Nur auf Docsity: Lade ist eine Operation notwendig? und mehr Mitschriften als PDF für Allgemeine Chirurgie herunter!
Hauptvorlesung Chirurgie
Ileus
ist eine Operation
notwendig?
Dr. M. Malinowski Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie Klinikdirektor: Prof. Dr. Matthias Glanemann
die Geschichte
Ileus =latinisierte Form des griechischen
ειλεός ileós, von altgriechisch εἰλέιν eilein
„einschließen, zusammendrängen“
- erste historische Beschreibung durch Hippokrates
(460- 370 v. Chr.): Patient mit heftiger Kolik, der
sich krümmt
- altes diagnostisches und therapeutisches Problem Ileus = Operationsindikation? (^2) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Ileus, Einleitung
- Insgesamt 5% aller Laparotomien finden aufgrund der Diagnose eines Ileus statt.
- Am häufigsten ist mit 70% der Dünndarm und in 30% der Fälle der Dickdarm betroffen
- Letalität einer Notfalllaparotomie aufgrund eines manifesten Ileus beträgt 5 – 15% 4
Ob die Therapie eines Ileus konservativ und chirurgisch
erfolgen soll, muss stets individuell
entschieden werden und bedarf viel klinischer
Erfahrung, da die Grenzen zwischen den beiden
Behandlungsstrategien fließend sind.
Klinische Symptomatik
beginnender Ileus
- Guter AZ, weicher Bauch
- +/- Übelkeit/Erbrechen
- +/- Stuhlverhalt
- +/- Paradoxe Diarrhoe
- +/- hochgestellte/sparsame
DG
(^5) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Ileuskrankheit
schwerkranker Patient
- Peritonismus (Abwehrspanung)
- +/- hochgestellte/keine DG
- Stuhlverhalt
- Erbrechen (gallig/stuhlig =
Miserere)
- Kreislaufdysregulation
- SIRS
- Sepsis
Pathophysiologie: Ileuskrankheit (^7) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Klassifikationen des Ileus (^8) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Paralytisch
- Metabolisch
- Reflektorisch
- Medikamentös-
toxisch
Mechanisch
- Hocher Ileus
- Dünndarm-
- Dickdarm-
paralytischer Ileus 10
postoperativer Ileus (^11) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
postoperativer Ileus-Therapie/Prophylaxe (^13) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Ogilvie-Syndrom
- handelt es sich um eine massive Dilatation vor allem des rechtsseitigen Kolons in Abwesenheit eines mechanischen Hindernisses, welche unbehandelt zu einer Ruptur des betroffenen Darmabschnitts führen kann.
- Betroffen sind vor allem ältere, multimorbide Patienten. Das Ogilvie-Syndrom kann sowohl nach abdominalchirurgischen Eingriffen als auch nach thorakalen oder orthopädischen Eingriffen auftreten.
- Von der Ätiologie her handelt es sich um eine Funktionsstörung des autonomen Nervensystems mit gesteigerter Sympathikusaktivität, der genaue Mechanismus bleibt jedoch unklar. (^14) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Vaskuläre Ursachen des paralytischen Ileus Zu den vaskulären Ursachen eines paralytischen Ileus zählen:
- arterielle und venöse Embolien/Verschlusse
- Vaskulitiden und
- die nichtokklusive mesenteriale Ischämie (NOMI).
- Entscheidend für die Prognose der akuten mesenterialen Ischämie (AMI) ist die Zeitspanne zwischen Beginn der Symptome bis zur Revaskularisation.
- Die Letalität der AMI ist in den letzten Jahren mit 50–70%unverändert hoch und steigt mit zunehmender diagnostischer Latenz stark an: - von 0–10% bei sofortiger Behandlung - über 50–60% bei 6–12 h Verzögerung - bis zu 80–100% bei einer Verzögerung von mehr als 24 h nach Beginn der Symptome (^16) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Vaskuläre Ursachen des paralytischen Ileus
- Der Grund für die diagnostische Verzögerung ist die Tatsache, dass die AMI oft nicht in die differenzialdiagnostischen Überlegungen mit einbezogen wird. - Nur etwa 1% aller Patienten mit einem akuten Abdomen haben eine AMI. - Dieser Anteil steigt jedoch bei den über 70 - Jährigen auf über 10%
- Eine mesenteriale Ischämie ist zwar häufig mit erhöhten Laktatwerten assoziiert, ein normwertiges Serumlaktat schließt eine mesenteriale Ischämie jedoch nicht aus
- NOMI ist eine Minderperfusion des mesenterialen Stromgebietes mit reaktivem Gefäßspasmus. - Sie betrifft 20 – 30% aller mesenterialen Ischämien - Tritt Besonders bei Patienten > 50 Jahren mit eingeschränkter kardialer Pumpfunktion auf. Aufgrund der reduzierten Auswurfleistung (Myokardinfarkt, kardiale Dekompensation, herz- und/oder gefäßchirurgische Operationen) kommt es zu einer Hypoperfusion im Splanchnikusgebiet und konsekutivem Vasospasmus. - Diagnosestellung erfolgt durch eine selektive mesenteriale Angiographie, welche gleichzeitig die Option der therapeutischen intraarteriellen Gabe von vasodilatierenden Substanzen (Prostaglandinen) bietet. (^17) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Anamnese/Fremdanamnese
Zeitlicher Beginn der Beschwerden
Schmerzcharakteristik
Kolikartige abdominelle Beschwerden
Übelkeit, Erbrechen, Stuhlverhalt
Voroperationen, B-Symptomatik
CAVE :
Distaler Stop: initial kein Erbrechen
Proximaler Stop: initial kein Stuhlverhalt
(^19) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie Ileus: Vorgehensweise
Reihenfolge beachten!
Inspektion
Auskultation
Perkussion
Palpation
Besonderes Augenmerk
Vitalzeichen (RR, Puls, Atmung, Zeichen der Dehydratation
z.B. trockene Zunge, stehende Hautfalten)
(^20) Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie Ileus: Vorgehensweise
klinische Untersuchung