Differentialrechnung, Skripte von Mathematik

berechnen zu m¨ussen, sondern. ” Steigungen“ von allgemeineren Funktionen. Mathematik kompakt. 1. Page 3. Differentialrechnung – Ableitungsbegriff. Geometrische ...

Art: Skripte

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Kapitel 6
Differentialrechnung
Der Ableitungsbegriff
Ableitung elementarer Funktionen und
h¨
ohere Ableitungen
Ableitungstechniken
Extrema und Kurvendiskussion
Numerische L ¨
osung nichtlinearer Glei-
chungen
Taylorpolynome
Funktionen in mehreren Ver ¨
anderlichen
Anwendungen
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Kapitel 6

Differentialrechnung

  • Der Ableitungsbegriff
  • Ableitung elementarer Funktionen und

h ¨ohere Ableitungen

  • Ableitungstechniken
  • Extrema und Kurvendiskussion
  • Numerische L ¨osung nichtlinearer Glei-

chungen

  • Taylorpolynome
  • Funktionen in mehreren Ver ¨anderlichen
  • Anwendungen

Geometrische Bedeutung und Definition der Ableitung

Die Steigung der Straße ist durch den Winkel α des Dreiecks gegeben.

Ankathete A Gegenkathete G Steigung : tan = G / A

In vielen praktischen Anwendungen hat man nun aber das Problem, nicht Steigungen von Geraden berechnen zu m ¨ussen, sondern ”Steigungen“ von allgemeineren Funktionen.

Definition der Ableitung

Definition

Falls der folgende Grenzwert (Differential- quotient) existiert, heißt

f ′(x 0 ) := lim h→ 0

f (x 0 + h) − f (x 0 )

h

Ableitung von f im Punkt x 0. f heißt dann

in x 0 differenzierbar.

Man kann nun jedem Punkt x aus dem Definitions- bereich von f (x) den Wert f ′(x) (falls existent!) zuordnen. Durch diese Zuordnungsvorschrift erh ¨alt man wieder eine Funktion:

Definition

Die durch die Zuordnung x 7 −→ f ′(x)

erkl ¨arte Funktion heißt (erste) Ableitungs- funktion bzw. kurz (erste) Ableitung.

Aquivalenzen^ ¨

V ¨ollig ¨aquivalente Schreibweisen f ¨ur die Ableitung f ′(x 0 ):

y′(x 0 ), y′|x=x 0 , dy dx

∣∣ ∣∣ x=x 0

df dx

∣∣ ∣∣ x=x 0

Die Gr ¨oßen dy bzw. df und dx nennt man auch Dif- ferentiale. Dies erkl ¨art den Namen Differentialquoti- ent f ¨ur f ′(x 0 ).

Manchmal ist es praktischer, den Differentialquoti- enten in einer anderen Form zu benutzten. Hierzu setzt man x = x 0 + h. Dann ist h = x − x 0 und h → 0 aquivalent zu¨ x → x 0 :

Die Ableitung l ¨asst sich auch durch folgen- den Differentialquotienten berechnen:

f ′(x 0 ) = xlim→x 0

f (x) − f (x 0 )

x − x 0

Beispiel

b) Legt unser ”Brummi“-Fahrer abh ¨angig von der Zeit t ≥ 0 die Entfernung s(t) zur ¨uck, so er- rechnet sich seine Durchschnittsgeschwindig- keit (in der Physik: mittlere Geschwindigkeit ) im Zeitintervall [t 0 , t] ( t > t 0 ) aus dem Differen- zenquotienten s(t) − s(t 0 ) t − t 0

L ¨asst man die L ¨ange des Zeitintervalls gegen Null gehen ( t → t 0 ), so erh ¨alt man die auf dem Tachometer ablesbare Momentangeschwindig- keit aus dem Differentialquotienten

t^ lim→t 0

s(t) − s(t 0 ) t − t 0

= ˙s(t 0 ).

Ubung^ ¨

a) Berechnen Sie mit Hilfe des Differentialquotien- ten die Ableitung f ′(x 0 ) der Funktion f (x) = 1 /x_. [Tipp: Differenzen auf Hauptnenner brin- gen!]_

b) Ist beim freien Fall eines schweren Massenpunk- tes (im Vakuum) seit Beginn des Falles eine Zeit von t Sekunden vergangen, so gilt f ¨ur den in dieser Zeit zur ¨uckgelegten Weg s(t) die aus der Schulphysik bekannte Formel

s(t) = g 2

t^2 mit g = 9, 81 m s^2 ( g Erdbeschleunigung). Welche Momentangeschwindigkeit hat der Punkt zu einem beliebigen Zeitpunkt t 0 > 0_?_

= (^) xlim→x 0

x

x 0 x − x 0

= (^) xlim→x 0

x 0 − x xx 0 x − x 0

= (^) xlim→x 0

xx 0

x^20

b) Die Momentangeschwindigkeit ergibt sich zu

s ˙(t 0 ) = (^) tlim→t 0

s(t) − s(t 0 ) t − t 0 = (^) tlim→t 0

1 / 2 g(t^2 − t^20 ) t − t 0

Unter Beachtung von t^2 − t^20 = (t − t 0 )(t + t 0 ) erh ¨alt man daraus

s ˙(t 0 ) = lim t→t 0

1 / 2 g(t + t 0 ) = gt 0.

Tangente, Monotonieverhalten

Geometrische Deutung:

f ′(x 0 ) ist der Tangens des Steigungswin-

kels α der Tangente an die Funktion f (x)

im Punkt x 0 :

f ′(x 0 ) = tan α.

P 0 P 0

x 0 x 0

y = f(x) y = f(x)

x x

y y

a a

tan a> 0, 0< a< /2 tan a< 0,- /2< a<

Monotonieverhalten:

Gilt f ¨ur alle x aus einem Intervall I f ′(x) >

0 bzw. f ′(x) < 0 , so ist f(x) in I streng mo-

noton wachsend bzw. fallend.

Ableitung mit Tangente

Schreibt man nun die Identit ¨at

x^ lim→x 0

f (x) − f (x 0 ) x − x 0

= f ′(x 0 ) = (^) xlim→x 0 f ′(x 0 )

als

x^ lim→x 0

( f (x) − f (x 0 ) x − x 0

− f ′(x 0 )

) = 0

bzw. auf den Hauptnenner gebracht als

x^ lim→x 0

f (x) − [f (x 0 ) + f ′(x 0 )(x − x 0 )]

x − x 0

so erkennt man, dass im Z ¨ahler des obigen Quo- tienten die Differenz zwischen Funktionswert f (x) und Tangentenwert t(x) steht:

x^ lim→x 0

f (x) − t(x) x − x 0

Man kann diesen Grenzwert auch anschaulich wie folgt formulieren: Die Funktion f (x) n ¨ahert sich der Tangente t(x) schneller als der Wert x dem Wert x 0.

Lineare Approximation

Wir interessieren uns nun f ¨ur die Differenz ε der Zuw ¨achse zwischen der Funktion und der Tangen- te, wenn das Argument sich von x 0 auf x andert.¨

x x

Tangente

y = f(x) f(x)

x

y

D y

D x =^ dx

} dy

e

0

f(x ) 0

t(x)

  • Argumentzuwachs: dx = x − x 0 ,
  • Zuwachs l ¨angs Funktion: ∆y = f (x) − f (x 0 ),
  • Zuwachs l ¨angs Tangente: dy = t(x)−t(x 0 ) = f ′(x 0 )(x−x 0 ) = f ′(x 0 ) dx,
  • Zuwachsdifferenz von f und Tangente t: ε = ∆y − dy.

Differentiale

N ¨aherungsformel:

f (x) ≈ f (x 0 ) + f ′(x 0 ) · dx.

Wenn man die N ¨aherungsformel anwendet, so er- setzt man die Funktion f in der N ¨ahe von x 0 durch ihre Tangente, also durch eine lineare Funktion (Ge- rade). Man spricht daher auch von lokaler linearer Approximation der Funktion f.

Definition

Man nennt die Gr ¨oßen dx Differential der

unabh ¨angigen Variablen x bzw. dy =

f ′(x 0 )·dx Differential der Funktion f an der

Stelle x 0.

Beispiel Gegeben sei ein Quadrat mit der L ¨ange x 0 = 5 und dem Fl ¨acheninhalt f (x 0 ) = 25_. Jetzt vergr ¨oßern wir die Seiten des Quadrats um_ dx = 0. 005 und berechnen den neuen Fl ¨acheninhalt mit der N ¨ahe- rungsformel: Wegen f (x) = x^2 , f ′(x) = 2x lautet diese

f (x 0 + dx) ≈ x^20 + 2x 0 · dx.

Wir setzen x 0 = 5 und dx = 0. 005 und erhalten

f (5.005) ≈ 52 + 10 · 0 .005 = 25. 05.

Man beachte, dass wegen (x 0 +dx)^2 = x^20 +2x 0 · dx + (dx)^2 , also ε = (dx)^2 = 0. 000025 die bei- den Ziffern nach dem Komma richtig sind. Der kor- rekte Fl ¨acheninhalt w ¨urde sich zu 25. 050025 er- geben. e

}

{

{

{

x

x

dx

dx

e=dx dx.

L ¨osung

a) Es ist dr = 0. 0075 und damit A = π(3 + 0.0075)^2 ≈ π

( 32 + 6 · 0. 0075

)

= 28. 4157. Der Fehler ergibt sich zu ε = π · 0. 00752 =

  1. 0002_. Der korrekte Wert w ¨are also_ A = 28. 4159_._

b) Das Differential lautet ds = ˙s(t 0 ) · dt mit dt = t − t 0. Es ist der Weg, den der Fahrer zur ¨ucklegen w ¨ur- de, wenn er die Momentangeschwindigkeit s˙(t 0 ) unver ¨andert beibeh ¨alt. F ¨ur ein kurzes Zeitintervall ist dies eine gute N ¨aherung, da sich in diesem Fall nur sehr gerin- ge Geschwindigkeits ¨anderungen ergeben k ¨on- nen.

Differentielle Fehleranalyse

Praxis: h ¨aufig Gr ¨oßen y 0 zu berechnen, die in ei- nem funktionalen Zusammenhang mit gemessenen Ausgangsgr ¨oßen x 0 stehen: y 0 = f (x 0 ).

Ist dabei x 0 mit einem Messfehler dx behaftet, so stellt sich die Frage, wie sich dieser auf die zu be- rechnende Gr ¨oße y 0 auswirkt. Hierzu benutzt man die differentielle Fehleranalyse. Sie liefert eine N ¨ahe- rung f ¨ur den auftretenden Berechnungsfehler ∆y = f (x 0 +dx)−f (x 0 ) durch Anwendung unserer N ¨ahe- rungsformel. Dieser kann auf zwei Arten berechnet werden:

  • Absoluter Fehler:

|∆y| ≈ |dy| = |f ′(x 0 ) · dx|,

  • Relativer oder prozentualer Fehler: ∣∣ ∣∣ ∣

∆y y

∣∣ ∣∣ ∣ ≈

∣∣ ∣∣ ∣

dy y

∣∣ ∣∣ ∣ =

∣∣ ∣∣ ∣

f ′(x 0 ) · dx f (x 0 )

∣∣ ∣∣ ∣ =

∣∣ ∣∣ ∣

f ′(x 0 )x 0 f (x 0 )

∣∣ ∣∣ ∣·

∣∣ ∣∣ ∣

dx x 0

∣∣ ∣∣ ∣.