht er deutlich, daß diese Entwicklungs- richtung, gemessen am Postulat der Demokraten, einer Freiheit, die durch absolute Gleichheit erreicht wird^31 , die Verwirklichung der "eigentlichen Demokratie" darstellt. Es zeichnet sich neben der eindeutigen Rangordnung und den graduellen Abstufungen eine eindeutige Entwicklungslinie ab. Je weiter sich die Demokratie von der als Maß angesetzten Politeia entfernt, desto negativer wird ihr Charakter. Die beste Form der Demokratie ist jene, die auf Gesetzen und einem niedrigen Zensus fußt und sich in der Nähe des oligarchischen Prinzips befindet. Die Formen, deren Basis Gesetze sind, sind nach Aristoteles Maßstab weniger schlecht. Sie verwirklichen das Prinzip der Gleichheit nur teilweise und in geringerem Maße, so daß sie nur unter Vorbehalt mit der Bezeichnung Demokratie versehen werden. Dagegen ist die schlechteste Form durch Gesetzlosigkeit geprägt.. Daß ihr herausragendes Merkmal, die quantitative Bestimmtheit der Bürgerschaft durch die Verwirklichung des Gleichheitsgrund- satzes, von Aristoteles nur als eine Art Nebensächlichkeit (^30) Vgl. ebd., S. 253

Armen an Stelle des Gesetzes im Staate tonangebend(1292b41- 1293a10). In diesem Schema wird im Gegensatz zum vorherigen konsequent der oligarchische Aspekt des Besitzes betrachtet, der vor allem in den drei gesetzlich fundierten Formen die Partizipationsgrundlage darstellt. Aufgrund dieser Tatsache, ist in den ersten drei Ausprägungen die demokratische Maxime nur unvollkommen verwirklicht.^32 Aus der Synthese beider Modelle wird verschiedenes deutlich. In den Gliederungen von 4(4) und 4(6) wird die Ausgestaltung einer fiktiven politischen Sphäre betrachtet. Darüber hinaus wird ein Schwerpunkt bezüglich der Betrachtung des Standes der Gesetze gesetzt. Es wird festgestellt, daß es zu einer konstanten quantitativen Ausweitung der Aktivbürgerschaft unter dem Gesichtspunkt des ausschließlich politisch begründeten Kriteriums der Freiheit kommt. Die Herausbildung der Demokratie ist für Aristoteles die Konsequenz eines historischen Prozesses(1286b10ff.). In der Größe, die mit der Anzahl der Polisbürger im allgemeinen und der Anzahl der partizipationsberechtigten Bürger im wesentlichen, definiert wird, sieht er die entscheidende Variable für die Entstehung von Demokratie und schließlich extremer Demokratie. Die älteste Demokratie wird als die beste, die jüngste als die schlechteste Form dieser Abweichung betrachtet. So resultiert daraus die Feststellung eines allgemeinen politischen Degenerationsprozesses.^33 Eine Erläuterung der ältesten und besten Konstitution der Demokratie(Bauerndemokratie) findet sich im Buch 6(4) (1318b6-1319b11). Entscheidend ist in hier ausschließlich der Maßstab der spezifisch menschlichen Tugend. So wird an dieser Stelle das in Buch 4 scheinbar vernachlässigte eigentliche Maß für die Qualität der Politeia in den Vordergrund gerückt, und die Erläuterung wurde mit Blick auf die jeweils realisierte (^32) Vgl. ebd.,S.

menschliche Tüchtigkeit vollzogen. Die im Buch behandelten ökonomischen Tätigkeiten werden untergeordnet und von ihr abhängig gemacht. Die beste Demokratie begrenzt den Umfang derer, die am Politeuma teilhaben, nach Maßgabe eines gemessenen Standards an menschlicher Tüchtigkeit. Durch die kriegerische Tüchtigkeit der Bauern, die einen Teilbereich der menschlichen Tüchtigkeit ausmacht, ist die beste Demokratie wenigstens partiell vernünftig. Die Zielsetzung der Bauerndemokratie ist oligarchischer Natur^34 , denn die schlechteste Gruppe des Demos, die noch partizipations- berechtigt ist, wird durch den Zwang der Verrichtung ökonomischer Tätigkeiten von der umfangreichen politischen Tätigkeit de facto ausgeschlossen. Die Konsequenz ist eine vernünftige Kongruenz von politischen Fähigkeiten und politischen Ambitionen. 2.2 Die Formen der Oligarchie In Buch 4(5) wird eine erste Ordnung der Oligarchien vorgenommen(1292a39-b10). Das Knüpfen der Ämter an einen hohen Zensus, der die Herrschaft einer begüterten Minderheit bewirkt, ist charakteristisch für die erste Form(1292a39-41). In der zweiten Ausprägung kommt zur Verbindung von Amt und Zensus die Kooptation hinzu, die sich je nach den Auswahl- kriterien oligarchisch bzw. aristokratisch vollzieht(1292a41-b4). Schließlich begnügt sich die immer reicher und somit machtvoller werdende Minderheit in der dritten Stufe nicht länger mit einer Ergänzungswahl, und macht die Ämter erblich (1292b4-5). In der extremen vierten Form ist die oligarchische Herrschaft schließlich zu einer Dynastie mutiert, in der die regierenden Familien souverän über das Gesetz herrschen (1292b 5 - 10). (^33) Vgl. ebd., S. 258 (^34) Die beste Demokratie basiert auf der Notwendigkeit und der Verfolgung ökonomischer Interessen.

verstärkt sich in dieser zweiten Stufe, doch es herrscht nach wie vor das Primat der Gesetze. Endlich wird die Zahl der Besitzen- den immer geringer, die Größe des Vermögens immer ge- waltiger. Der enorme Machtanspruch bewirkt eine immer weitere Eingrenzung der Aktivbürgerschaft in der dritten Form, die schließlich mit der Erblichkeit der Ämter in der vierten Form in der Herrschaft einer weniger Familien, der Dynastie, mündet. Da diese an Macht und Einfluß überragen, ist die Vorrang- stellung des Gesetzes gebrochen und die Herrschaft in der Polis wird zum "Familienbesitz". So kommt es nach Aristoteles Ein- schätzung zur totalen Vereinahmung der Polis durch die Interessen des Oikos. Die vierte Form der Oligarchie wird jedoch anders als die vierte der Demokratie nicht als "typische" und wesensimmanente Ausprägung dieser Verfehlung betrachtet, d.h. in ihr stellt die oligarchische Maxime, Herrschaft nach Reichtum, nicht das leitende Prinzip dar. Die der Oligarchie eigentümliche Aus- prägung findet sich in den ersten beiden Formen des Schemas. So fällt hier die "eigentliche" Oligarchie mit der besten Oligarchie zusammen. Die Hierarchie der Oligarchien entsteht aus der Kombination von drei Elementen: 1. Durch die Erhöhung des Zensus kommt es zu einer zahlenmäßigen Begrenzung der Partizipationsberechtigten. 2. Die Ämter werden von einigen wenigen Familien vereinnahmt. 3. Das Primat dieser Familien verursacht die Gesetzlosigkeit. Wenn alle drei Elemente ausgeprägt sind, so spricht man von der Dynasteia. So zeigt sich hier ein der Demokratieklassifikation nahezu identisches Prinzip der Gliederung.^36 (^36) Vgl. ebd., S. 264

2.3 Die Tyrannis Die Tyrannis^37 , die in den vorherigen Abschnitten bereits als wesensgleich mit der extremen Demokratie und der Dynasteia charakterisiert wurde, ist die Parekbaseis der Monarchie (1279b4f.), und so eine despotische Alleinherschaft (1279b16f., 1295a16-23).Sie vereinigt die negativen Eigenschaften der beiden anderen Verfehlungen(1310b2ff., 1312a35ff.). So ist sie die schlechteste der sechs vorfindbaren Staatsformen und das Gegenstück zur besten Verfassung. Da sie nach Aristoteles nur im geringen Maße überhaupt einer Polis entspricht, ist ihre Analyse eine "Theorie vollkommener und allgemeiner Polis- Unordnung"^38. So werden selbst ihre Bürger nicht als solche bezeichnet, sondern Untertanen oder Einheimische genannt. Daraus wird ein Rückschluß auf die Existenz der Polis gezogen: "Wo es keine Bürger gibt, besteht keine Politeia, wo keine Bürgerschaft existiert, kann man auch nicht von Bürgern reden"^39. Charakteristisch für die Herrschaft eines Tyrannen ist die vollkommene Unterdrückung von Freiheit und Phronesis. Daß entspricht jedoch nicht dem naturgemäßen Charakter der Polis. Sie ist als Apolis dem Untergang geweiht und wird nur kurze Zeit Bestand haben. Dies wird in Buch 5 ausführlich illustriert. Es mangelt ihr an der, der guten Polis eigenen, Stabilität. 2.4 Vergleich der Hierarchien von Demokratie und Oligarchie Der Vergleich und die Hierarchie beider Verfallsformen werden anhand eines von Kamp aufgestellten Schemas des Parallelsystems besonders deutlich: (^37) Alle im folgenden genannten Punkte sind hauptsächlich für die "eigentliche" Form der Tyrannis(1295a17ff.)gültig. (^38) Vgl. ebd., S. 276 (^39) Vgl. ebd., S. 277

3. Fazit: Die politischen Philosophie des Aristoteles hat einen praktischen Charakter. Sie behandelt die Parekbaseis so intensiv, da deren weite Verbreitung die politischen Wirklichkeit prägt. Die Untersuchung geschieht mit Blick auf das jeweils Mögliche, da das Beste in der Realität nicht zu verwirklichen ist. So ist nicht die Ansammlung von empirischen Wissen, sondern die Verbesserung des Bestehenden das Hauptziel. Die gewonnenen Erkenntnisse über die "Politeia" dienen dabei als Maßstab für die Bewertung der Verfehlungen. Die Grundlage der realen Polis bildet nicht die spezifisch menschliche Tüchtigkeit. Es gibt nicht, wie theoretisch anzunehmen wäre, eine stufenweise Entwicklung vom bloßen Leben zum Gut- Leben^41. Beide Lebensformen sind nebeneinander vorzufinden. Aristoteles zeigt, daß weder eine Unterscheidung nach Tüchtigkeit noch nach Tätigkeiten sinnvoll ist, da in der vorgefundenen Realität eine Vermischung beider Aspekte üblich ist(1291b3ff.)^42 Da des weiteren alle ökonomischen Tätigkeiten wahllos an politische Ämter geknüpft sind, herrscht realiter nur ein sinnvolles Differenzierungskriterium: Eine Trennung der Bevölkerung in Arme und Reiche. Diese beiden Gruppen sind als einzige unabhängig von weiteren Faktoren stets voneinander zu trennen(1291b7f.). So sind diese die wichtigsten Teile des Staates, "zumal der qualitativen auch noch die quantitative Entgegensetzung der Wenigen und Vielen folgt"^43 (1291b9). Durch das Zusammenwirken von qualitativem und quantitativem Aspekt entstehen die in der politischen Realität vorfindbaren schlechten Staatsformen Demokratie und Oligarchie(1291b11ff.). (^41) Wie zum Beispiel die Unterscheidung der Lebensqualität in Oikos(Zwang) und Polis(Freiheit). (^42) Vgl. ebd., S. (^43) Vgl. ebd.

4. Literatur:

Aristoteles, Politik, 8.Aufl., München 1998 Aristoteles, Nikomachische Ethik, Stuttgart 1983 Kamp, Andreas, Die politische Philosophie des Aristoteles und ihre metaphysischen Grundlagen. Wesenstheorie und Polisordnung, Freiburg/München 1985.