Das Eisberg-Modell, Mitschriften von Analyse

beeinflussen die Definition herausfordernden. Verhaltens! Verhalten ist beobachtbar: → was jemand tut. → Häufigkeit. → Dauer. → Auswirkungen. 28 ...

Art: Mitschriften

2021/2022

Hochgeladen am 27.06.2022

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1. Die Basis: Das Eisberg-Modell
1.1 Das Eisberg-Modell als Bezugsrahmen für die Analyse herausfordern-
den Verhaltens
Verhalten ist nie grundlos oder sinnlos. Eine Reaktion mag „ohne  erkennbare 
Ursache“ erfolgen, jedoch wird es immer einen Grund dafür geben, warum sich 
jemand in der entsprechenden Weise verhält. Oftmals kennen wir diesen Grund 
nicht oder wir  bemerken nicht, was die Reaktion ausgelöst hat. Aber nur, weil 
wir etwas nicht sehen, bedeutet das nicht, dass es nicht da ist. Und nur, weil wir 
den Sinn nicht  erkennen und keinen Nutzen darin sehen, heißt das  nicht, dass 
das Verhalten unsinnig ist. 
Das Verhalten von Menschen mit einer autistischen Wahrnehmung ist für neu-
rotypische Personen oft rätselhaft und nicht nachvollziehbar. (Dies gilt im Üb-
rigen auch  umgekehrt!).  Bezugspersonen von Menschen  mit einer Autismus-
Spektrum-Störung (ASS) sind oft mit unverständlichen und missverständlichen 
Reaktionen konfrontiert, die nicht selten das  Zusammenleben beeinträchtigen, 
bedrohlich wirken oder gar gefährlich sind. Es entsteht der berechtigte Wunsch, 
diese herausfordernden Verhaltensweisen dahingehend zu verändern, dass ein 
für alle Beteiligten angenehmeres und sicheres Zusammenleben möglich wird.
Um das Verhalten eines anderen Menschen nachhaltig zu beeinflussen, müssen 
wir es zunächst verstehen. Das  heißt, wir müssen versuchen dessen Funktion
zu erkennen. Dann erst können wir  Möglichkeiten eröffnen, wie die Person auf 
andere – angemessene – Weise ihr Ziel erreichen kann. Und zugleich können wir 
nach Wegen suchen, wie sich die auslösenden schwierigen Situationen vermei-
den oder zumindest reduzieren lassen. 
Dieser Gedankengang  ist grundlegend  für ein Handeln, das sich  am TEACCH®
Ansatz orientiert. Bildlich gefasst findet er Ausdruck in der Metapher des  Eis-
bergs: Direkt sichtbar ist nur die Spitze des Eisbergs, das beobachtbare Verhal-
ten einer Person. Unter der Wasseroberfläche verborgen liegt der größte Teil des 
Eisbergs: neben  den individuellen sind  dies  insbesondere die  behinderungs-
spezifischen Ursachen, die zum Verhalten führen. In der  Begleitung und Förde-
rung von Menschen mit ASS ist es dann unsere Aufgabe, in die Tiefe zu tauchen 
und Ursachenforschung zu  betreiben. Die Erkenntnisse unseres „Tauchgangs“ 
können uns  somit helfen,  individuell angepasste  und effektive Strategien zur 
Vorbeugung wie auch geeignete  Reaktionsweisen zum  Umgang mit akut  her-
ausforderndem Verhalten zu  entwickeln. Langfristige  Maßnahmen beinhalten 
zudem die gezielte  Förderung einzelner Kompetenzen, die behinderungsspezi-
fisch noch zu stark beeinträchtigt sind und dadurch problematisches Verhalten 
bedingen. Auch  hier hilft  uns das  Wissen darüber, was unterhalb der Wasser-
oberfläche liegt.
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1. Die Basis: Das Eisberg-Modell

1.1 Das Eisberg-Modell als Bezugsrahmen für die Analyse herausfordern- den Verhaltens

Verhalten ist nie grundlos oder sinnlos. Eine Reaktion mag „ohne erkennbare Ursache“ erfolgen, jedoch wird es immer einen Grund dafür geben, warum sich jemand in der entsprechenden Weise verhält. Oftmals kennen wir diesen Grund nicht oder wir bemerken nicht, was die Reaktion ausgelöst hat. Aber nur, weil wir etwas nicht sehen, bedeutet das nicht, dass es nicht da ist. Und nur, weil wir den Sinn nicht erkennen und keinen Nutzen darin sehen, heißt das nicht, dass das Verhalten unsinnig ist. Das Verhalten von Menschen mit einer autistischen Wahrnehmung ist für neu- rotypische Personen oft rätselhaft und nicht nachvollziehbar. (Dies gilt im Üb- rigen auch umgekehrt!). Bezugspersonen von Menschen mit einer Autismus- Spektrum-Störung (ASS) sind oft mit unverständlichen und missverständlichen Reaktionen konfrontiert, die nicht selten das Zusammenleben beeinträchtigen, bedrohlich wirken oder gar gefährlich sind. Es entsteht der berechtigte Wunsch, diese herausfordernden Verhaltensweisen dahingehend zu verändern, dass ein für alle Beteiligten angenehmeres und sicheres Zusammenleben möglich wird.

Um das Verhalten eines anderen Menschen nachhaltig zu beeinflussen, müssen wir es zunächst verstehen. Das heißt, wir müssen versuchen dessen Funktion zu erkennen. Dann erst können wir Möglichkeiten eröffnen, wie die Person auf andere – angemessene – Weise ihr Ziel erreichen kann. Und zugleich können wir nach Wegen suchen, wie sich die auslösenden schwierigen Situationen vermei- den oder zumindest reduzieren lassen. Dieser Gedankengang ist grundlegend für ein Handeln, das sich am TEACCH ® Ansatz orientiert. Bildlich gefasst findet er Ausdruck in der Metapher des Eis- bergs : Direkt sichtbar ist nur die Spitze des Eisbergs, das beobachtbare Verhal- ten einer Person. Unter der Wasseroberfläche verborgen liegt der größte Teil des Eisbergs: neben den individuellen sind dies insbesondere die behinderungs- spezifischen Ursachen, die zum Verhalten führen. In der Begleitung und Förde- rung von Menschen mit ASS ist es dann unsere Aufgabe, in die Tiefe zu tauchen und Ursachenforschung zu betreiben. Die Erkenntnisse unseres „Tauchgangs“ können uns somit helfen, individuell angepasste und effektive Strategien zur Vorbeugung wie auch geeignete Reaktionsweisen zum Umgang mit akut her- ausforderndem Verhalten zu entwickeln. Langfristige Maßnahmen beinhalten zudem die gezielte Förderung einzelner Kompetenzen, die behinderungsspezi- fisch noch zu stark beeinträchtigt sind und dadurch problematisches Verhalten bedingen. Auch hier hilft uns das Wissen darüber, was unterhalb der Wasser- oberfläche liegt.

1.2 Das 5-Phasen-Modell zum individuellen Umgang mit herausfordern- dem Verhalten

Abb. 1.1: 5-Phasen Modell Gesamt

Unser Vorgehen zum individuellen Umgang mit herausforderndem Verhalten haben wir in fünf Phasen gegliedert. In jeder Phase befassen wir uns mit einer bestimmten Fragestellung und legen so nacheinander den Fokus auf unter- schiedliche Aspekte, die eine Rolle spielen, wenn wir das Verhalten verstehen und die Situation verändern wollen. Die Themen der einzelnen Phasen lassen sich anhand der Eisberg-Metapher gut veranschaulichen (Abb. 1.1). Inhaltlich bildet der Eisberg somit einen Bezugsrahmen für die Analyse herausfordernden Verhaltens. Indem wir die Phasen durchlaufen, entsteht zugleich ein roter Faden für den Prozess der Dokumentation und Interventionsplanung. Der Prozess zum Umgang mit herausforderndem Verhalten beginnt beim Auftre- ten einer massiven Krise (oder einer Anhäufung kleinerer Krisen). Er führt dann über die konkrete Interventionsplanung bis hin zur Überprüfung der Qualität und Wirksamkeit dieser Interventionen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Verhalten gliedert sich in folgende fünf Phasen: In der ersten Phase geht es darum, das konkrete, beobachtbare Verhalten im Zusammenhang mit seinen objektiven Begleitumständen zu erfassen. Wir be- schäftigen uns hier mit der Spitze des Eisbergs und versuchen zunächst einmal,

Phase I Eisberg voraus! Kritisches Verhalten erkennen und benennen

Das 5-Phasen-Modell zum

individuellen Umgang mit herausforderndem Verhalten

Phase III Das Fundament des Eisbergs: Versteckte Ursachen des Verhaltens ergründen

Phase V Sicherer navigieren: Maßnahmen umsetzen und überprüfen

Phase IV Kurs anpassen: Präventive Maßnahmen planen

Phase II Das Ruder herumreißen: Spannungsregulation unterstützen

Das Vorgehen, das durch die fünf Phasen strukturiert wird, lässt sich auf alle kritischen Verhaltensweisen anwenden. Es bildet einen allgemeinen Leitfa- den zur Verhaltensanalyse und Interventionsplanung. Die im Rahmen unseres 5-Phasen-Modells vorgestellten Instrumente dienen der systematischen und intensiven Auseinandersetzung mit den Fragen der unterschiedlichen Phasen. Die Anwendung des Instrumentariums setzt voraus, dass alle Beteiligten dazu bereit sind und zudem die zeitlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Sie sollte daher nur erfolgen, wenn dies im gemeinsamen Gespräch aller Beteiligten bewusst so entschieden wird. Daher ist der Anwendung des 5-Pha- sen-Modells ein „ Gespräch zur auslösenden Krisensituation “ vorgeschaltet. In diesem wird geklärt, ob nach Sichtung der vorhandenen Informationen bereits erste Lösungsansätze erkennbar sind und sich spontan Ideen für Interventio- nen entwickeln lassen. Ist dies der Fall, kann man diesen zunächst nachgehen. Bleibt die problematische Situation bestehen, ist eine intensivere Auseinan- dersetzung wahrscheinlich unumgänglich. Dafür stehen dann die Werkzeuge des 5-Phasen-Modells zur Verfügung. Je nach individueller Fragestellung oder Entwicklung eines Einzelfalls, ist es nicht immer notwendig, alle Werkzeuge des 5-Phasen-Modells anzuwenden. Hinweise zur Nutzung der einzelnen Elementen finden sich an der jeweiligen Stelle im Buch.

Wird die Entscheidung getroffen, das Instrumentarium des 5-Phasen-Modells anzuwenden, sollte zuvor sichergestellt sein, dass alle Beteiligten ein funktio- nierendes Team bilden und miteinander konstruktiv an demselben Strang zie- hen wollen und können. Ist die Teamdynamik durch verschiedene Konflikte be- einträchtigt, hat dies natürlich auch Auswirkungen auf die qualitative Arbeit mit dem 5-Phasen-Modell, zumal das inhaltliche Vorgehen sehr anspruchsvoll ist. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, auch bei dringendem Handlungsbedarf auf- grund massiver Krisen in der Betreuung des Menschen mit ASS, zuerst Konflikte in der Teamdynamik zu bearbeiten. Es hat sich gezeigt, dass ansonsten die Dis- kussionen in den unterschiedlichen Phasen nicht sachlich und themenbezogen geführt und Vereinbarungen nicht zuverlässig umgesetzt werden.

Der inhaltliche Aufbau und zeitliche Ablauf des 5-Phasen-Modells lässt sich am folgenden Schema leicht nachvollziehen. Zu beachten ist, dass die ersten vier Phasen die Diskussion innerhalb derselben Krisenkonferenz strukturieren. Das heißt, die intensive Auseinandersetzung mit der akuten Situation, den aktuellen Verhaltensmöglichkeiten der betreffenden Person und mit möglichen Interventi- onen findet zeitnah innerhalb von ein oder zwei Krisensitzungen statt, bevor die beschlossenen Maßnahmen in der fünften Phase dann umgesetzt und erprobt werden.

Abb. 1.3: Übersicht zum Vorgehen mit dem 5-Phasen-Modell

In Kapitel 8 (Seite 131) findet sich anhand eines konkreten Fallbeispiels eine differenzierte Gesamtübersicht in Verbindung mit den jeweils anzuwendenden Instrumenten, die wir in den folgenden Kapiteln vorstellen. Gegebenenfalls ist es hilfreich, beim Lesen auf die Gesamtübersicht zurückzugreifen, um die ein- zelnen Aspekte und Schritte im Verlauf des Prozesses leichter einordnen zu kön- nen. Diese findet sich im Anhang auf Seite 160.

Vorgehen innerhalb des 5-Phasen-Modells zum individuellen Umgang mit herausforderndem Verhalten

Krise

Gespräch zur auslösenden Krisensituation  5-Phasen-Modell anwenden?

Krisenkonferenz zur Verhaltensanalyse und Interventionsplanung (ein bis zwei Sitzungen)

Umsetzung und Dokumentation der Maßnahmen

Evaluationsgespräch

Informelle Beobachtung von Verhaltensweisen, die als problematisch erlebt werden

Entscheidung über weiteres Vorgehen

Bearbeitung der Fragestellungen Phasen I – IV

Einsatz des Dokumentationssystems zur systematischen Beobachtung (Phase V)

Datenanalyse und ggf. Anpassung der Maßnahmen (Phase V)

Wenn ja:

2. Startpunkt „Krise“

Krisensituationen gehören oftmals zum Alltag des Zusammenlebens mit Men- schen, die eine autistische Wahrnehmung haben. Für viele kritische Situationen haben die Eltern, begleitenden Pädagogen oder Therapeuten im Laufe der Zeit Wege gefunden, um mit dem Verhalten des Kindes oder Erwachsenen umzuge- hen. Nicht jeder Vorfall herausfordernden Verhaltens erfordert die Einberufung eines Gesprächs mit allen Bezugspersonen. Kommt es aber zu massiven (neu- en) Schwierigkeiten oder zu einer bedeutsamen Anhäufung kleinerer Krisen, bei denen die üblichen Umgangsweisen nicht oder nicht mehr greifen, sucht man natürlich nach Hilfe. Dies ist der Zeitpunkt, um sich mit allen Beteiligten zusam- menzusetzen und gemeinsam nach Wegen aus der Krise zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt kann die Checkliste „Krisensituation & Gespräch zur aus- lösenden Situation“ herangezogen werden (s. Abb. 2.1, S. 24).

Als Vorbereitung auf ein solches Gespräch ist es sinnvoll, die (Krisen-)Situati- on, deretwegen man zusammenkommt, möglichst gut zu protokollieren, denn der professionelle beziehungsweise pädagogisch reflektierte Umgang mit he- rausforderndem Verhalten beginnt nicht mit der Anwendung gezielter Strategi- en. Vielmehr müssen wir zuerst versuchen, möglichst viele Aspekte, die in der Situation eine Rolle spielen können, so differenziert wie möglich zu erfassen. Dieses kann formlos geschehen, indem der Ablauf der Situation aus dem Ge- dächtnis als Fließtext aufgeschrieben wird. Wer möchte, kann auch das Formular 0.1 „Erstdokumentation der Krisensituation“ als Leitfaden nutzen; dieses steht im Download zur Verfügung. Je mehr Details festgehalten sind, desto besser. Schätzungen zum zeitlichen Ablauf und zur Dauer bestimmter Verhaltensweisen sind besonders hilfreich. Auch wenn dies keine genauen Angaben sein können und sie subjektiv gefärbt sind, können sie dennoch einen Beitrag dazu leisten, die Situation möglichst genau zu erfassen. Gegebenenfalls bietet es sich auch an, die Informationen in das „Beobachtungs- raster zur Dokumentation einer Krise“ zu übertragen. Die Aufschlüsselung der Tabelle hilft dabei, die Informationen zu unterschiedlichen Aspekten der Situa- tion und des Ablaufs systematisch zu erfassen. Die Eintragungen erfolgen chro- nologisch untereinander. Nicht immer lassen sich alle Spalten ausfüllen; wurde nichts Relevantes beobachtet, kann man dies durch einen Strich kennzeichnen; fehlen Informationen, trägt man ein Fragezeichen ein. Gerade fehlende Informa- tionen und Lücken können wichtige Hinweise darauf geben, was man möglicher- weise noch berücksichtigen sollte.

Die Erstdokumentation (in welcher Form auch immer) sollte beim Gespräch zur auslösenden Krisensituation vorliegen; sie bildet den Startpunkt für die wei- teren Diskussionen und Ausarbeitungen. Die Qualität dieser Dokumentation sowie der Nutzen, der daraus gezogen werden kann, steht und fällt damit, wie konkret eine Situation und ein Verhalten beschrieben wurden.

Abb 2.1: Checkliste „Krisensituation & Gespräch zur auslösenden Krisensituation“

Name: Nummer der Krise: Bearbeitet von: Datum:

Checkliste

Krisensituation & Gespräch zur auslösenden Situation Bitte bearbeiten Sie die folgenden Schritte:  Protokollieren Sie in Form einer ersten Dokumentation die (Krisen-)Situation. Halten Sie so viele Details wie möglich fest, schätzen Sie rückblickend den zeitlichen Ablauf und die Dauer bestimmter Verhaltensweisen.

 Setzen Sie sich mit allen Beteiligten zu einem Gespräch zusammen. Die Erstdokumentation liegt vor.   Diskutieren Sie auf der Grundlage des Dokumentation folgende Fragen:  Fallen Ihnen direkt mögliche Zusammenhänge auf, die das Verhalten erklären können?  Haben Sie Ideen, wie Sie mit dem Verhalten umgehen können, wenn es wieder auftritt?

NEIN  JA 

 Vereinbaren Sie einen Termin für eine Krisenkonferenz, in der Sie sich mit den Phasen I bis IV auseinandersetzen.  Die Krisenkonferenz ist am ____________________________.  Folgen Sie bei diesem Gespräch der Checkliste: „Krisenkonferenz“

 Hinterlegen Sie diese Dokumentation an dem dafür vorgesehenen Ort.  Setzen Sie Ihre Ideen um.  Beobachten Sie die Person, die das herausfordernde Verhalten gezeigt hat weiterhin und dokumentieren Sie jede weitere Krisensituation in der gleichen Weise.  Entscheiden Sie gemeinsam nach jeder Krisensituation neu, ob eine intensivere und systematische Auseinandersetzung mit dem Verhalten erforderlich ist.  Greifen Sie in diesem Fall auf die bereits existierenden Dokumentationen zurück.

3. Phase I – Eisberg voraus! Kritisches Verhalten erkennen

und benennen

Abb. 3.1: 5-Phasen-Modell, Fokus Phase I

Ausgangspunkt für eine Krisenkonferenz ist stets ein konkretes „problemati- sches“ Verhalten einer Person, das in einer Krise gegipfelt hat oder wiederholt zu Krisen führt. Meist wünschen sich die Bezugspersonen eine Veränderung dieses Verhaltens, da sie die Situation als zu belastend empfinden, um sie (wei- terhin) zu ertragen. Oft gilt dies aber auch für die betroffenen Personen selbst, wenn sie einen Wunsch nach Veränderung mitteilen können.

Zu herausforderndem Verhalten zählen typischerweise Verhaltensweisen, die

  • zu physischen oder psychischen Verletzungen führen (der eigenen Person oder Anderer),
  • zu Beschädigung oder Zerstörung von Gegenständen führen,
  • das Lernen und die weitere Entwicklung beeinträchtigen oder
  • den Betreffenden sozial isolieren.

Ob ein Verhalten eine Herausforderung für die Umwelt darstellt und somit zum Problem wird, hängt jedoch von vielfältigen Faktoren ab. Es kommt immer auf den Kontext an, in dem ein Verhalten gezeigt wird. Im Grunde gibt es kein her-

Phase I Eisberg voraus! Kritisches Verhalten erkennen und benennen

Das 5-Phasen-Modell zum

individuellen Umgang mit herausforderndem Verhalten

von herausforderndem Verhalten bestehen oft darin, Dinge zu kontrollieren oder zu zerstören, Personen zu ängstigen, ihre Würde zu beeinträchtigen oder sie gar zu verletzen. Eine sachliche Beschreibung solchen Verhaltens, mit dem wir uns auseinandersetzen wollen, erfordert Verzicht auf subjektive Bewertungen und (vorschnelle) Interpretationen. An dieser Stelle (Phase 1) gilt es, noch keinerlei Hypothesen darüber zu bilden, warum die Person sich wohl so verhalten haben könnte. Auch wenn man es so empfindet, ist es zudem nicht hilfreich, von „pro- vozierendem“, „oppositionellem“, „Aufmerksamkeit heischendem“ oder „ag- gressivem“ Verhalten zu sprechen. Die Unterstellung einer bestimmten Absicht und die damit verbundene persönliche Betroffenheit stehen einer sachlichen Analyse im Weg. Hilfreicher ist es daher, beschreibende Begriffe wie „selbstver- letzend“ oder „fremdverletzend“ und gegebenenfalls „provokant wirkend“ zu verwenden.

Damit alle am Prozess beteiligten Bezugspersonen über dasselbe „Problem“ sprechen und am gleichen Thema arbeiten, ist es unerlässlich, das „problema- tische Verhalten“ zunächst einmal so konkret wie möglich zu definieren. Allge- meine Formulierungen wie „Peter ist aggressiv“ oder „Lena provoziert“ helfen hier nicht weiter. Zum einen stecken bereits Interpretationen in diesen Sammel- begriffen, zum anderen umfassen sie viel zu viele einzelne Verhaltensweisen, so dass eine differenzierte Betrachtung nicht möglich ist. Hilfreicher sind beschrei- bende Antworten auf die Frage, was die betreffende Person ganz konkret tut: „Peter schlägt eine andere Person“ oder „Lena stellt sich vor einen Betreuer und zerreißt ihre Kleider“. Als Ergebnis der Diskussion sollte schriftlich fixiert wer- den, welche konkreten Verhaltensweisen Gegenstand der weiteren Bearbeitung sein sollen. Anders ausgedrückt: Es wird exakt formuliert, was in der Spitze des Eisbergs steht!

3.1 Wo beginnt die Krise? – Spannungserleben sichtbar machen

In den Krisenkonferenzen geht es häufig um massiv selbst- oder fremdschädi- gendes Verhalten, da dies eine enorme Belastung für alle Beteiligten ist. Nun tritt ein solches Verhalten nicht aus dem Nichts auf. Es steht meistens in Zusam- menhang mit einem erhöhten Erregungs- und Anspannungsniveau. Auch wenn die Person blitzschnell „von Null auf Hundert“ ist, gibt es doch eine Zeitspanne, die dem Verhaltens- ausbruch vorausgeht und in der die innere Spannung ansteigt. Durch genaue Beobach- tung lassen sich in der Regel Warnzeichen identifizieren, die einer „Explosion“ vorangehen und an denen man die Zunahme der inneren Spannung ablesen kann. Häufig fehlt uns jedoch die Sensibilität, die ersten Anzeichen steigender Anspannung zu erkennen, zumal solche Warnzeichen sehr individuell sind. Aus

Der gemeinsame Nenner:  objektive Beschreibung des Verhaltens  Vorstufen berücksichtigen