




























































































Besser lernen dank der zahlreichen Ressourcen auf Docsity
Heimse Punkte ein, indem du anderen Studierenden hilfst oder erwirb Punkte mit einem Premium-Abo
Prüfungen vorbereiten
Besser lernen dank der zahlreichen Ressourcen auf Docsity
Download-Punkte bekommen.
Heimse Punkte ein, indem du anderen Studierenden hilfst oder erwirb Punkte mit einem Premium-Abo
Konvergenzbewegung der Augen gekoppelt. Als Konsequenz würde die. Konvergenz dazu tendieren, dichter als die Akkommodation zu liegen.97.
Art: Mitschriften
1 / 255
Diese Seite wird in der Vorschau nicht angezeigt
Lass dir nichts Wichtiges entgehen!





























































































Diplomarbeit Carmen Koch Inhaltsverzeichnis
Diplomarbeit Carmen Koch Inhaltsverzeichnis
Diplomarbeit Carmen Koch Einleitung
Colleges of Optometry. Die wissenschaftliche Anerkennung führte sogar dazu, dass in 43 Staaten der USA die Ausübung von VT, Orthoptik oder eines anderen Synonyms in die Definition des Berufsbildes des Optometristen aufgenommen wurde.^1
Mittlerweile kommt es auch in Deutschland aufgrund des, wie anfangs erwähnt, gewachsenen Gesundheitsbewusstsein zu einer erhöhten Nachfrage nach diesen Methoden. Doch das Wissen über sinnvolle Maßnahmen ist noch wenig verbreitet und außerdem sehr umstritten, so dass eine flächendeckende Nutzung der Anwendung eher mühsam vorangeht. Erst seit April 2002 hat die WVAO eine einzige Möglichkeit in Deutschland geschaffen, durch die Teilnahme an mehreren Seminaren über die Anwendung „alternativer“ Behandlungsmöglichkeiten, die Zertifizierung zum Funktional-Optometristen zu erlangen.^2 Auch die Zertifizierung hat aber bisher keine berufsrechtlichen Konsequenzen. Das Gesprächsthema VT und die Diskussionen darüber wecken jedoch gleichfalls immer stärker das Interesse mehr über die funktionale und behavioristische Auffassung des Begriffes Sehen zu erfahren.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, einen umfassenden Einblick in die funktionale und behavioristische Thematik des Begriffes Sehen zu geben. Der erste Teil der Arbeit fasst aus diesem Grunde die bisherigen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu den einzelnen Komponenten des Sehens und der Wahrnehmung zusammen. Der inhaltliche Schwerpunkt allerdings liegt im zweiten Teil der Diplomarbeit. Dieser beschäftigt sich mit der Analyse der im VT eingesetzten Übungen. Hierbei gilt es, die Wirkungsweise der Übungen im Hinblick auf die Physiologie des Sehens zu untersuchen und so die Möglichkeit zu bieten, deren Effektivität nachzuvollziehen. Zu diesem Zwecke werden zu Beginn die Durchführung und das benötigte Übungsmaterial erläutert. Danach erfolgt eine Diskussion der mit der Übung angesprochenen Sehfunktionen, und abschließend sind die zu erreichenden Ziele aufgeführt.
(^1) Press, L.: Applied concepts in vision therapy, St Louis (Mosby) 1997, S. (^2) Mündliche Mitteilung von Herrn Glaser, WVAO-Geschäftsführer, 27.08.
Diplomarbeit Carmen Koch Ursprung des Visualtrainings (Vision Therapy)
2 Theoretische Grundlagen
Schon 1852 forschten Reymond und auch 1854 Mac-Kenzie nach einer nicht invasiven Behandlungsmöglichkeit für Strabismus Patienten. Den ersten Grundbaustein legte allerdings Javal, ein französischer Ophthalmologe, als er Ende des 19. Jahrhunderts die ersten standardisierten Vorschläge zur Strabismustherapie machte. Kurze Zeit später erkannten die Ophthalmologen, dass in den meisten Fällen der Behandlungen von Augenmuskelungleichgewichten nicht der angebliche schwache Muskel aufgebaut wird, sondern dass die Therapie eher die Signale zur Steuerung der Muskeln veränderte. 1928 legte der amerikanischer Optometrist A. M. Skeffington mit „Procedure in ocular exemination“ ein weiteres und bis heute eigentlich das wichtigste Fundament für optometrisches Visualtraining. Er entwarf ein breites Konzept über die visuelle Wahrnehmung und deren Anpassungsfähigkeit an Umwelteinflüsse.^3
Skeffington entwickelte ein Modell, welches Sehen als die Schnittmenge aus vier Unterfunktionen zusammenfasste (Abbildung 1):^4
Abbildung 1: Modell nach Skeffington
(^3) Press, L.: Applied concepts in vision therapy, St Louis (Mosby) 1997, S.2f. (^4) Collier, S.: Seminarunterlagen Visualtraining I, WVAO-Seminar Berlin, 27-28.5.2000, S.4ff.
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
Auf dieser Grundlage entwickelte Skeffington das Optometric Extension Program ( OEP ), welches bis heute dem Visualtraining als Grundlage dient.
Jede Trainingseinheit im Visualtraining wird nach dem OEP deshalb aus vier Übungen aufgebaut. Man erhofft sich durch das Ansprechen jeder dieser Unterfunktionen, eine höheren Trainingserfolg, welcher auch langfristig erhalten bleibt.
Die in jeder Trainingseinheit im Einzelnen angesprochenen Funktionen sind also: 9
Um später die Wirkungsweise der Übungen zu erklären, werden nun als Grundlage in den folgenden Kapiteln die bisher gewonnenen Erkenntnisse über die einzelnen Unterfunktionen zusammengefasst.
Um korrekte Augenbewegungen ausführen zu können, benötigt man zuerst einmal Informationen über den eigenen Aufenthaltsort. „Wo bin ich?“ so beschreibt Skeffington den 1. Kreis. Zur Bestimmung des eigenen Standortes sind Informationen erforderlich wie: die Lage unserer Augen in den Augenhöhlen, das Verhältnis der Augenhöhlen zum Kopf, die Lagebeziehung zwischen Kopf und Körper und letzten Endes, das Wissen über die Position des Körpers zu den wirkenden Gravitationskräften. Erst danach wird es möglich, dass sich im Raum befindende Objekt zu bestimmen, es zu fixieren und zu verfolgen.
Das Augenbewegungssystem ist sehr eng mit dem vestibularen und dem propriozeptiven System (Kapitel 3.5 und Kapitel 3.6) des Körpers verbunden. Das Bewegungssehen des Menschen beruht auf einem Reafferenzprinzip (Kapitel 3.1).
(^9) Collier, S.: Seminarunterlagen Visualtraining I, WVAO-Seminar Berlin, 27-28.5.2000, S.2ff.
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
Widersprüchliche Informationen der Gleichgewichtsorgane, der Augen und der Rezeptoren in der Haut und dem Körper führen zu Schwindel, welcher häufig verbunden ist mit ruckartigen Augenbewegungen (Nystagmus). 10
Aufgrund der Haltefunktion unserer Augen, welche im starken Maße beeinflusst wird durch den Vestibuloocular-Reflex (Kapitel 3.5), sind wir in der Lage, einen unbewegten Objektpunkt foveal abzubilden und diesen zur weiteren Betrachtung dort festzuhalten.^11 Die Haltefunktion wird für alle Arten von Augenbewegungen benötigt. Sie verdient deshalb auch eine besondere Beachtung. In Wahrheit ist die Bezeichnung etwas irreführend, denn auch während der Fixation („starrer Blick“) finden kleinste Bewegungen statt. Gay et al. unterscheidet die „micro“ Bewegungen, welche nur mit speziellen Instrumenten messbar sind, in „rapid flicks“ (wahrscheinlich verursacht durch das saccadische System) und in „slow drifts“ (wahrscheinlich verursacht durch das Blickfolge- [persuit] System). 12 Diese kleinen Augenbewegungen scheinen zum einen dazu zu dienen, Fixationsfehler zu korrigieren und somit das Zielobjekt exakt in die Fovea zu führen, und zum anderen ist es wahrscheinlich, dass man durch sie eine retinale Adaptation/ Ermüdung verhindern kann.
Zum groben Überprüfen der Haltefunktion der Augen schlägt Gay vor, den Probanden aufzufordern, zuerst monokular einen Objektpunkt in 40cm Entfernung, danach auch in 6m Entfernung, zu fixieren. Der Proband sollte dabei in der Lage sein, das Objekt mindestens fünf Sekunden lang anzublicken. Während dieser Zeit sollten keinerlei sichtbare Bewegungen der Augen zu beobachten sein.
Um eine Fixation aufrechtzuerhalten, muss die Aufmerksamkeit auf das zu fixierende Objekt gerichtet sein. Kinder, die das Zielobjekt zu schnell verlieren bzw. loslassen, demonstrieren damit eine niedrige Haltefunktion. Diese Kinder verhalten sich auch im täglichen Leben auffällig, da ein bestimmtes Objekt nur
(^10) Christner, J.: Abiturwissen: Nerven, Sinne und Hormone, Stuttgart 1993, S.56f. (^11) Silbernagel, S., Despopoulos, A.: Taschenbuch der Physiologie, Stuttgart 1987, S. 298 (^12) Griffin, J.: Binocular anomalies procedures for vision therapy, 2nd edition, New York 1982, S.
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
Außer im Falle von pathologischen Ursachen ist Griffin der Ansicht, dass die Haltefunktion der Augen oft durch funktionale Trainingsübungen verbessert werden kann. 14
Saccaden sind schnelle Bewegungen des Auges von einem Fixierpunkt zu einem anderen.^15 16 Sie sind die schnellsten somatischen Bewegungen, die durch unser muskuläres System hervorgerufen werden können. Für eine Saccade von z.B. 40° benötigt man ca. 100ms, wohingegen eine Bewegung des Unterarms um 40° im schnellsten Fall ca. 300ms dauert. 17
Saccaden werden im Allgemeinen als ballistische Bewegungen angesehen, deren Bahn nach Beginn der Bewegung nicht mehr beeinflusst werden kann. Saccadische Bewegungen unterteilt man nach ihrer Größe in feine (fine) bzw. grobe (gross) Saccaden. Feine Saccaden ermöglichen beim Lesen eine Serie von Fixationen entlang einer Schriftzeile auszuführen. Größere, gröbere Saccaden sind typisch für das tägliche Sehen, wenn sich die Aufmerksamkeit von einem Objekt auf ein anderes zuwendet. Unter natürlichen Bedingungen überschreiten Saccaden gewöhnlich nicht einen Winkel von 20° und die kleinsten ausführbaren Sprungbewegungen liegen zwischen 2und 5 (Yarbus 1967).^18 Etwa 40ms 19 (bzw. 35-85ms 20 ) bevor die saccadische Bewegung ausgelöst wird, beginnt die Unterdrückung (saccadic suppression) bzw. Auslassung (omission) des Seheindruckes.^21 Sie dient zum Schutz, da man ansonsten aufgrund der hohen Geschwindigkeit unscharfe und verschmierte Bilder wahrnehmen würde. Die Unterdrückung des Seheindruckes kann bis zu 200ms nach Beendigung der Einstellbewegung anhalten. Dabei verläuft die präsaccadische Verringerung der Wahrnehmungsfähigkeit steiler als die postsaccadische Wiederherstellung, wie in
(^14) Griffin, J.: Binocular anomalies procedures for vision therapy, 2nd edition, New York 1982, S. (^15) Solan, H.: Eye movements problems in achieving readers: un update, Am J Optom & Physiol
16 Optics, 1985, Vol.62, S. 812- 17 Birnbaum, M.: Optometric Managment of Nearpoint Vision Disorders, 1993, S. 18 Monty, R., Senders, J.: Eye movements and psychological processes, New Yersey 1976, S. 19 Birnbaum, M.: Optometric Managment of Nearpoint Vision Disorders, 1993, S. 20 Griffin, J.: Binocular anomalies procedures for vision therapy, 2nd edition, New York 1982, S. 21 Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. 121 Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. 121
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
Abbildung 3 dargestellt. Während des Zeitraums der eigentlichen Augenbewegung ist die Wahrnehmungsfähigkeit nahezu auf „0“ abgesunken.
Abbildung 3: Zeitverlauf der saccadischen Suppression. Vor, während und nach der Saccade wurden Lichtblitze dargeboten, die von der Person zu erkennen waren. 22
Die prä- und postsaccadischen Unterdrückungen des Seheindruckes widersprechen der Theorie, dass der Verwischungseffekt alleine für die Suppression verantwortlich sei. Eine Suppression auf Grund des Verwischungseffektes könnte nicht so früh vor der eigentlichen Bewegung einsetzen und danach noch anhalten. Man geht deshalb davon aus, dass die kortikalen Efferenzen (Kapitel 3.1) zum Start einer Saccade gleichzeitig einen inhibitorischen Effekt auf die Verarbeitungszentren ausüben und die Wahrnehmung so blockiert wird.^23 Ähnliche Suppressionseffekte wie bei Saccaden sind auch beim Lidschluss (blinks) zu verzeichnen. Die Aufnahmeempfindlichkeit nimmt hier schon 100-150ms vor Einsetzen des Lidschlusses ab. Die Empfindlichkeit sinkt dann bis zum vollständigen Schließen des Lides nahezu auf „0“ und erreicht erst ca. 200ms danach wieder ihren Ausgangswert.^24
Saccaden treffen, wenn sie größer als 10° sind, in der Regel das Ziel nicht mit der ersten, sondern erst mit einer zweiten (Korrektur-) Saccade.^25 Bei kleinen Amplituden (bis 10°) treten meist „Überschuß-Saccaden“(overshoots), bei größeren
(^22) Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. (^23) Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. (^24) Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. (^25) Fey, D.: Dynamisch und statische Eigenschaften des Systems der sakkadischen Augenbewegungen Frankfurt/Main 1983, S. 14
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
Zwischen der Genauigkeit und der Latenz einer Saccade konnte Becker keinen Zusammenhang finden.
Die Gründe, warum mit zunehmender Amplitude der Fehler der Erstsaccade zunimmt, liegt nach Parablanc, Masse und Echallier darin begründet, dass bei kleiner Exzentrizität (Kapitel 3.11) das Auflösungsvermögen des engeren fovealen Bereiches ausreicht, um die gewünschte genaue Informationsaufnahme durchzuführen. Bei größeren Exzentrizitäten liegt der anvisierte Zielpunkt so weit außerhalb der Fovea, dass vermutlich unter anderem, wegen der Größe der rezeptiven Felder (Kapitel 2.6.2), eine größere saccadische Korrektur nötig ist (retinooptische Theorie).^31
Während des Heranwachsens eines Kindes kommt es zu einer stetigen Verbesserung der saccadischen Bewegungen. Vorschüler und junge Schulkinder führen diese meistens mit wenig Genauigkeit aus. Sie haben größere Probleme eine konstante Konzentration aufzubringen. Stattdessen zeigen sie eher eine Bewegung, welche von Kopf und Körper unterstützt wird. Sie sind meist zappelig und benötigen eine größere motorische Unterstützung (motor overflow; Kapitel 3.7) als ältere Kinder oder Erwachsene. Klinisch kann man sagen, dass die Fähigkeit, exakte und genau abgestimmte Augenbewegungen mit minimaler Kopfunterstützung und ohne motor overflow, spätestens ab einem Alter von 8-9 Jahren gegeben sein müsste.^32
Um eine Saccade auszuführen, ist es notwendig, dass das Objekt des Interesses gesucht, begriffen und losgelassen wird. Dieser Prozess wird im Amerikanischen als „reach-grasp-release information-processing sequence“ bezeichnet. Um ein Ziel im Raum lokalisieren und eine exakte Fixation ausführen zu können, ist die Funktion des Suchens und Erlangens („reach“) nötig. Die Fähigkeit, dieses Ziel dann in einer kontinuierlichen Fixation zu halten und nicht gleich zum nächsten Objekt weiterzugehen, erfordert die Funktion des Greifens („grasp“). Denn nur, wenn das Zielobjekt „gegriffen“ wird, kann es untersucht werden und der Betrachter kann Informationen über das Objekt erhalten und es so im übertragenen Sinne „begreifen“. Bevor nun ein neues Objekt als Ziel des Interesses angesteuert
(^31) Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. 118 (^32) Birnbaum, M.: Optometric Managment of Nearpoint Vision Disorders, 1993, S.218f.
Diplomarbeit Carmen Koch Erkenntnisse zur Augenbewegung
werden kann, muss die Aufmerksamkeit von dem fixierten Objekt getrennt werden. Man spricht nun vom Prozess des Lösens („release“).^33
Auch in der Neurophysiologie unterscheidet man beim willentlichen Blickwechsel folgende Stufen:
Neuere „spatiotopische“ Theorien der Saccadenprogrammierung gehen davon aus, dass neben retinalen vorwiegend „räumlich-extraretinale“ Informationen über die Augenpositionen für die Programmierung entscheidend sind.^35 Dies würde bedeuten, dass eine verbesserte räumliche Vorstellung (visuo-spatial localization) zu einer Verbesserung der Genauigkeit von Saccaden größerer Amplitude führen könnte.
(^33) Birnbaum,M.: Optometric Managment of Nearpoint Vision Disorders, 1993, S. (^34) Fischer, B.: Neurophysiologische Grundlagen willkürlicher Zielgerichteter Blicksprünge, Bücherei
35 des Augenarztes Band 121 Augenbewegung und visuelle Wahrnehmung, Stuttgart 1990, S.44- Mester, J.: Diagnostik von Wahrnehmung und Koordination im Sport, Schorndorf 1988, S. 116