Handbuch zur Methodenvielfalt, Zusammenfassungen von Literatur

Hier werden alle möglichen Unterrichtsformen und –methoden ausführlich beschrieben und erklärt. 3.3.1 Beschreibung. „Gruppenarbeit ist weder ein pädagogischer ...

Art: Zusammenfassungen

2021/2022

Hochgeladen am 28.06.2022

Melissa_Lehmann
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Zusammengestellt von Dominique Eggenschwiler
Im Rahmen der Ausbildung an der AfaP, Dornach
November 2014
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Zusammengestellt von Dominique Eggenschwiler

Im Rahmen der Ausbildung an der AfaP, Dornach November 2014

INHALTSVERZEICHNIS

2 Methodentabelle

Die Klassenstufenangaben sind nur zum Teil persönliche Erfahrungswerte und eher vorsichtig gesetzt. In der Fachliteratur werden viele Unterrichtsformen aber schon, aufbauend, für Grundschulen empfohlen, wenn ihnen der nötige Aufbau vorangegangen ist.

Einfache Anwendung Lehrerzentriert Schülerzentriert Kooperative Lernform Üben Neues Wissen aneignen Austausch Binnendifferenzierung Spielerische Form Vorkenntnisse (LP) nötig Klassenstufe

(a=alle)

Materialaufwand Zeitaufwand

Frontalunterricht x x x x a Unterrichtsgespräch x x x x a Gruppenarbeit x x x x x x x x a x x Kooperatives Lernen x x x x x x x x x a x x Freiarbeit x * x x x x x a xx xx Wochenplan x * x x x x x x a xx xx Werkstattunterricht x x * x x x x x x a xx xx Stationenlernen x * x x x x x x a xx xx Briefmethode x x x x x x x 3+ Entdeckendes Lernen

x x x x x x a x x

Cluster x x x x x 2 Memory x x x x x x x x x a x Placemat x x x x x x x 2 x Partnerpuzzle x x x x x x 3 x x Gruppenpuzzle x x x x x x 3+ x x Kugellager x x x x a Drei-Schritt- Interview

x x x x x a

Lerntempoduett x x x x x x 2 x

  • können kooperative Lernformen als Teilangebot enthalten

Die Tabelle ist Anlehnung an http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/methodensammlung/ entstanden. (zuletzt aufgerufen 1.11.14)

3 Klassische Methoden

3.1 Lehrervortrag, Frontalunterricht

Eine Fachgruppe der Uni Erfurt erarbeitete diese „Empfehlungen zur didaktisch – methodischen Gestaltung eines zieldifferenten Unterrichts in Grund- und Regelschule“. Sie sind als pdf im Internet abrufbar und hier in teilweise gekürzter Zitatform widergegeben:

3.1.1 Beschreibung

„Frontalunterricht ist eine Form des lehrerzentrierten Unterrichts. Er wird gezielt, seinem „spezifischen didaktischen Leistungsprofil“ entsprechend eingesetzt. Frontalunterricht dient vorrangig der Vermittlung von Sach- und Methodenkompetenz (vgl. Wiechmann 2000, 20 ff.). Der Frontalunterricht ist als darbietende Unterrichtsform des Vortragens und Zuhörens sowie des Vor- und Nachmachens als Verbindung der Lehrer- und Schülerhandlung zu verstehen. Bei den SchülerInnen werden vor allem die Fähigkeiten zur Aufnahme, Nachbi ldung und Wiedergabe geschult. Der Frontalunterricht bedient sich in seiner Darbietung neben der auditiven Vermittlung des Unterrichtsinhaltes vielfältiger visueller Anschauungen (z.B. Tafelbilder, Modelle, Filme). Auch eine emotionale Einfärbung und Bet onung des Lehrervortrages kann zur Bereicherung des Unterrichts beitragen, denn hier kann die Aufnahmefähigkeit der SchülerInnen durch das Ansprechen und Berühren seiner Neugierde und Aufmerksamkeit optimiert werden. Dabei ist auf Kürze, Verständlich keit und ü bersichtliche Gliederung der Informationen zu achten und sind Momente der Dramatisierung und Personifizierung einzubauen. Zudem ist es wichtig, die Konzentration der SchülerInnen zu bündeln. Die Dauer dieser Unterrichtsform richtet sich nach dem Spannungscharakter und liegt zwischen 5 bis 10 Minuten (max. 20 Minuten), wobei bereits Aufmerksamkeitsprobleme bei den SchülerInnen n ach 5 Minuten eintreten können.

3.1.2 Ablauf, Phasen

Frontalunterricht enthält idealerweise vier Arbeitsphasen:

  1. Darbieten: Darbieten eines neuen Themas durch PädagogInnen/ SchülerInnen, Grundlagenwissen
  2. Konstruktives Durcharbeiten individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema, Klassengespräch, Verbalisierung des Themas durch SchülerInnen
  3. Übendes Wiederholen individuelle Sicherung des Verständnisses durch differenzierte Ü bungsaufgaben, Hilfen bei Lernschwierigkeiten
  4. Problemorientiertes Anwenden problemorientiertes Anwenden des neuen Wissens im neuen Kontext (Transferieren), differenzierte Anwendungsaufgaben, verschiedene Sozialformen

3.1.3 Ziele

 Bericht eigener Erlebnisse und Erfahrungen  erzeugt emotionale Stimmungen  effektives Vermitteln einer grossen leicht verständlichen Informationsmenge  Präsentieren von Kleingruppenergebnissen  Vermitteln von Arbeitstechniken, um Fehlleistungen im Vorfeld auszuschliessen

3.2 Unterrichtsgespräch

Am staatlichen Lehramt für Grund- und Hauptschulen in Kusel wurde 2011 eine Arbeit über das Unterrichtsgespräch verfasst (als pdf abrufbar, leider ohne Namensangabe der Verfasserin):

3.2.1 Beschreibung

„Das Unterrichtsgespräch ist eine Lehrform, die in ihren verschiedenen Ausformungen nach wie vor einen grossen, wenn nicht den grössten Anteil der Unterrichtszeit einnimmt. Unterrichtsgespräche finden zwischen Lehrenden und Lernenden statt und dienen dem gemeinsamen Austausch ü ber Unterrichtsinhalte sowie der Wissens - und Kompetenzentwicklung. Sie werden vorrangig vom Lehrer als Initiator von Lernprozessen bestimmt und gesteuert und variieren je nach Intentionen von Unterricht von starker zu geringer Lenkung. Die veränderte Rolle des Lehrers im Lehr – Lern – Prozess der Schüler lässt es notwendig erscheinen, die vielfältigen Intentionen und Funktionen von „Gesprächen zum Z wecke des Lehrens und Lernens“ (vgl. H. Meyer 2006) zu kennen und diese auf ihre Wirksamkeit hin zu betrachten.

Voraussetzungen für das Gelingen von Unterrichtsgesprächen Schaffen und Gedeihen einer positiven Gesprächskultur stehen im Mittelpunkt des Sc hulalltags. Kommunikative Kompetenz als eine Schlüsselqualifikation, welche eine angemessene sprachliche Auseinandersetzung mit Lerninhalten und - prozessen ermöglicht, gewährleistet einen anregenden Austausch von Meinungen und Befindlichkeiten und träg t zum Selbstverständnis der Schule als Lern- und Lebensstätte bei.

3.2.2 Verschiedene Gesprächsformen

Das fragend – entwickelnde Unterrichtsgespräch Es ist in der Regel ein erarbeitendes Unterrichtsgespräch, das in jeder Phase des Unterrichtsverlaufes von der Handlungsebene auf die Reflexionsebene führen kann. Ein Erarbeitungsgespräch kann sinnvoll sein, wenn es um die Vorbereitung eines Themas geht, wenn es um eine Zusammenfassung, Vertiefung und Einordnung von Arbeitsergebnissen der Gruppen- oder Partnerarbeit, um die zu planende Weiterführung der Thematik, also insgesamt um Reflexionskompetenz geht. Ferner bietet sich ein Unterrichtsgespräch im Plenum an, wenn Schüler Innen während der eigenständigen Arbeit insgesamt nicht weiterkommen oder ü berford ert sind.

Das offene Unterrichtsgespräch In Zeiten der Reformpädagogik trat das offene oder freie Unterrichtsgespräch ( vgl. Berthold Otto: Berliner Reformschule) zunehmend neben das bis dahin vorherrschende stark vom Lehrer gelenkte Unterrichtsgespräc h. Es war gekennzeichnet von Schülerinteressen und Fragen zu unterschiedlichen Themen, die von den Schülern in freier, ungebundener Form in den Unterricht getragen wurden. Die Aufgaben und Ziele offener Gesprächsformen im heutigen Unterricht beinhalten mehr als blosse Unterhaltung. Auch ein offen angelegtes Unterrichtsgespräch ist eine Art des Lehrgesprächs, sobald es ü ber den alltäglichen zwischenmenschlichen sprachlichen Kontakt von Schülern und Mitschülern, von Lehrer und Schülern hinausgeht u nd das Geschehen im Unterricht betrifft. Ein grundlegendes Mass an Gesprächskultur muss vom Lehrer vermittelt und mit den Schülern immer wieder geübt werden, damit ein offenes Unterrichtsgespräch nicht im Beliebigen verläuft. Die Aufgabe der Lehrkraft ist es, die Schüler (anhand verschiedener Methoden) miteinander ins Gespräch zu bringen und das Gespräch zu moderieren. Die Schüler setzen sich

fragend und diskutierend mit einem Problem auseinander, finden selbstständig Lösungsmöglichkeiten und be stimmen weitgehend den Gesprächsverlauf.

Es liegt auf der Hand, dass das offene Unterrichtsgespräch in seiner Hochform eine der anspruchsvollsten Gesprächsformen ü berhaupt ist, verlangt es doch von allen Beteiligten ein hohes Mass an Disziplin und grundlegende Gesprächskompetenzen, welche kumulativ weiterentwickelt werden wollen. Das offene Unterrichtsgespräch begegnet uns in der Schule in unterschiedlichen Anforderungsbereichen, die bei grösstmöglicher Zurückhaltung des Lehrers eine wachsende Eigenaktivität der Lernenden ermöglichen: Die Einführung und Ü bung von Gesprächsmethoden wie z. B. Gesprächs - und Erzählkreis (Morgenkreis, Schlusskreis,...) hat ihren festen Platz schon in den Kindergärten und Kindertagesstätten. In der Grundschul e sollen sich die Kinder zunehmend ihrer sprachlichen Fähigkeiten und den damit verbundenen Möglichkeiten bewusst werden und diese weiterentwickeln. Methoden wie Erzählstein, Blitzlicht, Murmelphasen, Partnerinterview, Bienenkörbe, Kugellager - oder Doppelkreismethode, Stilles Gespräch u.v.a.( vgl. Gudjons 2003, S.200 ff. und Klippert 2007) tragen dazu bei, die Rolle der Sprache bei Denk- und Lernprozessen als tragendes Element der Verständigung im Bewusstsein der Schüler zu verankern.

Fruchtbare Gesprächserziehung wird von folgenden Faktoren, für deren Beachtung der Lehrer Sorge zu tragen hat, wesentlich beeinflusst:  die Rolle des Moderators ü ben  Balance zwischen Freiheit und Lenkung finden  Vertrauens- und respektvolle Atmosphäre der Achtung un d Zuneigung schaffen  Vorbildhaft auf höfliche Umgangsformen achten und diese einfordern  Gesprächsbereitschaft wecken ( Interesse an jedem Schüler und seiner Lebenswelt zeigen; als Lehrer Mitteilungs- und Gesprächsbereitschaft signalisieren)  Gesprächsfö rderndes Verhalten anerkennen und loben  Auf eine gesprächsfördernde Sitzordnung achten (z. B. Sitzkreis, bequeme Sitzhaltung auf Stühlen, Lehrer gleichberechtigt in der Runde...)  Gesprächsgrundlagen inhaltlicher Art schaffen  Regeln der Gesprächsfüh rung mit den Schülern erarbeiten und ü ben “ 3

3.2.3 Ziele

 Genaues Zuhören  Fragehaltung entwickeln  Gesprächsregeln einhalten  In vollständigen Sätzen reden  Eigene Meinung begründen können  Andere Gesprächsbeiträge akzeptieren

3.2.4 Zielgruppe und Sozialform

Je nach Form ist die Zielgruppe der einzelne oder die Klasse In der klassischen Umsetzung lehrerzentriert im Dialog mit einzelnen SchülerInnen

(^3) http://studienseminar.rlp.de/fileadmin/user_upload/studienseminar.rlp.de/gs-kus/bilder/Das_Unterrichtsgespraech.pdf

zuletzt aufgerufen am 1.11.

3.3 Gruppenarbeit

An der Uni Köln betreibt Prof. Dr. Kersten Reich als Herausgeber eine die Internetseite „Methodenpool“. Hier werden alle möglichen Unterrichtsformen und – methoden ausführlich beschrieben und erklärt.

3.3.1 Beschreibung

„Gruppenarbeit ist weder ein pädagogische r Wundertrick noch eine Methode, die immer dann eingesetzt werden kann, wenn alles andere zu eintönig erscheint. Gruppenarbeit ist vielmehr eine Sozialform, die bei geschickter Eingliederung in den Unterricht zu gesteigertem Lernerfolg unter den SchülerInnen fü hren kann. Sicherlich ist sie eine sehr anspruchsvolle Sozialform, die in der Schulwirklichkeit bisher auch oft bei LehrerInnen und auch SchülerInnen relativ unbeliebt ist. Solche negativen Vorurteile und Probleme lassen sich meist auf die falsche Planung, Organisation und Durchführung dieser Sozialform zurü ckführen. Dabei wäre es so einfach, die Grundregeln einzuhalten.

3.3.2 Ablauf, Phasen

So gilt es als erstes zu beachten, dass Gruppenarbeit in 4 Phasen zu unterteilen ist:

  1. Vorbereitungsphase
  2. Durchführung
  3. Präsentation/Auswertung
  4. Feedback/Evaluation“

Hilbert Meyer unterscheidet 4 Sozialformen: Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Frontalunterricht. Andere unterteilen zusätzlich in Kleingruppenarbeit. „Egal zu welchem Zweck man die Gruppenarbeit einsetzt, es sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass die Ergebnissicherung nicht vergessen wird, denn erst durch diese kann die Gruppenarbeit ihre ganzen Möglichkeiten entfalten. Sind die Grundregeln der Gruppenarbeit einmal durch den Lehrer erläutert und verdeutlicht worden, kann sie immer wieder angewendet werden. “ 4

3.3.3 Ziele

 Fördert Kontaktfähigkeit und Kommunikation  Regt zu kreativen Denkprozessen an  Selbst Erarbeitetes merkt man sich besser  Fordert Kompromissfähigkeit  Lebensnahes Lernen

3.3.4 Zielgruppe und Sozialform

Ab der 1. Klasse aufbauend, erst Partnerarbeit, dann Kleingruppen (3), später in Gruppen (4+). Gruppenbildung ist eine zentrale Frage und abhängig von diversen Faktoren, wie Aufgabenstellung, Vorwissen, Methodenkompetenz, Lernziel, Zeit, Raum, etc.

(^4) Reich, K. (Hg): Methodenpool. In: http://methodenpool.uni-koeln.de zuletzt aufgerufen am 1.11.

Leistungshomogen oder – heterogen zusammengestellte Gruppen arbeiten unterschiedlich. Nicht jede Gruppe muss die gleiche Aufgabe lösen.

3.3.5 Vor-/Nachteile

 Ideal für grosse Klassen  Grosse Interaktion  SchülerInnen lernen voneinander  Jeder ist angesprochen  Soziales und schulisches Lernen kommen zusammen  Aber Einzelne können sich entziehen, wenn die Gruppe sich nicht sinnvoll organisiert  Kein Ergebnis, wenn Kooperation fehlt  Erhöhter Zeitaufwand, da eine Auswertung notwendig ist  erhöhtes Konfliktpotenzial  Beurteilung der individuellen Leistung schwierig

3.3.6 Zitate, Quelle, weiterführende Literatur und Links

 Reich, K. (Hg.): Methodenpool http://methodenpool.uni-koeln.de/download/gruppenarbeit.pdf  Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden II. Praxisband. Frankfurt am Main 1990.  Becker, Georg E.: Unterricht planen. Handlungsorientierte Didaktik Teil I. Weinheim/ Basel/ Berlin 2004.

 Reziprokes Lesen  Etc.

4.1.5 Vor-/Nachteile:

 Fördert das Klassenklima, stärkt die sozialen Strukturen  Starke Schüleraktivität  Erfordert ein Überdenken der eigenen Rolle  braucht mehr Zeit als Frontalunterricht  Für unselbständige Schüler anfangs schwierig

4.1.6 Zitate, Quelle, weiterführende Literatur und Links

 Wikipedia, zuzuletzt aufgerufen am 1.11. http://wikis.zum.de/zum/Kooperatives_Lernen

 Kultusportal Baden Württemberg, zuletzt aufgerufen am 1.11. http://www.kultusportal-bw.de/,Lfr/

 Reich, K. (Hg.): Methodenpool, zuletzt aufgerufen am 1.11. http://methodenpool.uni-koeln.de

 Brüning Ludger und Saum Tobias (2009): Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen, Strategien zur Schüleraktivierung, 5. Auflage, Essen: Neue Deutsche Schule Verlagsgesellschaft mbH

 Hier auch Ausführliches unter dem Aspekt der Inklusions-Pädagogik, zuletzt aufgerufen am 1.11. http://www.inklusion-lexikon.de/KooperativesLernen_Scholz.pdf

4.2 Freiarbeit

Die Freiarbeit wird an verschiedenen Orten beschrieben. Die Definition hier ist von Wikipedia. Die nachfolgende Kurzbeschreibung der Methode findet man im erwähnten „Methodenpool“ der Uni Koeln:

4.2.1 Ursprung

„Freiarbeit (auch Freie Arbeit) ist eine Form des offenen Unterrichts. Freiarbeit wurde beispielsweise von den Reformpädagogen Célestin Freinet, Maria Montessori und Peter Peterson - allerdings mit unterschiedlichen Intentionen eingesetzt.“ 8 Peterson ergänzte seine Form mit der „Wochenplanarbeit“ auch bekannt als „Jena-Plan“ und ersetzte die Jahrgangsklasse in Stammgruppen.

„Célestin Freinet (1896-1966), südfranzösischer Dorfschullehrer, begründete seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die Freinet-Pädagogik. Sein Konzept zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass Schule und Lebenswelt eine Einheit bilden sollen, in der Kinder selbst zum Produzenten der Unterrichtsinhalte werden.“^9

4.2.2 Beschreibung

Gehört zum Konzept „Offener Unterricht“

„Der Begriff "Offen" darf nicht mit dem Begriff "Beliebigkeit" gleichgesetzt werden. Im Offenen Unterricht besteht keine grenzenlose Offenheit, sondern ein konkret identifizierbares, im Wesentlichen aus der Reformpädagogik (von Montessori, Freinet und Petersen) abgeleitetes Konzept mit den Elementen, gemeinsamer Unterricht / Wochen- oder Tagesplanarbeit / Freiarbeit / Projektarbeit. Somit kann auch gesagt werden, Offener Unterricht ist ein Überbegriff, unter dem sich mehrere klar strukturierte Unterrichtsmethoden subsumieren lassen, wie z.B. Projektunterricht, Werkstättenunterricht. Offener Unterricht beinhaltet neben den methodischen Verfahren eine humanistische Grundhaltung, d.h. ein wertschätzender Umgang, die Schülerinnen in ihren Anliegen ernst nehmen, usw.

Basierend auf Gedanken aus der Reformpädagogik ist die Freiarbeit eine Unterrichts- und Lernform, die besonders in der Freinet-Pädagogik und im Offenen Unterricht eingesetzt wird. In der Freiarbeit setzt sich der Schüler ein Lernziel, das er in Eigenleistung und mit einem hohen Mass an persönlicher Freiheit zu erreichen versucht. Dem Lernenden wird in dieser Eigenverantwortung die Entscheidung hinsichtlich einer Auswahl an Arbeitsformen und Inhalten sowie bei der Planung von Aktivitäten überlassen. Somit ist nicht mehr der Lehrer für Planungs- und Entscheidungsprozesse in erster Linie verantwortlich, sondern übernimmt die Rolle eines Beraters und Begleiters. Hierarchische Strukturen in der Beziehung Lehrer-Lerner können durch diese Rollenverteilung (teilweise) aufgelöst werden. Alle Unterrichtsaktivitäten sollen sich an den Interessen, d.h. insbesondere der Lebenswelt und an den Fähigkeiten des Lernenden, orientieren.

(^8) http://de.wikipedia.org/wiki/Freiarbeit zuletzt aufgerufen am 1.11.

(^9) Reich, K. (Hg.): Methodenpool. http://methodenpool.uni-koeln.de zuletzt aufgerufen am 1.11.

4.3 Wochenplan / Tagesplan

Wikipedia liefert die Definition zum Wochenplan

4.3.1 Ursprung

„Der Wochenplan, und in seiner kleinen Form der Tagesplan sind Formen des Offenen Unterrichts. Historische Wurzeln finden sich bei den Reformpädagogen wie Celestin Freinet und Peter Peterson und anderen.“ 10

4.3.2 Beschreibung

In den schon erwähnten „Empfehlungen zur didaktisch – methodischen Gestaltung zieldifferenten Unterrichts in Grund- und Regelschule“ der Uni Erfurt findet sich auch die Beschreibung der Wochenplanmethode : „Arbeitspläne sind eine Form der Interessen - und Leistungsdifferenzierung, bei der ein zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbartes, zum Teil fakultatives Lernpensum in einem abgesteckten Zeitrahmen selbstständig erarbeitet werden muss.“ (Paradies & Linser 2001, 130) Tages- und Wochenpläne gehören zu Konzepten der Unterrichtsorganisation. SchülerInnener halten zu Beginn eines Zeitraumes (Tag/ Woche) einen Plan, der verschiedene Aufgaben enthält. Diese können nach Fächern und/ oder Inhalten geo rdnet sein. Die SchülerInnener lernen, nach diesem Plan selbstständig zu arbeiten, Zeit zu strukturieren, Aufgaben zu kontrollieren und abzurechnen (vgl. Huschke & Mangelsdorf 1994, 11). Diese Arbeitsweise dient besonders der Entwicklung der Methodenkompetenz.

4.3.3 Ablauf, Phasen

Die SchülerInnen erhalten einen schriftlichen Plan für einen festgelegten Zeitraum. Der formale Aufbau wird von Huschke und Mangelsdorf wie folgt beschrieben:

  1. Formulierung der Aufgaben: Aufgaben können für mehrere Fächer/ Lernbe reiche gestellt werden. Sie sollten einfach und klar formuliert sein, die Lesefähigkeiten der Schüler berücksichtigen und ggf. durch Bilder, Piktogramme, Ganzwörter gestaltet werden. Angaben zum Arbeitsmaterial, zu Buchseiten erleichtern das selbststä ndige Arbeiten und vermindern Nachfragen durch SchülerInnen.
  2. Reihenfolge der Aufgaben: Ziel ist, dass die SchülerInnen die Reihenfolge selbst bestimmen. Bei der Einführung der Tages - und Wochenplanarbeit kann anfangs die Reihenfolge vorgegeben werden. Das könnte auch dann notwendig sein, wenn PädagogInnen beobachten, dass SchülerInnen bestimmte Aufgaben meiden und die Bearbeitung hinauszögern. Kontrollspalte: Die Kontrollspalte soll SchülerInnen an Kontrolle und Ü berprüfung der Aufgaben erinnern. Erst nach der Kontrolle ist die Aufgabe als erledigt zu betrachten. Die Kontrolle kann durch SchülerInnen selbst, durch Mit SchülerInnen und/ oder PädagogInnen erfolgen.
  3. Fertigspalte: Die Fertigspalte ermöglicht den SchülerInnen und PädagogInnen einen Ü berblick ü ber den Stand, die Reihenfolge und Schwierigkeiten der Aufgabenbearbeitung sowie die Zeitplanung. Zeitleiste und Zeitplanung: Eine zusätzliche Zeitleiste auf dem Wochenplan unterstützt die SchülerInnen bei der Zeitplanung. Ist ein Tag incl. Wochenplanarbeit vorbei, wird dieser durchgestrichen.

(^10) http://de.wikipedia.org/wiki/Wochenplanunterricht zuletzt aufgerufen 1.11.

  1. Zusatzaufgaben: Neben Pflichtaufgaben können Zusatz - oder Wahlaufgaben angeboten werden. Hier können Interessen und Vorlieben von SchülerInnen beachtet werden (Malen, Basteln, Musik hören, Spielen). A uch Aufgaben, die schwer zu lösen sind (Knobel - und Logikaufgaben, Sudoku, Rätsel, Buch, ...) können für leistungsstarke SchülerInnen als Angebot bereit gehalten werden. Freie Tätigkeiten: SchülerInnen, die alle Aufgaben des Wochenplans erledigt haben, können einer selbstgewählten Tätigkeit nachgehen. Diese ist ebenfalls in den Plan einzutragen (vgl. Huschke & Mangelsdorf 1994, 16 ff.).
  2. Tages- und Wochenplanarbeit erfordern von allen Beteiligten Ü berlegungen zu: Motivation, Art der Aufgabenstellungen, Art der Hilfestellungen, Sozialformen, Regeln, Selbst- und Fremdkontrolle (Quantität und Qualität), Bewertung, Klassengesprächen (Anfang/ Ende der Woche). “ 11

4.3.4 Ziele

 Fördert Selbstdisziplin und das selbständige Arbeiten der SchülerInnen

4.3.5 Zielgruppe und Sozialform

Aufbauend ab der 1. Klasse

4.3.6 Vor-/Nachteile

 Form von Binnendifferinzierung  Gezielte Hilfestellungen für einzelne SchülerInnen möglich durch andere SchülerInnen oder Lehrpersonen  Kombinierbar mit anderen Unterrichtsmethoden und Sozialformen  Grosser Vorbereitungsaufwand, allerdings während der Durchführung kaum Mehrarbeit  Teamarbeit, fächerübergreifend macht Sinn

4.3.7 Zitate, Quelle, weiterführende Literatur und Links

 https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public- docs/Sonder_Sozialpaedagogik/Anenzephalie/Preisverleihung_Leben_pur/1_AG_DidaktikMet hodik.pdf

 Huschke, P.: Grundlagen des Wochenplanunterrichts – Von der Entdeckung der Langsamkeit. Weinheim, Basel (Beltz) 1996

 Huschke,P./Mangelsdorf, M.: Wochenplanunterricht – Praktische Ansätze zur inneren Differenzierung, zu selbständigem Lernen und zur Mitgestaltung des Unterrichts durch die Schüler. Weinheim, Basel (Beltz) 1994

 Reich, K. (Hg.): Methodenpool. http://methodenpool.uni-koeln.de/download/wochenplan.pdf

(^11) https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public- docs/Sonder_Sozialpaedagogik/Anenzephalie/Preisverleihung_Leben_pur/1_AG_DidaktikMethodik.pdf zuletzt aufgerufen 1.11.

 eine Anzahl von Lernstationen (feste Plätze im Lernraum, an denen die Aufträge ausliegen)  Arbeitsplätze für alle SchülerInnen  Laufzettel oder Fortschrittslisten, auf denen jeder Lernende „seine“ Lernstationen abhaken kann  Auf- und Abbau, Vorbereitung und Auswertung, Pausen!

Zu diesen unverzichtbaren Elementen können weitere hinzukommen:

  • ein Arbeitsjournal für jeden Teilnehmer, in dem sie sich anhand von Leitfragen Rechenschaft über den Lernverlauf ablegen können,
  • eine Dokumentenmappe oder Portfolio, worin die Arbeitsergebnisse gesammelt werden,
  • ein Hilfesystem - das ist eine Struktur, die den SchülerInnen ermöglicht, Rat und Hilfen einzuholen bzw. anzubieten.

4.4.4 Ablauf, Phasen

Beim Stationenlernen kann man sechs Arbeitsphasen unterscheiden:

  • Planung und Konzeption
  • Praktische Vorbereitung und Bereitstellung
  • Einführung
  • Durchführung (= Arbeiten an den Stationen)
  • Ergebniskontrolle und Präsentation
  • Auswertung 13

4.4.5 Ziele

  • Vertiefen von Wissen
  • Zum Üben
  • Förderung der Handlungskompetenz
  • Selbstorganisiertes Lernen mit hoher Eigenständigkeit
  • Von Station zu Station gehen bringt Bewegung, es können auch Stationen im Freien aufgebaut werden
  • Bewegungsstationen lassen sich gezielt einbauen
  • „Erfolgreiches Lernen“ wird wiederholt und kann nachvollzogen werden
  • Lernende und Lehrer planen und hinterfragen den Unterricht gemeinsam
  • Es findet qualitatives Feedback und systemische Benotung statt
  • Methodenvielfalt bzw. Vielfalt der Lernwege

4.4.6 Zielgruppe und Sozialform

Jede Alterstufe Geeignet für grosse Gruppen, kann eine zusätzliche Lehrperson erfordern

4.4.7 Vor- und Nachteile

 Kann das Klassenklima fördern, stärkt die sozialen Strukturen  Starke Schüleraktivität  Material, Aufwand und Zeitbedarf eher gross

(^13) http://methodenpool.uni-koeln.de/stationenlernen/frameset_stationenlernen.html zuletzt aufgerufen 1.11.

4.4.8 Zitate, Quelle, weiterführende Literatur und Links

 Bauer, R.: Lernen an Stationen in der Grundschule. Ein Weg zum kindgerechten Lernen. Berlin (Cornelsen Scriptor) 1997

 Reich, K. (Hg.): Methodenpool: http://methodenpool.uni-koeln.de