2015deutsch01., Mitschriften von Deutsch

Meinungsrede. (540 bis 660 Wörter). 1 Zeitungsartikel. Leserbrief. (270 bis 330 Wörter). 1 Zeitungsartikel. 3. Arbeitswelt. Erörterung.

Art: Mitschriften

2021/2022

Hochgeladen am 29.06.2022

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Lass dir nichts Wichtiges entgehen!

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17. September 2015
Deutsch
Standardisierte kompetenzorientierte schriftliche
Reifeprüfung / Reife- und Diplomprüfung
Name:
Klasse/Jahrgang:
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17. September 2015

Deutsch

Standardisierte kompetenzorientierte schriftliche

Reifeprüfung / Reife- und Diplomprüfung

Name:

Klasse/Jahrgang:

Hinweise zur Aufgabenbearbeitung

Sehr geehrte Kandidatin! Sehr geehrter Kandidat!

Ihnen werden im Rahmen dieser Klausur insgesamt drei Themenpakete mit je zwei Aufgaben

vorgelegt. Wählen Sie eines der drei Themenpakete und bearbeiten Sie beide Aufgaben zum

gewählten Thema.

Themenpakete Aufgaben

(geforderte Wortanzahl)

Textbeilagen

1. Lachen Textinterpretation

(540 bis 660 Wörter)

1 Erzählung

Zusammenfassung

(270 bis 330 Wörter)

1 Online-Artikel

2. Jugend Meinungsrede

(540 bis 660 Wörter)

1 Zeitungsartikel

Leserbrief

(270 bis 330 Wörter)

1 Zeitungsartikel

3. Arbeitswelt Erörterung

(540 bis 660 Wörter)

1 Zeitungsartikel

Kommentar

(270 bis 330 Wörter)

1 Interview

Ihnen stehen dafür 300 Minuten an Arbeitszeit zur Verfügung.

Die Aufgaben sind unabhängig voneinander bearbeitbar.

Verwenden Sie einen nicht radierbaren, blau oder schwarz schreibenden Stift.

Verwenden Sie ausschließlich die Ihnen zur Verfügung gestellten Blätter. In die Beurteilung wird alles

einbezogen, was auf den Blättern steht und nicht durchgestrichen ist. Streichen Sie Notizen auf

den Blättern durch.

Schreiben Sie auf jedes Blatt Ihren Namen und die fortlaufende Seitenzahl. Geben Sie die Nummer

des gewählten Themenpaketes und den jeweiligen Aufgabentitel an.

Falls Sie mit dem Computer arbeiten, richten Sie vor Beginn eine Kopfzeile ein, in der Ihr Name und

die Seitenzahl stehen.

Als Hilfsmittel dürfen Sie gedruckte und, falls Sie mit dem Computer arbeiten, elektronische Wör-

terbücher verwenden. Die Verwendung von Autokorrekturprogrammen, (gedruckten und online

verfügbaren) Enzyklopädien oder elektronischen Informationsquellen ist nicht erlaubt.

Abzugeben sind das Aufgabenheft und alle von Ihnen verwendeten Blätter.

Ihre Arbeit wird nach folgenden Kriterien beurteilt:

n Inhalt

n Textstruktur

n Stil und Ausdruck

n normative Sprachrichtigkeit

Viel Erfolg!

Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, befällt mich Verlegenheit:

ich werde rot, stammele, ich, der ich sonst als ein sicherer Mensch bekannt

bin. Ich beneide die Leute, die sagen können: Ich bin Maurer. Friseuren,

Buchhaltern und Schriftstellern neide ich die Einfachheit ihrer Bekennt-

nisse, denn alle diese Berufe erklären sich aus sich selbst und erfordern kei-

ne längeren Erklärungen. Ich aber bin gezwungen, auf solche Fragen zu

antworten: „Ich bin Lacher.“ Ein solches Bekenntnis erfordert weitere, da

ich auch die zweite Frage „Leben Sie davon?“ wahrheitsgemäß mit „Ja“

beantworten muß. Ich lebe tatsächlich von meinem Lachen, und ich lebe

gut, denn mein Lachen ist – kommerziell ausgedrückt – gefragt. Ich bin

ein guter, bin ein gelernter Lacher, kein anderer lacht so wie ich, keiner

beherrscht so die Nuancen meiner Kunst. Lange Zeit habe ich mich – um

lästigen Erklärungen zu entgehen – als Schauspieler bezeichnet, doch sind

meine mimischen und sprecherischen Fähigkeiten so gering, daß mir diese

Bezeichnung als nicht der Wahrheit gemäß erschien: ich liebe die Wahrheit,

und die Wahrheit ist: ich bin Lacher. Ich bin weder Clown noch Komiker,

ich erheitere die Menschen nicht, sondern stelle Heiterkeit dar: ich lache

wie ein römischer Imperator oder wie ein sensibler Abiturient, das Lachen

des 17. Jahrhunderts ist mir so geläufig wie das des 19., und wenn es sein

muß, lache ich alle Jahrhunderte, alle Gesellschaftsklassen, alle Altersklas-

sen durch: ich hab’s einfach gelernt, so wie man lernt, Schuhe zu besohlen.

Das Lachen Amerikas ruht in meiner Brust, das Lachen Afrikas, weißes,

rotes, gelbes Lachen – und gegen ein entsprechendes Honorar lasse ich es

erklingen, so wie die Regie es vorschreibt.

Ich bin unentbehrlich geworden, ich lache auf Schallplatten, lache auf

Band, und die Hörspielregisseure behandeln mich rücksichtsvoll. Ich lache

schwermütig, gemäßigt, hysterisch – lache wie ein Straßenbahnschaffner

oder wie ein Lehrling der Lebensmittelbranche; das Lachen am Morgen,

das Lachen am Abend, nächtliches Lachen und das Lachen der Dämmer-

stunde, kurzum: wo immer und wie immer gelacht werden muß: ich mache

es schon.

Man wird mir glauben, daß ein solcher Beruf anstrengend ist, zumal

ich – das ist meine Spezialität – auch das ansteckende Lachen beherrsche;

so bin ich unentbehrlich geworden auch für Komiker dritten und vierten

Ranges, die mit Recht um ihre Pointen zittern, und ich sitze fast jeden

Abend in den Varietés herum als eine subtilere Art Claqueur, um an schwa-

chen Stellen des Programms ansteckend zu lachen. Es muß Maßarbeit sein:

mein herzhaftes, wildes Lachen darf nicht zu früh, darf auch nicht zu spät,

es muß im richtigen Augenblick kommen – dann platze ich programmge-

mäß aus, die ganze Zuhörerschaft brüllt mit, und die Pointe ist gerettet.

Aufgabe 1 / Textbeilage 1

Hinweis: Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten.

Heinrich Böll: Der Lacher (1955)

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Ich aber schleiche dann erschöpft zur Garderobe, ziehe meinen Mantel

über, glücklich darüber, daß ich endlich Feierabend habe. Zu Hause liegen

meist Telegramme für mich „Brauchen dringend Ihr Lachen. Aufnahme

Dienstag“, und ich hocke wenige Stunden später in einem überheizten D-

Zug und beklage mein Geschick.

Jeder wird begreifen, daß ich nach Feierabend oder im Urlaub wenig

Neigung zum Lachen verspüre: der Melker ist froh, wenn er die Kuh, der

Maurer glücklich, wenn er den Mörtel vergessen darf, und die Tischler ha-

ben zu Hause meistens Türen, die nicht funktionieren, oder Schubkästen,

die sich nur mit Mühe öffnen lassen. Zuckerbäcker lieben saure Gurken,

Metzger Marzipan, und der Bäcker zieht die Wurst dem Brot vor; Stier-

kämpfer lieben den Umgang mit Tauben, Boxer werden blaß, wenn ihre

Kinder Nasenbluten haben: ich verstehe das alles, denn ich lache nach Fei-

erabend nie. Ich bin ein todernster Mensch, und die Leute halten mich –

vielleicht mit Recht – für einen Pessimisten.

In den ersten Jahren unserer Ehe sagte meine Frau oft zu mir: „Lach

doch mal“, aber inzwischen ist ihr klargeworden, daß ich diesen Wunsch

nicht erfüllen kann. Ich bin glücklich, wenn ich meine angestrengten Ge-

sichtsmuskeln, wenn ich mein strapaziertes Gemüt durch tiefen Ernst ent-

spannen darf. Ja, auch das Lachen anderer macht mich nervös, weil es mich

zu sehr an meinen Beruf erinnert. So führen wir eine stille, eine friedliche

Ehe, weil auch meine Frau das Lachen verlernt hat: hin und wieder ertappe

ich sie bei einem Lächeln, und dann lächele auch ich. Wir sprechen leise

miteinander, denn ich hasse den Lärm der Varietés, hasse den Lärm, der in

den Aufnahmeräumen herrschen kann. Menschen, die mich nicht kennen,

halten mich für verschlossen. Vielleicht bin ich es, weil ich zu oft meinen

Mund zum Lachen öffnen muß.

Mit unbewegter Miene gehe ich durch mein eigenes Leben, erlaube mir

nur hin und wieder ein sanftes Lächeln, und ich denke oft darüber nach,

ob ich wohl je gelacht habe. Ich glaube: nein. Meine Geschwister wissen zu

berichten, daß ich immer ein ernster Junge gewesen sei.

So lache ich auf vielfältige Weise, aber mein eigenes Lachen kenne ich

nicht.

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Quelle: Böll, Heinrich: Werke. Kölner Ausgabe. Band 9: 1954 – 1956. Herausgegeben von J. H. Reid. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2006, S. 79 – 81.

INFOBOX

Heinrich Böll (1917 – 1985), deutscher Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur (1972)

Aufgabe 2 / Textbeilage 1

Lachen

Lachen hat seit Jahren in Deutschland Hochkonjunktur: Der Bedarf an Schenkelklopfern ist groß und die Zahl der Nachwuchs-Kabarettisten kaum noch bestimmbar. Doch sollte man den Comedy-Boom nicht über- bewerten. Nur 20 Prozent aller Lacher entstehen durch einen Witz. Die Mehrzahl der Lacher haben weniger mit Humor zu tun, sondern mehr damit, wie wir im Alltag bestehen können.

Von Götz Bolten

Lachen ohne Witz Der Selbstversuch ist ganz ein- fach: Man schaue sich eine der zahlreichen Comedy-Sendungen mal ganz alleine an. Höchstwahr- scheinlich wird die Anzahl herz- hafter Lacher bei diesem zweifel- haften Vergnügen überschaubar bleiben. Und das liegt nicht nur an schlechten Gags. Die wenigsten Menschen lachen, wenn sie allein sind. Die Alltagserfahrung zeigt, dass meist in der Gruppe gelacht wird. Für den Lacherfolg wichti- ger als die Pointe eines Witzes ist die Konstellation der Personen in- nerhalb der Gruppe. Wer ist der Witzerzähler? Ist er ein „Alphatier“, also eine Führungs- persönlichkeit? Ist er in der Lage, die Aufmerksamkeit der Personen im Raum auf sich zu ziehen, gege- benenfalls sogar das Interesse des anderen Geschlechts? 80 Prozent der sogenannten „Spaßkommuni- kation“, also einer Kommunikati- on, bei der gelacht wird, kommen sogar gänzlich ohne Humor und Pointe aus.

Wo liegt das Lachen? Der US-Psychologe Robert Pro- vine hat in über 15 Jahren Lach- forschung herausgefunden, dass

das Phänomen Lachen weit mehr ist als eine reflexartige Kontrakti- on der Bauch- und Gesichtsmus- kulatur. Lachen ist soziale Inter- aktion, eine besonders intensive und häufig unbewusste Form der Kommunikation. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass die ersten Vorfahren des Homo sapiens vor sechs Millio- nen Jahren zwar noch keine For- men von Kultur entwickelt hat- ten, jedoch schon die Anfänge des menschlichen Lachens. Diese Vermutung wird durch die Er- kenntnis untermauert, dass das Lachen seinen Ursprung im lim- bischen System hat, einem ent- wicklungsgeschichtlich sehr alten Teil des Gehirns. Das Sprachzen- trum muss sich im Laufe der Evo- lution später gebildet haben, da es im Cortex liegt, einer äußeren Gehirnregion.

Seit wann lacht der Mensch? Wie wichtig das Lachen in einer steinzeitlichen Welt ohne Spra- che gewesen sein muss, macht folgendes Beispiel deutlich: Vor rund 2,5 Millionen Jahren hatte der Homo rudolfensis den Stein- keil entdeckt. Damit konnte er seinem Gegenüber also schon den Kopf einschlagen, war aber noch nicht in der Lage, mit ihm

zu sprechen. Tagsüber konnten sich die Urmenschen, ähnlich wie Tiere, durch Überlegenheits- und Demutsgesten von einem solchen Tun abhalten. Nachts jedoch wa- ren diese Gesten und die Mimik nicht zu sehen. Die Menschen waren damals auf Geräusche angewiesen. In den grunzenden „Ich-tue-dir-nichts- du-tust-mir-nichts“-Lauten un- serer Vorfahren sehen viele Wis- senschaftler die Ursprünge des Lachens. Zwar ist das Lachen heute nicht mehr so überlebens- wichtig wie früher, doch auch bei heutigen sozialen Kontakten lassen sich ähnliche Muster er- kennen. Sprechen beispielsweise zwei Menschen am Telefon mit- einander, fühlen sie intuitiv, ob der Mensch am anderen Ende der Leitung lächelt. Der deutsche Lachforscher Carsten Niemitz fand heraus, dass ein Lächeln die Stimmmelodie, die Atmung und den Sprachrhythmus ändert.

Sozialer Klebstoff 80 Prozent aller Lacher beruhen nicht auf einem Witz oder einer Pointe. Die meisten Menschen lachen, um ihrem Gegenüber be- wusst oder unbewusst etwas mit- zuteilen. Lachen ist also in erster Linie ein Mittel der Kommunika-

Quelle: http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/humor/lachen/ [22.06.2015]

tion. Wie wichtig diese non-ver- bale Sprache ist, zeigt folgendes Beispiel: Ein Chef erzählt einem Angestellten einen Witz. Im Nor- malfall fängt der Chef lauthals an zu grölen und auch der Angestell- te beginnt zu lachen, auch wenn er den Unterhaltungswert des Wit- zes als eher gering einschätzt. Nicht der Witz provoziert das Lachen des Angestellten, sondern die vermeintliche Erwartungshal- tung seines Chefs: Mitlachen! Der Angestellte kommt dieser Erwar- tungshaltung meist nach, um den Chef in seiner Rolle als Chef zu bestätigen, da er sonst negative Konsequenzen befürchtet. Man stelle sich nur einmal vor, der An- gestellte würde dem Chef sein zu- stimmendes Lachen verweigern. Forscher haben bei dieser Art des Lachens herausgefunden, dass der Vorlacher meist laut und vokal lacht. Die Menschen, die auf das Lachen reagieren, halten sich in der Lautstärke zurück. Doch Lachen kann weitaus mehr zwischen Menschen vermitteln als bloße Machtpositionen. La- chen kann auch als Indikator für Sympathien oder Antipathien ge- nutzt werden. Die Menschen in einer Reisegruppe etwa, die die

kommende Woche miteinander verbringen werden, lachen sich nachgewiesenermaßen am An- fang dieser Zeit häufiger an als zum Ende. Schon in den ersten Stunden wird durch häufiges La- chen geklärt, wer sich innerhalb der Gruppe am sympathischsten ist. Das Lachen zeigt an, dass zwei Menschen sich freundlich geson- nen sind, dass sie sich gegenseitig zustimmen, also eine Basis an Ge- meinsamkeiten haben. Dieser Gruppenfindungsprozess geschieht fast ausschließlich un- bewusst. Die Lachkommunikati- on hat hier den Vorteil, dass die Gefühle nicht offen ausgespro- chen werden und sich so auch nie- mand direkt verletzt fühlen muss. Aufgrund seiner Ordnungsfunk- tion innerhalb sozialer Gruppen bezeichnen viele Wissenschaft- ler das Lachen auch als soziales Schmiermittel oder als Klebstoff.

Die Lehre vom Lachen Was und wie beim Lachen kom- muniziert wird, untersuchen weltweit rund 200 Lachforscher, sogenannte Gelotologen (gelos, griechisch für: Lachen). Sie for- schen dabei in zwei Richtungen: Die meisten Wissenschaftler un-

tersuchen die Mimik beim La- chen, nur eine Handvoll beschäf- tigt sich mit den Geräuschen, die dabei entstehen. Lachforscher glauben mittlerweile zwischen echtem und falschem Lachen un- terscheiden zu können. Ein echtes Lachen beginnt spätestens eine halbe Sekunde nach dem Lach- reiz. Der Lachende schließt die Augen und schaut sein Gegenüber dann erst einmal nicht mehr an. Ein weiteres Indiz sind die Lach- falten. Ohne die ist das Lachen wahrscheinlich gespielt. Beim Lachen geschieht Erstaunli- ches mit der menschlichen Stim- me: In wenigen Millisekunden kommt eine herzhaft lachende Frau auf eine Tonhöhe von 1000 Hertz, wobei die normale Fre- quenz bei 100 Hertz liegt. Die Wissenschaftler sagen, dass der komplexe Vorgang des Lachens, also die Lachmelodie, die Grunz- und Schnarchlaute und die Ver- änderung der Tonhöhe unbewusst gesteuert werden und deshalb niemals glaubwürdig nachgeahmt werden können. Jeder Mensch er- kenne instinktiv, ob das Lachen des Gegenübers echt sei. (^) n

Aufgabe 1 / Textbeilage 1

Die Ausstellung „Megacool 4.0“ im Künstlerhaus wirft einen Blick in Jugendzimmer

Unsere Eltern kiffen mehr als wir

Was bedeutet Jugend heute – ist es nur mehr eine Technik, die es zu beherrschen gilt?

Von Manisha Jothady

Sie tingeln von einer Großraum- disco zur anderen, grölen, was das Zeug hält, und saufen sich ins Koma. Auf Aufriss gehen und Bumsen lautet ihre Devise, die Mädels finden das cool oder eben nicht … Hey Oida, scheiß drauf! Es ist Samstagnacht und die verheißt totale Entgrenzung! Laut, ungehobelt, triebgesteuert und selbstzerstörerisch – sieht so etwa die Jugend von heute aus? Zumindest ATV vermittelt der- gleichen in seiner Reality-Serie „Saturday Night Fever“ und er- freut sich gerade bei den 12- bis 29-Jährigen ansehnlicher Quoten. Welche Motivation auch immer, vom Fremdschämen bis hin zur lustvollen Teilhabe, die Zuse- her zu solchem TV-Voyeurismus treibt, feststeht, sie sollten lieber weiterzappen und sich andere Identifikations- oder Abgren- zungsmodelle suchen. Auch auf anderen Sendern (etwa Okto) wird Jugendlichen Raum gege- ben, kreativer Raum und Raum zur konstruktiven Meinungsäu- ßerung. Aber die Braven und En- gagierten, die will kaum jemand sehen. Zu sehr hat sich in der me- dialen Darstellung Jugendlicher ein ausgeprägter Kulturpessimis- mus Bahn gebrochen, besonders da, wo man meint, die Gesell-

schaft sei ganz besonders um ihre Zukunft besorgt.

Jägermeister und erster Sex „50 Jägermeister in 15 Sekunden“ steht in großen Lettern auf der Malerei von Diana Deu geschrie- ben. Seit Donnerstag hängt das Bild in der Ausstellung „Mega- cool 4.0“ im Wiener Künstler- haus. Auch die Kunst bedient sich der medial vermittelten Stereo- type. Allerdings nicht, um sie zu bekräftigen, sondern um sie kri- tisch, mitunter auch ironisch, zu beäugen. Die Schau liefere keine Antworten, sondern werfe viel- mehr Fragen auf, betont Kurato- rin Birgit Richard, Direktorin des Jugendkulturarchivs Frankfurt, am Eröffnungsabend. Denn die Jugend, von der nicht selten pau- schalisierend gesprochen wird, die gibt es selbstverständlich nicht. Deshalb liest sich die Präsentation auch wie ein Sammelbecken vieler kleiner Erzählungen, denen man freilich noch weitere hinzufügen möchte. Der Rundgang erschließt sich als Streifzug durch die unter- schiedlichsten Jugend-Soziotope. Malend, zeichnend, skulptural, vor allem aber fotografisch und in Videos wurden diese von den teilnehmenden Künstlern erfasst. Megacool, das sind hier die Rebel- len wie die Angepassten, die Di-

cken wie die Dünnen, die Sport- lichen wie die Herumlungernden, die Selbstbewussten wie die Ver- träumten, die politisch Aktiven wie die gleichgültig Anmutenden, die Hip-Hopper, die Raver, die Punks, die Gothic-Anhänger, die Emos, Visus, Cosplayer und wie auch immer die Gruppierungen sonst noch heißen mögen. Das Bild von Jugend als eine gegen die gesellschaftlichen Normen und Konventionen aufbegehrende ho- mogene Masse ist passé. An die Stelle der großen Jugend- bewegung, wie sie zuletzt von den 1968ern ausging, sind unüber- schaubar viele parallele Szenen und Tendenzen getreten. Und auch deren Regeln, Codes und Ri- tuale scheinen sich permanent zu verändern. Denn Jugend bedeu- tet schließlich auch Wandel und Ausprobieren. Der erste Kuss, der erste Sex, die erste Liebe, der erste Verlust. Das erste Auto, der erste Job. Und über all dem die gro- ßen existenziellen Fragen „Wer bin ich?“, „Wer will ich sein?“. Die meisten Identifikationsan- gebote, so vermittelt es jedenfalls die Ausstellung im Künstlerhaus, stellen Computerspiele und das World Wide Web zur Verfügung. Denn die virtuelle Realität ist aus den Jugendzimmern längst nicht mehr wegzudenken. „Mega- cool“ bestätigt hier das, was wir

ohnehin schon wissen. Interes- sant ist allerdings, welch kreatives Potenzial die neuen Medien für einzelne Kunstschaffende bergen. Rückkoppelungen auf Gesell- schaftskritisches stellen sich da automatisch ein.

Wie lang braucht Identität? Folgt man den Ausführungen des Neofreudianers Erik H. Erikson, so ist mit Jugend jener Lebens- abschnitt markiert, in welcher der Mensch seine soziale Rolle festi- gen muss. Die westliche Gesell- schaft stelle ihm dafür eine Zeit des Rollen-Experimentierens zur Verfügung, ein „psychosoziales Moratorium“, wie es der Psycho- loge nennt. Denn im Vergleich zu Stammeskulturen oder diktato- rischen Gesellschaften zum Bei- spiel, in denen die Rollen festge- legt sind, verlange die Demokratie eine „selbstgemachte Identität“, die eine oft mühsame Auswahl aus zahlreichen Möglichkeiten erfor- dere. Seit Eriksons 1968 erschie- nenem Buch „Jugend und Krise“ gilt in der Entwicklungspsycholo- gie nahezu unwidersprochen, dass die Herstellung einer autonomen Identität als die wichtigste Auf- gabe der Adoleszenz betrachtet werden kann. War Erikson al- lerdings noch der Meinung, dass der Prozess der Identitätsfindung auch mal zum Abschluss kommt, sind sich die Experten unter- schiedlicher Strömungen heute weitgehend einig, dass Identität keine psychische Eigenschaft ist, die einmal erworben wird und dann für immer gleich bleibt. Man geht davon aus, dass es einer

aktiven Konstruktionsleistung des Individuums bedarf, seine Identität zu erzeugen und über wechselnde Kontexte hinweg stabil zu halten. In diesem Sinne tun vermut- lich alle Erwachsenen gut daran, wenn sie versuchen, jung zu blei- ben. Das Leben selbst erfordert es. Wer in der Gegenwart treibt, muss flexibel bleiben, um die Kurzzeitigkeit gegenwärtiger Si- cherheitssysteme, beruflicher wie privater, sowohl verstehen als auch beherrschen zu können. Jugend, könnte man demnach behaupten, ist eine Technik, die es zu beherr- schen gilt. Die unterschiedlichs- ten Diskurse, die medizinischen ebenso wie die ästhetischen und politischen, predigen es ohnehin schon lange. Wer jung ist, ist lernfähig, gesund und sieht gut aus. Wer jung ist, hat Zukunft. Jugend ist ein Label, das den Anforderungen des Marktes entspricht und sich nach wie vor gut verkaufen lässt. Wen wundert’s da, wenn die Er- wachsenenwelt heute vielfach aus Jugendlichen jenseits der vierzig besteht. Wenn Mama im Girly- look erscheint und Papa den Kumpel mimt und mit seiner Plattensammlung prahlt, scheinen sich die Bahnen der Elterngene- ration eindeutig mit denen ihrer Kinder zu vermischen. Ein hybri- der Zustand, der es jungen Leu- ten mitunter unmöglich macht, sich an den Werten der Älteren zu reiben. „Unsre Eltern kiffen mehr als wir, wie soll man rebel- lieren? Egal wo wir hinkommen, unsre Eltern warn schon eher hier“, heißt es so treffend in ei-

nem Song der deutschen Gruppe Kraftklub.

Motor der Kulturindustrie Wird die Jugend als Lebensphase irgendwann obsolet? Jon Savage, Autor des empfehlenswerten Bu- ches „Teenage. Die Erfindung der Jugend (1874 –1975)“, meinte in einem Interview, dass die Jugend sich immer ihre Rituale schaffen würde. Nur sei der Begriff heute anders determiniert als noch vor einigen Jahrzehnten. Jugend, be- stätigt Savage, sei ein „Motor für die Kulturindustrie“ geworden: „Viele unserer Sorgen drehen sich um die Ökologie, um die Nach- haltigkeit von Produkten und um den Klimawandel. All das hat di- rekt mit unserem Lebensstil zu tun. Die zentrale Frage wird sein, wie in Zukunft Konzepte der Ju- gend und der Gesellschaft organi- siert werden können, wenn man sie nicht mehr über den Konsum organisieren kann.“ „Denn irgendwann im 21. Jahr- hundert, vielleicht schon sehr bald, wird es den Menschen nicht mehr möglich sein, so viel wie jetzt zu konsumieren“, so Savages Pro- gnose. Für Kunst und Literatur, für Musikindustrie und Mode, für die Wirtschaft im Allgemeinen, für die Medien und die Politik stellt Jugend jedenfalls eine uner- schöpfliche Ressource dar. Sie alle sind in der Lage, einen Aspekt der Jugend zu bewirtschaften, welchem längerfristig gesehen bedeutendes Gewicht zukommt: ihrem Altern. (^) n

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/kunstarchiv/465582_Unsere-Eltern-kiffen-mehr-als-wir.html [22.06.2015]

Thema 2: Jugend

Aufgabe 2

Jugend und Werte

Verfassen Sie einen Leserbrief.

Situation: Sie sind in der Wiener Zeitung auf den Artikel Jugendliche zweifeln an Ge-

rechtigkeit gestoßen und schreiben dazu einen Leserbrief.

Lesen Sie den Artikel Jugendliche zweifeln an Gerechtigkeit aus der Online-Ausgabe der Wiener

Zeitung vom 29. Mai 2012 (Textbeilage 1).

Verfassen Sie nun den Leserbrief und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:

n Geben Sie die für Ihren Leserbrief relevanten Inhalte des Artikels wieder.

n Erläutern Sie diese im Zusammenhang mit Ihrer eigenen Lebenswelt.

n Nehmen Sie zu den Auswirkungen von Krisenzeiten auf die Werthaltungen von Jugendlichen

kritisch Stellung.

Schreiben Sie zwischen 270 und 330 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen.

Aufgabe 2 / Textbeilage 1

Jugendwertestudie

Jugendliche zweifeln an Gerechtigkeit

Der Ruf nach Solidarität wird unter Jugendlichen laut aktueller Studie immer lauter. Wirtschaftskrisen ließen das Interesse der Jungen an der Politik steigen.

Von Petra Tempfer

Wien. Wer sich nicht selbst durch- beißt, dem hilft keiner mehr: Die- ser Ansicht ist laut einer Jugend- wertestudie der Arbeiterkammer (AK) die Jugend von heute, die demnach zunehmend an der Ge- rechtigkeit in der Gesellschaft zweifelt. „Die Hälfte sagt, sie muss sich um sich selbst kümmern“, sag- te AK-Präsident Herbert Tumpel bei der Studienpräsentation am Dienstag. Der Ruf nach Solidarität werde daher immer lauter. Konkret waren drei Viertel der 1500 befragten jungen Erwachse- nen im Alter von 14 bis 29 Jahren der Meinung, dass jene, die mehr besitzen, einen größeren Beitrag leisten sollten, weil sich die Sche- re zwischen Armen und Reichen immer weiter öffne. Genauso vie- le fühlen sich durch Arbeit und Ausbildung stark unter Druck ge- setzt. 15 Prozent der Schüler über 15 Jahren arbeiten nebenbei, mehr als 40 Prozent in den Ferien. Fast jeder zweite Studierende ist ganz- jährig berufstätig. „Es ist die Stimmung im Land, die die Jobangst bei Jugendlichen schürt und eine große Unsicher- heit bei ihnen hervorruft“, analy- siert Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung die Studie. „Das vorherrschende Ge-

fühl, von einer Krise in die nächs- te zu schlittern, erzeugt das Bild einer unsteten Gesellschaft ohne Kontinuität“, sagt er im Gespräch mit der „Wiener Zeitung“. Laut Studie ist das Vertrauen in große Wirtschaftsunternehmen (27 Pro- zent), in die Regierung (27 Pro- zent) und Religionsgemeinschaf- ten (21 Prozent) beschädigt.

Sehnsucht nach Geborgenheit in der Familie Bedingt durch die Krisenzeiten ist zwar das Interesse der jungen Menschen an der Politik gestie- gen: 16 Prozent zeigen sich laut Studie sehr interessiert, 38 Pro- zent zumindest etwas. Eine Ge- sellschaft wie diese ist in den Augen der Jungen aber auch der Nährboden für soziale Ungleich- heit, meint Ikrath: „Im Vergleich zu früher fordern die Jugendli- chen von heute mehr gesellschaft- lichen Zusammenhalt, weil sie höher sensibilisiert auf diesem Gebiet sind – und sehnen sich gleichzeitig nach Geborgenheit im Familien- und Freundeskreis.“ Die AK-Studie ergab, dass 98 Pro- zent bei Freunden und Bekannten und 97 Prozent bei der Familie Rückhalt suchen. Laut Ikrath spiegelt das einen generellen Trend wider, der auch durch Ju- gendstudien in den Bundeslän-

dern mehrfach belegt sei und das Bild vom egoistischen jugendli- chen Kämpfer relativiere. Diese Sehnsucht nach familiä- rem Zusammenhalt hat allerdings „nichts mit dem Biedermeier der 50er Jahre zu tun, als man sich mit 19 für ewig binden wollte und mit der Kinderplanung begann“, fügt Manfred Zentner, ebenfalls vom Institut für Jugendkultur- forschung, hinzu. Der Wunsch nach Familie sei zwar wieder im Vordergrund – heute würden aber schon gemeinsame Abende und Mahlzeiten geschätzt. „Dass man die Dinge, die bedroht scheinen, als hochwertig einschätzt, ist ein typisches Phänomen aus der Wer- teforschung“, erklärt Ikrath. Wird doch auch die Zeit der Eltern im- mer knapper, und Stress und Un- geduld nehmen wegen der unsi- cheren Lage gepaart mit Job- und Existenzängsten zu. Übertragen Eltern diese Angst auf ihre Kinder, mündet das laut Ikrath allerdings in ein Dilemma. „Wenn sie sagen: ,Schreibst du keinen Einser, wirst du keinen gu- ten Job bekommen‘, üben sie zu- sätzlich Druck aus. Und nehmen Jugendlichen die letzte Möglich- keit, zumindest in der Familie Zuflucht zu finden.“ (^) n

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/461207_Jugendliche-zweifeln-an-Gerechtigkeit.html [22.06.2015]

Thema 3: Arbeitswelt

Aufgabe 1

Arbeit und Freizeit

Verfassen Sie eine Erörterung.

Situation: Als Mitglied der Redaktion der Schülerzeitung verfassen Sie für eine Schwer-

punktausgabe zum Thema Work-Life-Balance eine Erörterung.

Lesen Sie den Artikel Generation Weichei aus der Online-Ausgabe der Tageszeitung Frankfurter

Allgemeine vom 22. Dezember 2012 (Textbeilage 1).

Verfassen Sie nun die Erörterung und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:

n Geben Sie diejenigen Gründe wieder, die die Verfasserin des Artikels dazu veranlassen, die

heute in das Berufsleben eintretenden jungen Menschen als „Generation Weichei“ zu be-

zeichnen.

n Erläutern Sie die in der Textbeilage genannten Ursachen für diese Einschätzung.

n Nehmen Sie kritisch Stellung zur Frage: „Sind das alles Weicheier, die sich vor Karriere und

Chefsein drücken?“

n Entwerfen Sie Ihre eigenen Vorstellungen von einem erfüllten Leben im Spannungsfeld von

Arbeitsdruck und Work-Life-Balance.

Schreiben Sie zwischen 540 und 660 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen.

Aufgabe 1 / Textbeilage 1

Work-Life-Balance

Generation Weichei

Freizeit statt Karriere, Sabbatical statt Stress: Die jungen Leute geben für den Beruf nicht mehr alles. Fortschritt oder Verfall? [...]

Von Bettina Weiguny

Es ist zum Verrücktwerden mit den jungen Menschen. Da hat eine große deutsche Wirtschaftsprü- fungsgesellschaft einen Posten in New York zu besetzen. New York, wohlgemerkt, nicht Timbuktu oder Baku. Trotzdem schlägt kei- ner der Kandidaten gleich zu. „Die Stadt ist so stressig“, meint ein Jungspund abwägend. „Das muss ich erst mit meiner Frau bespre- chen“, erklärt der nächste. So geht es lustig weiter: Vielleicht. Mal se- hen. Nur, wenn … Oder einfach: Nein, danke. „Die spinnen“, klagt der Perso- nalchef der Wirtschaftsprüfer, der viele solcher Geschichten über die Berufsanfänger erzählen kann. Und nicht nur er: Alle Führungs- kräfte und Personalberater, die mit der Generation Y, also den nach 1985 Geborenen, in Kontakt kom- men, stellen fest: Die Jungs und Mädels, die da momentan in die Wirtschaft drängen, setzen den Unternehmen arg zu. Offiziell will das so niemand sagen. Schließlich braucht die Wirtschaft die Gene- ration Y – allein schon wegen des demografischen Wandels: Der Nachwuchs ist knapp. Kein Un- ternehmen kann es sich leisten, die Chefs von morgen zu verprellen. Nur weiß niemand, ob die das überhaupt wollen: Chef werden,

Karriere machen. Oder ob sie das können. Ein Job in New York – vor zehn Jahren hätten die Mitar- beiter sich darum gerissen. Heute überlegen die Kandidaten: Passt das in mein Lebenskonzept? Was sagt mein Partner dazu? Habe ich noch Zeit für Sport und Musik, für die Familie, für mich? Wenn zu viel auf der Strecke bleibt, ziehen weder Top-Salär noch New York City.

Ein erfülltes Leben, neben der Arbeit? Die Geister scheiden sich an der Frage, ob das nun gut ist oder schlecht: Sind das alles Weicheier, die sich vor Karriere und Chefsein drücken? Oder haben wir es mit einem cleveren Nachwuchs zu tun, jungen Leuten, die nur laut- stark einfordern, was viele gerne hätten, sich nur nie zu fordern trauten: ein erfülltes Leben neben der Arbeit? Eines ist offensichtlich: Die Pri- oritäten haben sich verschoben. Das bestätigen Personalvorstände von Dax-Konzernen, Geschäfts- führer von Beratungsfirmen und wissenschaftliche Studien: Kar- riere um jeden Preis ist für das Gros der 18- bis 29-Jährigen un- vorstellbar. Die Arbeit steht nicht mehr unangefochten an erster Stelle, Freizeit, Hobbys, Familie und Freunde holen auf.

Zwei Drittel, so belegen Um- fragen, sind nicht mehr bereit, berufliche Ziele über private Be- lange zu stellen. Eine ausgegli- chene „Work-Life-Balance“ ist gar jedem Zweiten wichtig. Auf Mitbestimmung legen sie großen Wert und auf eine angenehme Arbeitsatmosphäre, flexible Ar- beitszeiten, Homeoffice und Sab- baticals. Sie arbeiten am liebsten im Team, sind lieber Stellvertreter als Chef – und das gerne auch zu zweit.

Gewohnt, in allen Belangen gefragt zu werden Christoph Fellinger kennt das nur zu gut. Der Beiersdorf-Manager, selbst Jahrgang 1969, kümmert sich im Nivea-Konzern ums Per- sonalmarketing. Sein Job ist es, he- rauszufinden, wie die Generation tickt, wie man junge Talente fin- det, umwirbt und ans Unterneh- men bindet. „Wer das nicht schafft, hat in spätestens drei Jahren einen echten Wettbewerbsnachteil“, pro- phezeit er. Deshalb müssen die Konzerne umdenken und sich auf die Jungen einstellen. „Das ist ein Muss.“ Es ist die erste Generation, die mit der Work-Life-Balance-Welle groß geworden ist. Behütet, in Wohlstand gebettet und internati- onal ausgebildet. Eine Generation, die es von Geburt an gewohnt ist,

INFOBOX

Jungspund: junger, unerfahrener Mensch

Sabbatical: (neben dem jährlichen Erholungsurlaub) einmal in einem längeren Zeitraum gewährte längere Freistellung

Dax: misst die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen am deutschen Aktienmarkt und repräsentiert rund 80 Prozent des in Deutschland zugelassenen Börsenkapitals (Quelle: http://www.dax-indices.com/DE/index.aspx?pageID=25&ISIN=DE0008469008 [18.08.2015])

High Potential: überdurchschnittlich qualifizierte Nachwuchskraft

flügge: hier erwachsen geworden

Thema 3: Arbeitswelt

Aufgabe 2

Schöne neue Arbeitswelt

Verfassen Sie einen Kommentar.

Situation: Die Tageszeitung Die Presse veröffentlicht eine Serie von Interviews zu

Zukunftsthemen und lädt junge Erwachsene ein, dazu Stellung zu nehmen. Sie wählen

das Interview mit Matthias Horx und verfassen dafür einen Kommentar, der in einer

Schwerpunktausgabe abgedruckt werden soll.

Lesen Sie das Interview Erfolg heißt, sich selbst zu finden mit dem Trendforscher Matthias Horx

aus der Online-Ausgabe der Tageszeitung Die Presse vom 3. November 2011 (Textbeilage 1).

Verfassen Sie nun den Kommentar und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:

n Benennen Sie die Veränderungen, die Matthias Horx für die zukünftige Arbeitswelt prognosti-

ziert.

n Erläutern Sie mögliche Herausforderungen, die sich für junge Erwachsene daraus ergeben

können.

n Nehmen Sie zu ausgewählten Positionen des Trendforschers kritisch Stellung.

Schreiben Sie zwischen 270 und 330 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen.