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Ist Gendern aus heutiger Sicht wirklich notwendig?
Art: Skripte
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Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich möchte heute ausführlich über das Thema Gendern sprechen. In den letzten Jahren ist das Gendern, also das Verwenden von geschlechtergerechter Sprache, zu einem wichtigen Thema in unserer Gesellschaft geworden und hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Es geht darum, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, in unsere Sprache sichtbar gemacht werden und nicht mehr nur die männliche Form als Standard verwendet wird. Nun sollten wir uns die Frage stellen: Warum ist Gendern wichtig? Nun, Sprache prägt unser Denken und Handeln. Wenn wir immer nur das generische Maskulinum verwenden also von „Schülern“ oder „Studenten“ sprechen, dann werden Frauen und andere Geschlechter unsichtbar gemacht. Das kann dazu führen, dass sich diese Gruppen ausgegrenzt fühlen und ihre Perspektiven und Erfahrungen nicht berücksichtigt werden. Dies geht aus wissenschaftlichen Experimenten hervor, ich zitiere: „Das maskuline Formen, selbst mit der generischen Intension, häufiger männlich interpretiert werden.“ Mit diesen Worten will uns Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin sagen, dass das generische Maskulinum nichts weiter als die männliche Form im Plural ist und somit Frauen nicht angesprochen werden. Seiner Meinung nach ist neuer Sprachgebrauch nur ein Prozess, der Umgewöhnung und des Umdenkens. Dies führt bisweilen zu Erregung bei den Gegnern die ihre Sprachgewohnheiten beibehalten möchten. Sie wollen seines Erachtens nach nicht ändern, was sie sich jahrelang angewöhnt haben. Das wird von ihm als Bequemlichkeit bezeichnet, denn schlechte Gewohnheiten wie das Rauchen in Gaststätten, sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß. Hingegen andere sind der Meinung, dass Sprache nicht unser Denken oder die Sicht auf die Welt formt, sondern das Handeln. Ein sehr gutes Beispiel dafür geht aus einem Zeitungsbericht von Matthias Heine („Die Welt“) hervor, indem er sagt: „Wenn also Kinder sich unter Astronauten auch Frauen vorstellen sollen, müssten mehr Astronautinnen ins All geschickt werden, statt sie sprachlich hervorzuheben. Bei den Pluralen Lehrer oder Bundeskanzler denken Kinder schon jetzt vor allem an Frauen.“ Mit dieser Aussage wird uns verdeutlicht, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit verändert werden müsste, indem man sich mehr um gesellschaftliche Anpassungen bemühen sollte, z. B. durch eine Frauenquote im beruflichen Bereich oder gerechter Lohn zwischen den Geschlechtern. Es gibt Bedenken, dass gendergerechte Sprache dazu führen kann, dass Menschen mit Behinderungen ausgeschlossen werden, indem sie ihre Identität und Bedürfnisse nicht vollständig berücksichtigt sehen. Zum Beispiel sind für geistig Behinderte oder Analphabeten Wörter mit Binnen-I oder dem Gendersternchen schwer zu lesen bzw. auszusprechen und außerdem können einige geschlechtsneutrale Pronomen wie "sie/ihn" oder "sie/er" für Menschen mit bestimmten Behinderungen verwirrend sein, wenn sie Schwierigkeiten haben, komplexe sprachliche Strukturen zu erkennen, zu verstehen oder zu verarbeiten. Darüber hinaus kann gendergerechte Sprache auch
den Eindruck erwecken, dass alle Menschen mit Behinderungen eine bestimmte Geschlechtsidentität haben oder dass ihre Behinderung sie automatisch als "anders" markiert. Um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen nicht ausgeschlossen werden, ist es wichtig, dass gendergerechte Sprache in einer klaren und verständlichen Weise verwendet wird und dass individuelle Bedürfnisse und Vorlieben berücksichtigt werden. Dies beschreibt zum Teil Thomas Wagner im Spiegelartikel „Ein Zwang darf nicht entstehen.“ In einigen Fällen kann es auch angemessen sein, alternative sprachliche Formulierungen zu verwenden, die die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen besser berücksichtigen. Die Pädagogin Johanna Usinger hat diesbezüglich 2015 das Genderwörterbuch „Geschickt Gendern“ veröffentlicht. Darin werden beispielsweise Wörter kreativ umgeändert: „Frau Dr. Schmidt trat ans Rednerpult“ oder vereinfacht gesagt, sie trat ans Redepult. Diese Form erfordert ein wenig Übung und Kreativität aber am Ende entsteht ein gut lesbarer Text. Eine weitere Möglichkeit, gendergerechte Schreibweise, wie Paarform oder Genderstern zu umgehen, wäre die direkte Anrede: „Kinobesucher müssen das Gebäude verlassen.“ → Bitte verlassen Sie das Gebäude!“ Im Plural lassen sich geschlechtsneutrale Sätze am besten formulieren. Ein Beispiel von Johanna Usinger ist: „Der Vorsitzende / Die Vorsitzende lädt zu dem monatlichen Teamtreffen ein.“ → Die Pluralform hierzu lautet: „Die Vorsitzenden laden zu den monatlichen Teamtreffen ein." Alle diese Formen dienen zur Vereinfachung der geschlechtergerechten Sprache. Wir haben seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Dies ist in Artikel 3 unseres Grundgesetzes tief verankert. 2018 wurde das Personenstandsgesetz mit der Einbeziehung von „divers“ erweitert. Somit besteht eine Gleichberechtigung aller Geschlechter und warum sollte dieses im Sprachgebrauch nicht auch gelten. Womit wir zu unserer Streitfrage kommen: „Sollte in den Gebrauch der deutschen Sprache aus Gründen der Gendergerechtigkeit regulierend eingegriffen werden?“ Das heißt, den geschlechtergerechten Sprachgebrauch gesetzlich festlegen. Bei diesem Prozess besteht jedoch die Gefahr der Spaltung in der Gesellschaft. Es könnten sich unterschiedliche Haltungen verfestigen und zu Radikalisierung kommen, wobei jede Seite auf die eigene Meinung besteht. Eine Sache z. B. könnte sein, dass einige Leute das Gendern für ideologisch halten, wie es Anatol Stefanowitsch beschreibt. Diesen Ideologieverdacht verspürt Tobias Künzel von den Prinzen. In seinem neusten Interview für den Nordkurier sprach er davon, dass Musik nicht politisch sein dürfe. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, das Gendern. Er sagte: „Mich erinnert das alles an die DDR, als man aufpassen musste, was man sagt.“ Stefanowitsch ist der Meinung, dass die Haltung von Leuten, wie Sänger Tobias Künzel gegenüber dem Gendern, für jeden sein gutes Recht sei. Für ihn gibt es nur eine Variante den geschlechtergerechten Sprachgebrauch durchzusetzen, indem man sich Gedanken zu seiner Sprache macht und seine Mitmenschen dazu ermutigt seinen Sprachgebrauch zu hinterfragen. Damit meint er, dass wir über unseren Sprachgebrauch nachdenken sollen, wie wir ihn gebrauchen und nutzen. Der Dudenverlag bietet dafür eine Auswahl an Möglichkeiten als Empfehlung zum ,,richtigen Gendern“ an. Weshalb ich zu dem Entschluss gekommen bin, dass