SKRIPT TERMINOLOGIE-KURS, Grafiken und Mindmaps von Medizin

Schott: Die Chronik der Medizin. Gütersloh/München 2000. Page 4. 4. Anatomische Nomenklatur und klinische Terminologie.

Art: Grafiken und Mindmaps

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Stand: Wintersemester 2021/22
Dr. Senckenbergisches Institut
für Geschichte und Ethik der Medizin
Goethe-Universität
Frankfurt am Main
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TERMINOLOGIE-KURS
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Stand: Wintersemester 2021/

Dr. Senckenbergisches Institut

für Geschichte und Ethik der Medizin

Goethe-Universität

Frankfurt am Main

SKRIPT

TERMINOLOGIE-KURS

Inhaltsverzeichnis

    • Warum Latein und Griechisch in der Terminologie? S. Grundlagen:
    • Anatomische Nomenklatur und klinische Terminologie S.
    • Grammatikalische Grundbegriffe - Definitionen S.
    • Formale und typographische Konventionen der Terminologia anatomica S.
    • Bildungstypen anatomischer Begriffe (Nominalphrasen) S.
    • Einführung in die Grundbegriffe der Deklinationen S.
    • Kongruenzregeln bei der Deklination S.
    • Die a- und die o-Deklination S. Praktischer Teil:
    • Vokabelbogen a-/o-Deklination S.
    • Übungsbogen a-/o-Deklination S.
    • Die u-Deklination S.
    • Die e-Deklination S.
    • Vokabelbogen u-/e-Deklination S.
    • Wichtige lateinische und griechische Präfixe S.
    • Übungsbogen u-/e-Deklination S.
    • Die "dritte" Deklination (i- und konsonantisch) S.
    • Vokabelbogen i-Deklination S.
    • Wichtige lateinische und griechische Suffixe S.
    • Übungsbogen i-Deklination S.
    • Vokabelbogen konsonantische Deklination S.
    • Übungsbogen konsonantische Deklination S.
    • Die Adjektive der Gruppe II S.
    • Die Steigerung der Adjektive S.
    • Vokabelbogen Adjektive der Gruppe II / Steigerung S.
    • Übungsbogen Adjektive der Gruppe II S.
    • Übungsbogen Steigerung der Adjektive S.
    • Begriffe aus der Klinik I S.
    • Begriffe aus der Klinik II S.
    • I Vokabelbogen gr.-lat. Synonyme S. Appendices:
    • II Nomina anatomica partium ossis femoris S.
    • III- Deklinationsschemata S.

Anatomische Nomenklatur und klinische Terminologie

Gründe für das Festhalten an gräko-lateinischen Termini:  Als tote Sprachen unterliegen die lateinischen und altgriechischen Begriffe keinem Bedeutungswan- del mehr  Beide Sprachen bieten die Möglichkeit zur Kompositalbildung: o arteri/o/venös o Hyster/o/salping/o/graphie (röntgenologische Darstellung der Gebärmutter und der Eileiter mit Hilfe eines Kontrastmittels) o Inter/costal/neur/alg/ie (von Nerven ausgehender Schmerzzustand im Zwischenrippenbereich)  Sprachökonomie durch Kürze  Präzision  Internationalität: Epilepsie (dt.) - epilepsy (engl.) epilepsie (frz.) - epilessia (ital.) − Tradition/Geschichte

Innerhalb der medizinischen Fachsprache gilt es zwischen anatomischer Nomenklatur und klinischer Termi- nologie zu unterscheiden:

Die anatomische Nomenklatur ist ein international verbindliches Bezeichnungssystem, die Terminologia anatomica , das weitgehend abgeschlossen und bestimmten Kriterien unterworfen ist. Seit der internationalen Vereinbarung von 1998 kann auch die englische Version der Nomenklatur verwendet werden. Die Wortele- mente stammen vorwiegend aus dem Lateinischen (dazu latinisierte griech. Begriffe). Für jede Struktur gibt es nur eine Bezeichnung! Eigennamebegriffe (Eponyme) gibt es offiziell nicht mehr (deshalb mussten zahl- reiche Termini umbenannt werden, z.B. die Tuba Eustachii in Tuba auditiva, die Tuba Fallopii in Tuba uteri- na).

Die klinische Terminologie ist dagegen lebendig und offen, da es eine stete Weiterentwicklung der Medizin und immer wieder neue Krankheitsphänomene (z. B. post-COVID-Syndrom) oder Therapien (z. B. Optune- Therapie) gibt. Die Termini der Krankheits- und Fächerbezeichnungen stammen aus dem Griechischen (z. B. Pneumonie, Nephritis, Apoplex, Hämatom – Anatomie, Nephrologie, Orthopädie, Psychiatrie etc.). In der Moderne wurde die medizinische Terminologie zunehmend durch westliche Sprachen – darunter Fran- zösisch – beeinflusst. Das Französische hat v.a. Begriffe aus der Therapie geprägt, wie z.B. Bandage, Dra- gee, Drainage, Kürettage, Lavage, Pinzette, Pipette oder Trokar (von trois quarts = dreikantiges Stechin- strument). In die heutige Fachsprache dringen immer mehr englische Termini ein, z. B. Bypass, Informed consent, Compliance, Rooming-in , es gibt zahlreiche Abkürzungen (AIDS, EEG, SARS-Cov-2), Eponyme (z. B. Alz- heimer-Krankheit, Morbus Crohn) und Synonyme (z. B. Mukoviszidose und Cystische Fibrose).

Kennzeichen Terminologia anatomica

Klinische Terminologie

Internationale Gültigkeit ja nein Herkunft der Wortelemente überwiegend Latein überwiegend Griechisch Begriffe aus modernen Sprachen keine viele Mehrfach-Benennungen keine viele Eigennamen-Begriffe (Eponyme) offiziell keine ,aber viele noch im Gebrauch

viele

Grammatikalische Grundbegriffe ─ Definitionen

Casus (Fall)

Im Deutschen gibt es 4, im Lateinischen 5 Fälle:  Nominativ = Nom. (1. Fall, Frage: Wer oder Was?)  Genitiv = Gen. (2. Fall, Frage: Wessen?)  Dativ (3. Fall, Frage: Wem?)  Akkusativ (4. Fall, Frage: Wen?)  Ablativ (5. Fall, Frage: Wodurch?)

In der medizinischen (anatomischen) Terminologie lassen sich mit Nominativ Singular und Plural bzw. Ge- nitiv Singular und Plural nahezu alle Sachverhalte beschreiben, deshalb werden im Kurs nur Nominativ und Genitiv behandelt.

Genus (Geschlecht)

Im Lateinischen (wie auch im Deutschen) gibt es drei gram- matische Genera:  masculinum = masc .= m. = männlich  femininum = fem. = f. = weiblich  neutrum = neutr. = n. = sächlich

Numerus (Zahlform)

Im Lateinischen gibt es (wie im Deutschen auch) zwei Numeri:  Singular = Sg. = Einzahl  Plural = Pl. = Mehrzahl

Genus, Casus und Numerus werden im Deutschen wesentlich durch den Artikel angezeigt:

Nominativ Singular Genitiv Singular Nominativ Plural Genitiv Plural der Muskel des Muskels die Muskel der Muskeln

Artikel existieren aber im Lateinischen nicht! Hier verändern sich die Wortausgänge bzw. „Endungen“ (siehe weiter unten).

Bei den Begriffen der medizinischen Terminologie handelt es sich in erster Linie um sog. Nominalphrasen , d. h. abgeschlossene syntaktische Einheiten, deren Kern ein Nomen (im Sinne von Substantiv) ist, welches durch Beifügungen (Adjektive, weitere Substantive) näher beschrieben wird.

Daher sind im Wesentlichen 2 Wortklassen relevant:

1. Substantiva (Singular: Substantivum) = Hauptworte, Dingworte, Sachworte Haben 1 spezifisches Genus (sind also entweder m., f. oder n.), haben versch. Casus und versch. Numeri. Bsp.: musculus, -i, m. (der Muskel); tibia, -ae, f. (das Schienbein); cavum, -i, n. (die Höhle) 2. Adjektiva (Singular: Adjektivum) = Beiworte, Eigenschaftsworte Können in allen 3 Genera vorkommen (je nach Bedarf des Substantives, dem sie beigeordnet werden), haben versch. Casus, versch. Numeri und versch. Komparations- (= Steigerungs-)stufen. Bsp.: longus m., longa f., longum n. (lang); longior, ior, -ius (der, die, das längere); longissimus, -issima, -issimum (der, die, das längste)

Weiterführende Literatur: F. Steger: Medizinische Terminologie. 5. Auflage. Göttingen 2019.

Bildungstypen anatomischer Begriffe (Nominalphrasen)

1 Adjektivattribut: Substantiv im Nom. Adjektiv im Nom. Musculus longissimus Musculus longissimus = der allerlängste Muskel

2. Genitivattribut: Substantiv und Adjektiv im Nom. Substantiv im Gen. Musculus longissimus dorsi dorsum, dorsi (n.) der Rücken Musculus longissimus dorsi = der allerlängste Muskel des Rückens 3. Apposition: (klärender Bei- od. Zusatz) Substantiv im Nom. Substantiv im Nom. Musculus flexor der Muskel der Beuger Das zweite Substantiv im gleichen Kasus dient der näheren Bezeichnung des ersten Substantivs: Musculus flexor = der Beugermuskel

Einführung in die Grundbegriffe der Deklinationen

Im Lateinischen gibt es im Bereich der Substantive (Hauptwörter) 5 Deklinationen, die a-, e-, „gemischt“ (i + konsonantisch), o- und u- genannt werden. In Lateinlehrbüchern werden die Deklinationen oft mit ihren traditionellen Nummern bezeichnet:

  1. oder a-Dekl.
  2. oder o-Dekl.
  3. oder „gemischte“ Deklination (sog. i-Stämme und kons. Stämme)
  4. oder u-Dekl.
  5. oder e-Dekl.

Alle Substantiva der lateinischen Sprache folgen einer dieser Deklinationen, die Adjektiva finden sich nur in der ersten bis dritten. In jeder Deklination werden die ihr zugehörigen Substantiva und Adjektiva nach einem bestimmten Endungsschema vermittels der Wortendungen, die dem Stock angeheftet werden, dekli- niert.

Hier noch eine nähere Erläuterung zu den Begriffen Wortstock und Wortstamm : Wortstöcke sind die (weitgehend) unveränderlichen "zentralen" Bestandteile der Worte, die, durch alle Mo- difikationen der Worte hindurch, es erlauben, den Gegenstand oder Sachverhalt, auf den sich das Wort be- zieht, zu erkennen. Die Stöcke der lateinischen Worte bleiben auch in allen Lehnübersetzungen und Eindeut- schungen erhalten. Den Wortstock erhält man, indem man vom Genitiv Singular die Endung (strenggenom- men Wortausgang) wegstreicht!

Bspl.: "vena" − die Vene, Gen. Sg.: „ven-ae“, Stock "ven-" , "venös" als dtsch. Lehnwort. „musculus“ – der Muskel, Gen. Sg.: „muscul-i“, Stock: „muscul“ , „muskulär“ als dtsch. Lehnwort.

An diese Wortstöcke hängt die lateinische Sprache veränderliche Wortausgänge an, die die Worte durch Ca- sus und Numerus hindurch beugen. Diese Teile der Worte werden im Folgenden als " (Wort-) Endungen " bezeichnet^1.

(^1) Die Gleichsetzung von " Wortendung " und " Wortausgang " ist im strikten grammatischen Sinne nicht ganz korrekt (→ Gramma-

tiklehrbücher) Das, was wir hier die Wortendung nennen, heißt in der strikten Grammatik der "Wortausgang". Der Begriff der

Den Wortstamm erkennt man im Genitiv Plural. Er setzt sich aus dem Wortstock und einem Buchstaben zusammen. Nach diesem Buchstaben (=Stammauslaut) sind die Deklinationen benannt. In der folgenden Tabelle sind anhand konkreter Beispiele aus der anatomischen Alltagssprache der Wort- stock im Genitiv Singular sowie der Wortstamm im Genitiv Plural erkennbar. Der Stammauslaut, nach dem die Deklination benannt ist, ist rot gekennzeichnet.

Nom. Sg. Gen. Sg. Gen. Pl. Name der Deklination arteria (f.) arteri-ae arteria-rum 1. oder a-Deklination musculus (m.) ligamentum (n.)

muscul-i ligament-i

musculo-rum ligamento-rum

  1. oder o-Deklination

pons (m., die Brücke) bilis (f., die Galle) rete (n., das Netz)

pont-is bilis ret-is

ponti-um bilium reti-um

  1. Deklination, i- Deklination

flexor (m.) articulatio (f.) corpus (n.)

flexor-is articulation-is corpor-is

flexor-um articulation-um corpor-um

  1. Deklination, konso- nantische Deklination

manus (f., die Hand) cornu (n., das Horn) meatus (m., der Gang)

man-ūs corn-ūs meat-ūs

manu-um cornu-um meatu-um

  1. oder u-Deklination

facies (f. das Gesicht) faci-ëi facie-rum 5. oder e-Deklination

Die Zuordnung der Adjektiva zu ihrer jeweiligen (1.-3.) Dekl. erfolgt in der grammatischen (Lern-)Praxis über die Wortendungen ihres Nominativ Singulars (detailliertere Angaben weiter unten im Skriptum):

Nom. Sg.

Adjektiva (sog. "1. Gruppe") der Endungen

  • us, - a, - um oder - er, - a, - um für (m.), (f.), (n.), also z.B.: longus, longa, longum (langer/e/s) niger, nigra, nigrum (schwarzer/e/s)

die - a (f.) Endung folgt der 1. (a-) Deklination

die - er, - us, - um (m./n.) Endungen folgen der 2. (o-) Deklination

Adjektiva (stets Komparative!) auf

  • ior (m.) - ior (f.), - ius (n.) oder
  • or, - or, - us, also z.B. minor, minor, minus (kleinerer/e/s) maior, maior, maius (grösser/e/s) anterior, anterior, anterius (vorderer/e/s)

 3. Deklination, konsonantische Deklination

alle anderen Adjektiva (sog, "2. Gruppe") also z.B.: brevis, brevis, breve (kurzer/e/s) simplex, simplex, simplex (einfacher/e/s) dorsalis, dorsalis, dorsale (rückseitiger/e/s) perforans, perforans, perforans (durchbohrender/e/s)

 3. Deklination, i-Deklination

Schemata der einzelnen Deklinationen finden Sie ganz am Ende dieses Skriptums im Appendix III

"Endung", hat sich aber im allgemeinen Sprachgebrauch bei der Lehre der lateinischen Sprache eingebürgert, weswegen wir ihn hier auch verwenden.

3. Kombination aus den beiden Kongruenzregeln

verbundene Substantiva und Adjektiva

Sg. Pl.

musculus, - i (m.) o-Deklination pronator, - is (m.) der Ein- wärtsdreher konsonantische-Deklination quadratus (m.), quadrata (f.), quadratum (n.) quadratischer/e/s o-Deklination (also der "quadratische Ein- wärtsdreher-Muskel")

Nom. Musculus pronator quadratus Musculi pronatores quadrati

Gen. Musculi pronatoris quadrati Musculorum pronatorum quadratorum

Die a- und o- Deklination

Die a-Deklination

Die medizinisch relevanten Wörter sind Feminina (f.)

Nom. Sg.: arteri a Nom. Pl.: arteri ae

Gen. Sg.: arteri ae Gen. Pl.: arteri arum – Arterie Weitere Beispiele: vertebr a , vertebr ae // vertebr ae , vertebr arum f. – Wirbel cost a , - ae f. – Rippe; ven a , - ae f. – Vene

Die o-Deklination

Eine Untergruppe enthält Masculina (m.)

Nom. Sg.: muscul us Nom. Pl.: muscul i

Gen. Sg.: muscul i Gen. Pl.: muscul orum – Muskel

Weitere Beispiele: nas us , nas i // nas i , nas orum m. – Nase

nerv us , - i m. – Nerv; digit us , - i m. – Finger

Eine Untergruppe enthält Neutra (n.)

Nom. Sg.: dors um Nom. Pl.: dors a

Gen. Sg.: dors i Gen. Pl.: dors orum – Rücken

Weitere: Beispiele: ligament um , ligament i // ligament a , ligament orum n. – Band

atri um , - i n. – Vorhof; cav um , - i n. – Höhle

Eine weitere Untergruppe der o-Dekl. Neutrum enthält ursprünglich griechische Wörter mit Nom. Sg. - on : gangli on , gangli i // gangli a , gangli orum n. – Knoten

ACHTUNG WICHTIGE MERKREGEL:

Alle Neutra ALLER Deklinationen (Substantive und Adjektive) enden im Nomi-

nativ Plural IMMER (ohne Ausnahme!!) auf -a

Übungsbogen

a-/o-Dekl.

1. Deklinieren Sie arteria:

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

2. Deklinieren Sie pylorus:

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

3. Deklinieren Sie atrium:

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

**4. Bestimmen Sie Fall, Zahl und Geschlecht von lineae?

  1. Deklinieren Sie das Adjektiv magnus, magna, magnum:**

Masculinum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

Femininum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

Neutrum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

6. Deklinieren Sie das Adjektiv sinister, sinistra, sinistrum:

Masculinum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

Femininum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

Neutrum: Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

Die u-Deklination

Maskulina der u-Deklination enden im Nominativ Singular auf - us. Eine Unterscheidung zu den Substanti- ven der o-Deklination auf -us ist im Nominativ Singular nicht möglich. Neutra der u-Deklination enden im Nominativ Singular auf - u.

Aussprache: die Endung im Genitiv Singular und im Nominativ Plural wird lang gesprochen (Langer Vokal: ū; kurzer Vokal: ŭ. Diese diakritischen Zeichen dienen als Aussprachehilfe und müssen nicht mitgeschrieben werden!).

u-Deklination

Masculinum Neutrum

Nom. Sg. sin us gen u

Gen. Sg. sin ūs gen ūs

Nom. Pl. sin ūs gen ŭa

Gen. Pl. sin ŭum gen ŭum

sinus, -ūs m. 1. Lufthaltiger Raum (v.a. im Schädelknochen)

  1. Erweiterung, Ausbuchtung (v.a. bei Blut- und Lymphgefäßen)

Ausnahme u-Dekl. neutrum : genu, gen ū s n. Knie

cornu, corn ū s n. Horn

(Adjektive müssen also in der Neutrum-Form hinzugesetzt werden:

das auswärtsgebogene Knie = Genu varum; das rechte Horn = Cornu dextrum)

Ausnahme u-Dekl. femininum : manus, man ūs Hand

(Wird wie Maskulina der u-Dekl. dekliniert, ein zugehöriges Adjektiv muss jedoch in der Feminin-Form bei-

gefügt werden: die rechte Hand = Man us dextr a )

Die e-Deklination

Für die medizinische Terminologie relevant sind aus dieser Deklination folgende Feminina:

facies, - ëi f. Gesicht, Fläche superficies, -ëi f. Oberfläche caries, -ëi f. Knochenfraß

e-Deklination

Nom. Sg. superfici es Nom. Pl. superfici es

Gen. Sg. superfici ëi Gen. Pl. superfici erum

(Adjektive müssen also in der Feminin-Form beigefügt werden:

das hippokratische Gesicht = Facies hippocratica )

Übungsbogen

u-/e-Dekl.

1. Deklinieren Sie superficies:

Nom. Sg Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

2. Deklinieren Sie ductus:

Nom. Sg Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

3. Deklinieren Sie genu:

Nom. Sg Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

**4. Bestimmen Sie Fall, Zahl und Geschlecht von manus:

  1. Deklinieren Sie Meatus acusticus:**

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

6. Deklinieren Sie Caries nigra ( "schwarze Zahnfäule" ):

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

**7. Welches Präfix steckt in dem Wort perinatal und was bedeutet es?

  1. Was bedeutet das: Die Infusion läuft „para“?**

Die "dritte“ Deklination (i- und konsonantisch)

Unter diesem Begriff werden Substantive mit verschiedenen Wortstämmen vereint (i-Stämme, konsonanti- sche Stämme und sog. „gemischte“ Wortgruppen). Der Einfachheit halber und für die Belange der medizini- schen Terminologie völlig ausreichend werden im Kurs (nicht ganz korrekt) alle zu behandelnden Substanti- ve entweder der i - oder der konsonantischen Dekl. zugeordnet. Dabei ist für diese Zwecke der Genitiv Plu- ral ausschlaggebend. Endet dieser auf -ium , so wird das Wort zur i-Dekl. gezählt.

[Reine i-Stämme (febris, febris, Akk. febr im // febres, febr ium , f. - das Fieber) sind in der Medizin selten. Konsonantische Stämme kommen oft vor (flexor, flexoris, // flexores, flexo rum , m. – der Beuger). „Misch- formen“ (dens, dentis, Akk. dent em // dentes, dent ium – der Zahn) kommen relativ oft vor und werden ver- einfacht zum i-Dekl.-Schema gerechnet]

Beide Dekl. (i- und kons.) sind weniger gut „lernbar“ als die anderen Dekl.:

 in beiden Dekl. gibt es Wörter aller 3 Geschlechter  im Nom. Sg. gibt es keine einheitliche Endung! Immer aber gilt:  der Gen. Sg. endet auf: -is  der Nom. Pl. endet auf: - es (mask. u. fem.); die Neutra enden auf: -(i)a

Kennzeichen der i-Dekl. :

Substantive, die im Nom. Sg. auf -is enden und deren Silbenzahl im Nom. und Gen. Sg. gleich ist , haben im Gen. Pl. die Endung - ium. z.B. bilis, bilis // biles, bil ium f. – Galle axis, axis // axes, ax ium m. – Achse

Substantive, die im Nom. und Gen. Sg. eine unterschiedliche Silbenzahl haben und deren Wort stock auf zwei Konsonanten endet, haben im Gen. Pl. die Endung - ium. z.B. pons, po nt is // pontes, pont ium m. – Brücke pars, pa rt is // partes, part ium f. – Teil

Neutra, die im Nom. Sg. auf die Endungen -e, -al, -ar enden, haben im Gen. Pl. die Endung - ium und im Nom. Pl. die Endung - ia. z. B. ret e , retis // ret ia , ret ium n. – Netz anim al , animalis // animal ia , animal ium n. – Tier calc ar , calcaris // calcar ia , calcar ium n. – Sporn

Kennzeichen der kons. Dekl. :

Substantive, deren Wortstamm auf einen Konsonanten endet, haben im Gen. Pl. die Endung - um. z.B. flexor, flexo r is // flexores, flexor um m. – Beuger iris, iri d is // irides, irid um f. – Regenbogenhaut ( ungleiche Silbenzahl in Nom. u. Gen Sg. ) cervix, cervi c is // cervices, cervic um f. – Hals, Nacken

Neutra , die im Nom. Sg. auf die Endungen -us, -men, -ma enden, haben im Gen. Pl. die Endung - um und im Nom. Pl. die Endung -a. z.B. corp us , corpo r is // corpor a , corpor um n. – Körper abdo men , abdomi n is // abdomin a , abdomin um n. – Bauch stom a , stoma t is // stomat a , stomat um n. – Mund

Übungsbogen

i-Deklination

1. Deklinieren Sie axis (masc.):

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

2. Deklinieren Sie auris (fem.):

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

3. Deklinieren Sie calcar (n.):

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

**4. Bestimmen Sie Fall, Zahl und Geschlecht von Dentium molarium (molaris,-is, -e: zur Mühle gehörig und übersetzen Sie es)

  1. Bestimmen Sie Fall, Zahl und Geschlecht von Retia arteriosa (und übersetzen Sie es)
  2. Deklinieren Sie "die breite Stirn" (frons = die Stirne, latus, -a, -um: breit):**

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

7. Deklinieren Sie „das schwarze Tier“ (animal = Tier; niger, nigra, nigrum=schwarz)

Nom. Sg. Nom. Pl. Gen. Sg. Gen. Pl.

8. Was ist eine Arthritis? Was ist eine Arthrose? (arthron = griech. Gelenk)

Vokabelbogen

konsonantische Deklination

Wichtige Substantive, die nach der konsonantischen Deklination dekliniert werden. Der Wortstock wird stets nur im Genitiv des Singulars erkannt (ist hier jeweils mit aufgeführt), dieser muss daher mitgelernt werden. Bitte erinnern  die (sehr häufigen) Neutra bilden den Nom. Pl. auf -a. Also z.B.: abdomen, abdominis - ab- domin a

Masculina Feminina Neutra abductor, abductoris Wegführer^ articulatio, articulationis Gelenk^ abdomen, abdominis Bauch adductor, adductoris Heranführer^ extensio, extensionis Streckung^ foramen, foraminis Loch flexor, flexoris Beuger^ flexio, flexionis Beugung levator, levatoris Heber^ regio, regionis Gegend^ corpus, corporis Körper pronator, pronatoris Einwärtsdreher^ pectus, pectoris Brustkorb supinator, supinatoris Auswärtsdreher^ cartilago, cartilaginis Knorpel^ tempus, temporis Zeit

tendo, tendinis Sehne^ carotis, carotidis Halsschlagader^ latus, lateris Seite margo, marginis Rand^ glottis, glottidis Stimmapparat^ ulcus, ulceris Geschwür iris, iridis Regenbogenhaut pulmo, pulmonis Lunge^ derma, dermatis Haut appendix, appendicis Anhängsel^ stoma, stomatis Mund lien, lienis Milz^ cervix, cervicis Hals, Nacken^ chiasma, chiasmatis Kreuzung ren, renis Niere^ helix, helicis Windung splen, splenis Milz^ radix, radicis Wurzel^ caput, capitis Kopf, Haupt crus, cruris Schenkel thorax, throracis Brustkorb^ adipositas, adipositatis Fettsucht^ femur, femoris Oberschenkel tuberositas, tuberositatis rauhe Erhaben- heit apex, apicis Spitze^ tuber, tuberis Höcker cortex, corticis Rinde index, indicis Zeigefinger

sphincter, spincteris Schließmuskel ureter, ureteris Harnleiter trochanter, trochanteris Rollhügel

larynx, laryngis Kehlkopf pharynx, pharyngis Rachen

Die folgenden Neutra "springen" zwischen der i-Dekl., der kons. Dekl. und der o-Dekl. hin und her:

Nom.Sg. Gen.Sg. Nom.Pl. Gen.Pl.

os oris ora orum Mund

os ossis ossa ossum (oft aber auch: ossium) Knochen

cor cordis corda cordum (oft aber auch: cordium) Herz

vas vasis vasa vasorum Gefäß