Wald - Ressource oder Lebensraum?, Übungen von Wirtschaft und Recht

Über den wachsenden Holzverbrauch und die Grenzen der Plantagenwirtschaft von László Maráz. Holz ist weltweit ein begehrter Rohstoff: sei es als Zellstoff ...

Art: Übungen

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Der kritische Agrarbericht 2016
Wald – Ressource oder Lebensraum?
Über den wachsenden Holzverbrauch und die Grenzen der Plantagenwirtschaft
von László Maráz
Holz ist weltweit ein begehrter Rohstoff : sei es als Zellstoff für die Papierherstellung, sei es als Bau-
oder Brennstoff . Um den weiteren Raubbau an den Naturwäldern einzuschränken, wird das An-
pfl anzen von Plantagen»wäldern« als vermeintlich umweltfreundliche und ökonomisch besonders
rentable Form der Holzgewinnung angepriesen. Plantagen gelten vielen als Musterbeispiel für die
Entwicklung ländlicher Räume. Holzplantagen machen heute bereits sieben Prozent aller bewal-
deten Flächen aus – mit einer jährlichen Zunahme um rund fünf Millionen Hektar. Doch wie nach-
haltig ist die Anlage von Plantagen wirklich? Welche ökologischen, aber auch sozio-ökonomischen
Auswirkungen hat der weltweite Plantagenboom?
In diesen Zeiten fällt es schwer, über die Situation der
Wälder zu berichten. Millionen von Menschen bangen
verzweifelt um ihr Leben und ihre Zukunft . Ist es ange-
sichts der aktuellen Krisen überhaupt von Bedeutung,
ob Baumbestände industriell oder ökologisch bewirt-
schaft et werden? Haben wir nichts Wichtigeres zu tun,
als uns ernsthaft um die waldtypische biologische Viel-
falt und die Schaff ung von Schutzgebieten zu sorgen?
Oder hängt beides vielleicht mehr zusammen, als der
erste Anschein zeigt?
Wälder gehören zu den wichtigsten Lebensgrund-
lagen von Menschen: direkt, als Lebens- und Wirt-
schaft sraum; indirekt, als Quelle von Produkten und
Wohlfahrtswirkungen. Eine ökologisch ausgerichtete
Nutzung schafft die beste Voraussetzung dafür, dass
sie in ihrem Bestand und Funktionen erhalten blei-
ben. Langfristig. Auch die fälschlicherweise als »un-
genutzt« bezeichneten Schutz-
gebiete tragen hierzu bei.
Schließlich sind es inzwischen
wohl Millionen von Men-
schen, deren Lebensgrundlage
durch Abholzung oder Raub-
bau am Wald soweit vernich-
tet oder entwertet wurde, dass
sie wegziehen oder flüchten
mussten. Hunderte Millionen
Hektar verwüsteter Land-
schaft en, und viele von Dürren
und Überschwemmungen ge-
plagte Regionen sind auch eine Folge der weltweiten
Waldzerstörung.
Noch direkter mit dem aktuellen Anstieg der
Flüchtlingszahlen verbunden sind viele Projekte, die
eine »Inwertsetzung« von Wäldern betreiben. Hierbei
beschränkt man sich zu oft auf die Erzielung von Geld-
einkommen und Gewinnen. Dass in vielen Fällen den
beispielsweise durch Holzproduktion und -verarbei-
tung geschaff enen Arbeitsplätzen viel mehr vernichte-
te oder verdrängte Existenzen gegenüberstehen, wird
selten beachtet.
Der Verbrauch von Ressourcen wie Agrarproduk-
ten, Holz und Papier lässt sich zwar nicht ohne die
Schaff ung von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen
bewerkstelligen und leistet einen gewissen Beitrag
zur wirtschaft lichen Entwicklung der Anbauregio-
nen. Doch die Inanspruchnahme großer wertvoller
( Schwerpunkt »Wachstum«
Quelle: Verband Deutscher Papierfabriken (VDP)
Tab. 1: Entwicklung des Papierverbrauchs in Deutschland seit1950
1950 1960 1970 1980 1990 2000 2012
Erzeugung
(Mio. t) 1,6 3,4 5,5 7,6 12,8 18,2 22,6
Verbrauch
(Mio. t) 1,6 4,4 7,6 9,7 15,5 19,1 20,0
Pro-Kopf-
Verbrauch
(kg/Jahr)
32 79 126 157 194 232 244
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Der kritische Agrarbericht 2016

Wald – Ressource oder Lebensraum?

Über den wachsenden Holzverbrauch und die Grenzen der Plantagenwirtschaft

von László Maráz

Holz ist weltweit ein begehrter Rohstoff: sei es als Zellstoff für die Papierherstellung, sei es als Bau- oder Brennstoff. Um den weiteren Raubbau an den Naturwäldern einzuschränken, wird das An- pflanzen von Plantagen»wäldern« als vermeintlich umweltfreundliche und ökonomisch besonders rentable Form der Holzgewinnung angepriesen. Plantagen gelten vielen als Musterbeispiel für die Entwicklung ländlicher Räume. Holzplantagen machen heute bereits sieben Prozent aller bewal- deten Flächen aus – mit einer jährlichen Zunahme um rund fünf Millionen Hektar. Doch wie nach- haltig ist die Anlage von Plantagen wirklich? Welche ökologischen, aber auch sozio-ökonomischen Auswirkungen hat der weltweite Plantagenboom?

In diesen Zeiten fällt es schwer, über die Situation der Wälder zu berichten. Millionen von Menschen bangen verzweifelt um ihr Leben und ihre Zukunft. Ist es ange- sichts der aktuellen Krisen überhaupt von Bedeutung, ob Baumbestände industriell oder ökologisch bewirt- schaftet werden? Haben wir nichts Wichtigeres zu tun, als uns ernsthaft um die waldtypische biologische Viel- falt und die Schaffung von Schutzgebieten zu sorgen? Oder hängt beides vielleicht mehr zusammen, als der erste Anschein zeigt? Wälder gehören zu den wichtigsten Lebensgrund- lagen von Menschen: direkt, als Lebens- und Wirt- schaftsraum; indirekt, als Quelle von Produkten und Wohlfahrtswirkungen. Eine ökologisch ausgerichtete Nutzung schafft die beste Voraussetzung dafür, dass sie in ihrem Bestand und Funktionen erhalten blei- ben. Langfristig. Auch die fälschlicherweise als »un- genutzt« bezeichneten Schutz- gebiete tragen hierzu bei. Schließlich sind es inzwischen wohl Millionen von Men- schen, deren Lebensgrundlage durch Abholzung oder Raub- bau am Wald soweit vernich- tet oder entwertet wurde, dass sie wegziehen oder flüchten mussten. Hunderte Millionen Hektar verwüsteter Land- schaften, und viele von Dürren und Überschwemmungen ge-

plagte Regionen sind auch eine Folge der weltweiten Waldzerstörung. Noch direkter mit dem aktuellen Anstieg der Flüchtlingszahlen verbunden sind viele Projekte, die eine »Inwertsetzung« von Wäldern betreiben. Hierbei beschränkt man sich zu oft auf die Erzielung von Geld- einkommen und Gewinnen. Dass in vielen Fällen den beispielsweise durch Holzproduktion und -verarbei- tung geschaffenen Arbeitsplätzen viel mehr vernichte- te oder verdrängte Existenzen gegenüberstehen, wird selten beachtet. Der Verbrauch von Ressourcen wie Agrarproduk- ten, Holz und Papier lässt sich zwar nicht ohne die Schaffung von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen bewerkstelligen und leistet einen gewissen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Anbauregio- nen. Doch die Inanspruchnahme großer wertvoller

( Schwerpunkt »Wachstum«

Quelle: Verband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Tab. 1: Entwicklung des Papierverbrauchs in Deutschland seit 1950

1950 1960 1970 1980 1990 2000 2012 Erzeugung (Mio. t) 1,6^ 3,4^ 5,5^ 7,6^ 12,8^ 18,2^ 22, Verbrauch (Mio. t) 1,6^ 4,4^ 7,6^ 9,7^ 15,5^ 19,1^ 20, Pro-Kopf- Verbrauch (kg/Jahr)

32 79 126 157 194 232 244

Wald

Landflächen sowie von Wasser und Bodenertragskraft nimmt der Bevölkerung vor Ort zugleich die Option, selbst den Anbau zu übernehmen und die Produkte zu nutzen. Statt Entwicklung droht Ausbeutung. Da in den meisten Fällen die Verdrängten und Ver- triebenen in der Region verbleiben, wird das Ausmaß der Schäden für uns nicht erkennbar. Erst jetzt, da im- mer mehr Menschen bis zu uns gelangen, werden wir uns des Problems bewusst. Dann ist es aber für eine Bekämpfung der Fluchtursachen erst einmal zu spät, denn zerstörte und degradierte (Wald-)Landschaften lassen sich nicht mit Geld in ein paar Jahren wieder- herstellen. Im Falle erodierter, degradierter Böden muss man in Jahrzehnten denken. So bleibt uns kurzfristig keine andere Alternative, als die weitere Zerstörung dieser Lebensräume und Ressourcen sofort zu stoppen, damit die Lage sich für die Menschen nicht noch weiter verschlimmert. Eine der Ursachen dafür ist unser Verbrauch an Energie und Rohstoffen wie Holz und Papier. Vor allem in den Industriestaaten ist der Papierver- brauch immens. Fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet.¹ Wurden im Jahr 1970 rund um den Globus noch etwa 130 Millionen Tonnen Papier produziert, so waren es 2005 367 Mil- lionen Tonnen (52 Kilogramm pro Kopf). Bis zum Jahr 2015 wird ein weiterer Anstieg auf über 440 Millionen Tonnen erwartet. Ein Deutscher verbraucht im Durch- schnitt mittlerweile etwa 250 Kilogramm Papier pro Jahr, also etwa fünfmal so viel, wie ein durchschnitt- licher Erdenbewohner. 1950 lag der Verbrauch noch bei 32 Kilogramm (Tab. 1). Da der größte Teil des Papiers immer noch aus Frischfasern gewonnen wird, nimmt der Druck auf die Wälder deutlich zu. Diese stetig steigende Nachfrage nach Holz und Zellstoff wird zunehmend über den Anbau von Holzplantagen gedeckt, die immer größere Waldgebiete verdrängen.

Gepflanzte Wälder oder grüne Wüsten?

In den vergangenen Jahrzehnten wurden weltweit rie- sige Holzplantagen angelegt. Weltweit dürften sie laut FAO bereits über 260 Millionen Hektar Fläche umfas- sen, das entspricht etwa der Größe von Argentinien. Holzplantagen machen bereits sieben Prozent der be- waldeten Flächen aus – mit einer jährlichen Zunahme um rund fünf Millionen Hektar.³ Sie werden zuweilen als Musterbeispiele für die Entwicklung des ländlichen Raumes beworben, zumal sie mit ihren nachgelager- ten Wirtschaftszweigen (Ernte, Verarbeitung, Export) vor Ort tatsächlich Entwicklungsimpulse schaffen. Auch wenn dies nicht ohne Nebenwirkungen bleibt. Dafür, Holzplantagen anzulegen und zu betreiben, gibt es einige Gründe. Die meisten erreichbaren Na- turwälder mit wertvollen alten Bäumen sind bereits geplündert worden. Zu lange dauert es, bis etwa im Tropenwald ausreichend viele Bäume nachgewachsen sind, deren Ernte sich lohnt. Da liegt es nahe, neue Pflanzungen anzulegen, auch wenn diese oft fälschli- cherweise als »gepflanzte Wälder« bezeichnet werden. Häufig werden diese Plantagen im Umfeld von Zell- stofffabriken, Sägewerken und anderen Großverbrau- chern angelegt, um die Werke länger auszulasten und betreiben zu können. Der zweite Grund ist, dass solche Plantagen Holz gleicher Qualität liefern und die Erntemengen planbar sind. Das ist beispielsweise für Zellstoffwerke wichtig, denn beim chemischen Aufschluss des Holzes würden andere Holzarten mit mineralischen oder farbigen Inhaltsstoffen der Qualität schaden bzw. die Herstel- lungskosten erhöhen. So ist es durchaus verständlich, dass viele Firmen Interesse an solchem Plantagenholz haben. Für Anlagen, die unter dem Begriff »Bioraffine- rie« als Teil einer Bioökonomie geplant werden, sind bestimmte, gleichbleibende Eigenschaften der Roh- stoffe sehr wichtig. Ein dritter Grund: Es werden vorwiegend Baum- arten angebaut, die schnell wachsen. Das Volumen, die Masse der Hölzer ist meist wichtiger als alles an- dere. Es geht um möglichst viele Tonnen an Fasern, Zellstoff, Holzkohle und Baustoffen, die geerntet, ver- kauft und verarbeitet werden sollen. Möglichst schnell heißt aber auch, dass die Bäume mehr Wasser und Nährstoffe verbrauchen und die Böden und Wasser- vorräte schneller auszehren, als dem Standort gut tut. Nährstoffmangel lässt sich teilweise mit Düngemitteln ausgleichen, doch das hat seine Nebenwirkungen. Der teilweise immense Wasserverbrauch aber ist kaum wettzumachen, wenn man kostspielige Bewässerung vermeiden will. Neben den hohen Kosten würde man das Wasser anderen Verbrauchern wegnehmen, wie z. B. der bäuerlichen Landwirtschaft, die dann aber in ihrer Existenz bedroht würde.

Papierverbrauch in Deutschland

■ Deutschland ist weltweit viertgrößter Verbrau- cher – beim absoluten ebenso wie beim Pro-Kopf- Verbrauch. ■ (^) Alle Deutschen zusammen verbrauchen rund 20 Mil- lionen Tonnen Papier pro Jahr. ■ Das ist so viel, wie der Verbrauch in Afrika und Süd- amerika zusammengenommen. ■ (^) Das ist ein 600 Kilometer langer Güterzug mit 40.000 Waggons ■ (^) oder ein Turm aufeinander gestapelter DIN A4-Blätter von 16.000 km Höhe. (Die internationale Raumstation ISS kreist in einer Höhe von 400 Kilometer ...) (^) ²

Wald

gedüngt werden, wenn auch nicht in dem Umfang wie bei ertragreichen Ackerkulturen mit jährlichen hohen Biomasseentzügen.

Hoher Wasserbedarf und Belastung für Bodenstruktur Bäume, die schnell wachsen, benötigen sehr viel Was- ser. Vor allem bei Eukalyptusarten hat man beobach- tet, dass mehr Wasser verbraucht wird, als verfügbar ist. In einigen tropischen Regionen (z. B. in Brasilien) führt der Anbau von Eukalyptus zur Absenkung der Grundwasserstände bis hin zur gänzlichen Austrock- nung von Bächen, Brunnen oder gar Flüssen. Das mag für einige Jahre oder gar Jahrzehnte gut gehen, doch irgendwann können Bäume nur noch von den Nieder- schlägen zehren. Ihr Wachstum lässt nach, während die Landwirtschaft in der Region schon längst massiv eingeschränkt ist.

Zwar gibt es »Experten«, die behaupten, Eukalyp- tusbäume würden nicht viel Wasser verbrauchen. Doch am Beispiel Südafrikas zeigt sich, dass die Kon- zerne ganz überwiegend die regenreicheren Regionen für die Anlage von Holzplantagen nutzen.⁵ Damit aber verdrängt man den für die Bevölkerung wichtigeren Ackerbau in trockenere, ertragsärmere Regionen. Böden darf man auch beim Betrieb von Holzplanta- gen nicht auf ein Haltesubstrat für Bäume reduzieren. Neben Wasser und Nährstoffen ist ein gesundes Bo- denleben wichtig, und dies wiederum erfordert eine ge- sunde Bodenstruktur (z. B. Porenvolumen). Wie in der Landwirtschaft werden die Böden von Holzplantagen auch stärker beansprucht als im Naturwald oder bei na- turnaher Forstwirtschaft. Durch häufigere Befahrung mit schweren Erntemaschinen werden sie stark ver- dichtet und verlieren einen Teil ihrer Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Auch die Belüftung des Bodens wird eingeschränkt. Der Einsatz von gifti- gen Chemikalien (»Pestizide«) trägt dazu bei, dass nach wenigen Jahrzehnten auch das Bodenleben der verarm- ten und verdichteten Böden geschädigt wird. Die Viel- falt und Vielzahl an Organismen ist aber für die Ver- arbeitung, Speicherung und Bereitstellung wichtiger Nährstoffe nötig. Vor allem die für den Wald und seine Bäume lebenswichtigen Pilze leiden unter Bodenver- dichtung, fehlenden Nährstoffen und Wassermangel. Was hierzulande bei der Bewirtschaftung von Fich- ten- oder Kiefernplantagen noch als teilweise nachhal- tig durchgehen könnte, hat in anderen Regionen bei sehr intensiver Nutzung oft katastrophale Auswirkun- gen auf einen der wertvollsten Produktionsfaktoren: den Boden! Der Standort kann sogar für nachfolgen- de Nutzung unbrauchbar werden. Bei schwindenden Agrarflächen können wir uns das nicht leisten.

Plantagen sind keine Wälder

Wälder sind sehr artenreiche Ökosysteme, die aus ei- ner großen Vielfalt von Baum-, Strauch- und anderen Pflanzenarten sowie unzähligen Tierarten bestehen

Links: Plantage. Gleichaltriger Baumbestände einer Baumart, Ernte im Kahlschlagverfahren. Rechts: Wald. Strukturreicher Baumbestand mit Sträuchern, viele Arten und Baumalter nebeneinander.

Folgerungen & Forderungen

■ (^) Die deutsche Forstwirtschaft sollte ihren erfolgver- sprechenden Weg des Waldumbaus hin zu natur- näheren Mischwäldern unbeirrt fortsetzen. ■ (^) Die Forderungen der Sägeindustrie nach dem rück- wärtsgewandten Wiederanbau naturferner Nadel- holzplantagen sind abzulehnen. Mit der Tanne und der Beimischung von Nadelbäumen auf geeigneten Standorten kann aber durchaus eine gewisse Nadel- holzversorgung gesichert werden. ■ (^) Die Anlage von Holzplantagen sollte auf keinen Fall mit öffentlichen Geldern subventioniert werden. ■ (^) Die Restaurierung der natürlichen Vegetation sollte ab- soluten Vorrang genießen, zumal die Vielfalt der Pro- dukte eher der heimischen Bevölkerung zu Gute kommt. ■ (^) Der Verbrauch vor allem an kurzlebigen Holzproduk- ten wie Papier und Pappe muss drastisch verringert werden, damit unser Flächen- und Ressourcenver- brauch nicht die Lebensmöglichkeit anderer Men- schen einschränkt.

Abb. 1: Viele Bäume machen noch keinen Wald

© L. Maráz

Der kritische Agrarbericht 2016

und in denen eine ungeheure Fülle von Interaktionen und Prozessen zwischen den Arten und ihrer Umwelt ablaufen. Hier wird die Biodiversität erhalten und kann sich weiterentwickeln. In Plantagen passiert ge- nau das Gegenteil: Sie werden künstlich angelegt wie ein Maisacker, gedüngt, mit Pestiziden behandelt, kahlgeschlagen und wieder bepflanzt. Entsprechend gering ist die Zahl der Tierarten. Plantagen sind struk- turarm: die Bäume sind auf großen Flächen gleich alt und gleich groß. Wälder produzieren mehr als nur Holz. Sauberes Trinkwasser und eine große Vielfalt von Waldproduk- ten sind für Millionen von Menschen lebensnotwen- dige, kostbare Güter. Wälder verringern die Boden- erosion und das Ausmaß von Überschwemmungen. Von Plantagen kann man dies wahrlich nicht behaup- ten. Plantagen sind für die vom Wald abhängigen Menschen in den Tropen meist nutzlose Flächen, von denen häufig sogar Gefahren für anliegende Felder und Wälder ausgehen (Wassermangel, Gifte). Die Anlage von Holzplantagen kann in Einzel- fällen und in angepasstem Umfang durchaus einen Beitrag zur Holzerzeugung leisten. Es kommt darauf an, wo und wie sie betrieben werden und in welchem Umfang. Eine nachhaltige Form der Landnutzung sind Holzplantagen nur selten, da sie meist die Bö-

den und Standorte degradieren, Wasserressourcen aufbrauchen und eine nachfolgende Landnutzung erschweren.

Anmerkungen  Hierzu und weitere Daten und Fakten zum Papierverbrauch stammen vom WWF Deutschland (www.wwf.de/themen-pro- jekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten/?gclid=CKX 3uuLXgMkCFRATGwodKL4PnA). Quelle: www.greenpeace-aachen.de. FAO: Planted Forests (www.fao.org/forestry/plantedforests/en/). FSC: Certification of plantations (https://ic.fsc.org/certification- of-plantations.146.htm). (Das Zitat lautet im Orginal: »Natural forests alone are not able and should not be expected to sup- ply the world‘s needs for wood and fiber. More intensive pro- duction systems are needed for this.« Timberwatch Coalition: Timber plantations in South Africa (www.timberwatch.org/index.php?id=99).

László Maráz Koordinator der vom BfN geförderten Verbände- und Dialogplattform zur Wald- biodiversität sowie der AG »Wälder« des Forums Umwelt & Entwicklung.

Forum Umwelt & Entwicklung Marienstraße 19–20, 10117 Berlin E-Mail: [email protected]