Methoden EZW Vorlesung, Zusammenfassungen von Pädagogik / Erziehungswissenschaft

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Art: Zusammenfassungen

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Methoden EZ Forschung VL 4
Theoriebildung – Begrifflichkeit und Grundannahmen
Theorien sind Zeitgeister***
„Im strengen Sinn ist eine Theorie ein System von Aussagen, das mehrere Hypothesen oder
Gesetze umfasst“ (Schnell, Hill, Esser; 1999: 52)
Theorie (im weiteren Sinne) ist:
„(a) eine Menge miteinander verknüpfte Aussagen, von denen sich
(b) eine nicht-leere Teilmenge auf empirisch prüfbare Zusammenhänge zwischen Variablen
bezieht.“ (Diekmann; 2002: S. 122)
Definition ***
Bewährungsgrad einer Theorie:
Woran können Sie feststellen, ob sich eine Theorie bewährt (hat)? Woran beurteilen Sie den
Bewährungsgrad einer Theorie?
Definition***
Der Bewährungsgrad („corroboration“) einer erfahrungswissenschaftlichen Theorie zu einem
bestimmten Sachverhalt ist im Verständnis des Kritischen Rationalismus von der Anzahl und
Strenge der überstandenen Replikations- bzw. Falsifikationsversuche abhängig.
Theorie** Gar nicht oder schwer überprü7arer Kern der Theorie
Auch falsifizierte Hypothesen können etwas über eine Theorie aussagen:
Je mehr Falsifikatoren desto höher der Informationsgehalt
Je höher die Anzahl der überstandenen Replikationsversuche, desto höher der
Bewährungsgrad
Definition***
Informationsgehalt einer Theorie:
- Falsifizierbare Theorien unterscheiden sich im Grad ihrer Allgemeingültigkeit und Präzision
- Theorie mit hohem Informationsgehalt: breiter Gültigkeitsbereich (Oder Erweiterung der
Wenn-Komponente: höhere Allgemeingültigkeit) und sehr präzise Vorhersagen (Und-
Erweiterung der Dann-Komponente: höhere Präzision)
- Es existieren mehr Falsifikatoren als für eine Theorie mit geringem Informationsgehalt
- Kann sich die Theorie mit hohem Informationsgehalt trotz vielfältiger
Falsifikationsmöglichkeiten empirisch dennoch bewähren, trägt dies im Verständnis des
Kritischen Rationalismus stärker zum Erkenntnisgewinn bei als die Prüfung
informationsärmerer Theorien
Definition***
Exhaustion:
Theoriekonträre empirische Ergebnisse können zum Anlass genommen werden, die
betreffende Theorie nicht komplett zu verwerfen, sondern zu modifizieren Exhaustion
(„Exhaustion“):
Geltungsbereich der Theorie wird eingeschränkt, um theoriekonträre Fälle
auszuschließen
Einschränkung des Geltungsbereiches läuft auf eine Erweiterung des Wenn-Teils der
Theorie durch eine oder mehrere logische Und Komponenten hinaus
Exhaustion kann den empirischen Bestätigungsgrad einer Theorie steigern, allerdings
auf Kosten ihres Informationsgehaltes bzw. Allgemeingültigkeitsanspruchs.
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Theoriebildung – Begrifflichkeit und Grundannahmen

Theorien sind Zeitgeister*** „Im strengen Sinn ist eine Theorie ein System von Aussagen, das mehrere Hypothesen oder Gesetze umfasst“ (Schnell, Hill, Esser; 1999: 52) Theorie (im weiteren Sinne) ist: „(a) eine Menge miteinander verknüpfte Aussagen, von denen sich (b) eine nicht-leere Teilmenge auf empirisch prüfbare Zusammenhänge zwischen Variablen bezieht.“ (Diekmann; 2002: S. 122) **Definition ***** Bewährungsgrad einer Theorie: Woran können Sie feststellen, ob sich eine Theorie bewährt (hat)? Woran beurteilen Sie den Bewährungsgrad einer Theorie? **Definition***** Der Bewährungsgrad („corroboration“) einer erfahrungswissenschaftlichen Theorie zu einem bestimmten Sachverhalt ist im Verständnis des Kritischen Rationalismus von der Anzahl und Strenge der überstandenen Replikations- bzw. Falsifikationsversuche abhängig. **Theorie****  Gar nicht oder schwer überprü7arer Kern der Theorie Auch falsifizierte Hypothesen können etwas über eine Theorie aussagen:  Je mehr Falsifikatoren desto höher der Informationsgehalt  Je höher die Anzahl der überstandenen Replikationsversuche, desto höher der Bewährungsgrad **Definition***** Informationsgehalt einer Theorie:

  • Falsifizierbare Theorien unterscheiden sich im Grad ihrer Allgemeingültigkeit und Präzision
  • Theorie mit hohem Informationsgehalt: breiter Gültigkeitsbereich (Oder Erweiterung der Wenn-Komponente: höhere Allgemeingültigkeit) und sehr präzise Vorhersagen (Und- Erweiterung der Dann-Komponente: höhere Präzision)
  • Es existieren mehr Falsifikatoren als für eine Theorie mit geringem Informationsgehalt
  • Kann sich die Theorie mit hohem Informationsgehalt trotz vielfältiger Falsifikationsmöglichkeiten empirisch dennoch bewähren, trägt dies im Verständnis des Kritischen Rationalismus stärker zum Erkenntnisgewinn bei als die Prüfung informationsärmerer Theorien **Definition***** Exhaustion: Theoriekonträre empirische Ergebnisse können zum Anlass genommen werden, die betreffende Theorie nicht komplett zu verwerfen, sondern zu modifizieren  Exhaustion („Exhaustion“):
    • Geltungsbereich der Theorie wird eingeschränkt, um theoriekonträre Fälle auszuschließen
    • Einschränkung des Geltungsbereiches läuft auf eine Erweiterung des Wenn-Teils der Theorie durch eine oder mehrere logische Und Komponenten hinaus
    • Exhaustion kann den empirischen Bestätigungsgrad einer Theorie steigern, allerdings auf Kosten ihres Informationsgehaltes bzw. Allgemeingültigkeitsanspruchs.

**Definition ***** Raffinierter methodologischer Falsifikationismus: Beurteilen von Theorien anhand ihrer empirischen Bewährung und ihrer Erklärungskraft. Theorie mit großer Erklärungskraft:

  • Ableitung zahlreicher interessanter Hypothesen und innovativer Ideen für die Forschung
  • Kann den Erkenntnisgewinn stärker fördern als eine gut bewährte Theorie, die jedoch nur wenige Effekte erklären kann
  • Kriterium der Erklärungskraft einer Theorie ist relativ zu anderen Theorien zum selben Sachverhalt zu bewerten **Empirische Bildungsforschung**** Bei der Darstellung der wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Pädagogik geht es darum, den Leser mit den Methoden wissenscha7lichen Arbeitens und den zugrunde liegenden Leitgedanken vertraut zu machen. Diese beziehen sich auf:
  • den Entstehungszusammenhang [und Entdeckungszusammenhang] erziehungswissenscha7licher Theoriebildung und Forschung in ihrer Abhängigkeit von den natürlichen Grundlagen der Erziehung,
  • den Begründungszusammenhang im Sinne des inneren Zusammenhangs von Erziehungswissenscha7 und ihren methodologischen Ausrichtungen
  • den Verwertungszusammenhang von pädagogischer Forschung, der die Wirkungen der Erziehungswissenscha7 im gesellscha7lichen Kontext betriR **Definition**** Entdeckungszusammenhang von Theorien:
  • keine wissenschaftstheoretische, sondern eine psychologische Frage der Kreativität und Intuition
  • logisch stringente Methode zur Produktion neuer wissenschaftlicher Ideen wird nicht für möglich gehalten, da gute Einfälle immer auch ein irrationales Moment haben
  • In der Forschungspraxis haben sich dennoch bestimmte Strategien und Techniken der Bildung neuer Theorien etabliert (z.B. Theoriearbeit, empirische Vorstudien) **Definition**** Begründungszusammenhang von Theorien:
  • ob und wie eine Theorie intersubjektiv nachvollziehbar als ungültig (falsifiziert) oder als vorläufig bestätigt bzw. bewährt (bislang nicht falsifiziert) ausgewiesen werden kann
  • Prüfung von wissenschaftlichen Theorien soll laut Kritischem Rationalismus in der Forschung gemäß dem deduktiven Falsifikationsprinzip methodisch angeleitet in nachvollziehbarer Weise anhand von empirischen Daten erfolgen
  • Gemäß dem raffiniertem methodologischem Falsifikationismus ist immer auch die Erklärungskraft der Theorie im Vergleich zu anderen Theorien ein Beurteilungskriterium

Eine wissenschaftliche Hypothese behauptet eine mehr oder weniger präzise Beziehung zwischen zwei oder mehr Variablen, die für eine bestimmte Population vergleichbarer Objekte oder Ereignisse gelten soll. Bortz/Döring 2006, 8


Eine Hypothese ist bei induktiver Vorgehensweise das Resultat und bei deduktiver Vorgehensweise der Ausgangspunkt einer empirischen Untersuchung. Bortz/Döring 2006, 31 Kriterien einer wissenscha4lichen These***

  1. Eine wissenscha1liche Hypothese bezieht sich auf reale Sachverhalte, die empirisch untersuchbar sind.
  2. Eine wissenscha1liche Hypothese ist eine allgemein gültige, über den Einzelfall oder ein singuläres Ereignis hinausgehende Behauptung (»All-Satz«).
  3. Einer wissenscha1lichen Hypothese muss zumindest implizit die Formalstruktur eines sinnvollen Konditionalsatzes (»Wenn-dann-Satz« bzw. »Je-desto Satz«) zugrunde liegen.
  4. Der Konditionalsatz muss potenziell falsifizierbar sein, d. h., es müssen Ereignisse denkbar sein, die dem Konditionalsatz widersprechen. Beispiele »Es gibt Kinder, die niemals weinen.« Keine Hypothese: Der Satz wäre nur falsifizierbar, wenn man alle Kinder der Welt befragen würde »Frauen sind kreativer als Männer.« Ist eine Hypothese: Falsifizierbar und die Wenn-Dann-Struktur ist gegeben. »Frustrierte Menschen reagieren aggressiv.«  Ist eine Hypothese: Falsifizierbar und die Wenn-Dann-Struktur ist gegeben »Schimpansen sind nicht fähig, eine Sprache zu erlernen.«

 Keine Hypothese: Dieser Satz ist nicht falsifizierbar, solange man sich nicht auf ein einheitliches Verständnis von »Sprache« geeinigt hat. Falsifizierbarkeit setzt begriffliche Invarianz voraus. ***Die zum Wenn-Teil einer Hypothese gehörende Variable bezeichnet man als unabhängige Variable, die zum Dann-Teil gehörende als abhängige Variable Wissenschaftstheoretische Grundalgen:

  • Was ist Wissenschaft
  • Grundannahmen und Herangehensweisen
  • Induktion, Deduktion, Abduktion
  • Induktionsproblem, Basissatz- und Korrespondenzproblem – viele Probleme!
  • Kritik am kritischen Rationalismus
  • Was ist eine Theorie?
  • Entstehungs- und Entdeckungszusammenhang, Begründungszusammenhang, Verwertungszusammenhang à Wertneutralität 19.11.20 51 Einstieg in die empirische Forschung:
  • Welche Wege der empirischen Forschung gibt es?
  • Was ist eine Hypothese