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Expressionismus kann somit definiert werden als Ausdruckskunst mit dem Ziel der Ausdruckssteigerung. Den Begriff. Expressionismus gibt es auch in der Literatur, ...
Art: Skripte
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Erarbeitet vom Arbeitskreis Kunsterziehung 2010 Leitung Elisabeth Mehrl, ISB Mitglieder des Arbeitskreises: Jens Knaudt, Renate Stieber, Otmar Wagner
Überarbeitet vom Arbeitskreis Kunstportal 2019 Leitung Cornelia Kolb-Knauer, ISB Mitglieder des Arbeitskreises: Ursula Bonner, Marlene Büttel, Claudia Weidmann
Herausgeber: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung
Anschrift: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Abteilung Realschule Schellingstr. 155 80797 München Tel.: 089 2170- Fax: 089 2170- Internet: www.isb.bayern.de
Eine neue Einstellung zu Kunst und Gesell- schaft: Der Expressionismus
Expressionisten werden in der Zeit des National- sozialismus als „entartet“ diffamiert.
Das Programm des Expressionismus ist eigentlich vor allem negativ definiert: Die Künstler wollen nicht bürgerlich sein, nicht konventionell und nicht an den alten Werten orientiert. Während die bürgerliche Ästhetik vor allem von den traditionellen Schönheitsidealen bestimmt ist und „zum Schönen, Wahren, Guten erziehen“ will, setzt vor allem die norddeutsche expressionistische Kunst und die Literatur auf eine „Ästhetik des Hässlichen“. Das Hässliche, das Krankhafte und Wahnsinnige werden zum Gegenstand ihrer Darstel- lungen. Der Expressionismus befasst sich in der Bildenden Kunst wie in der Literatur sehr stark mit den in der bürgerlichen traditionellen Kunst als negativ besetzten Themen: Krieg - vor allem aus der Perspektive des Verletzten, Unterlegenen und Besiegten -, Angst und Weltuntergang (Apokalypse). Die Großstadt mit ihren vielen interessanten Figuren wird zum Bildmotiv. Dabei sind es bei den Künstlern der deutschen Künstlervereinigung „Die Brücke“ vor allem die Außenseiter der Gesellschaft, die in ihren Werken dargestellt werden. Die Maler der süddeutschen Künstlervereinigung des „Blauen Reiter“ finden ihre Bildmotive dagegen vor allem in der vom Menschen unberührten Natur. Von allen Künstlern wird diese Natürlichkeit, Unschuld und Unverfälschtheit als neues Ideal empfunden.
Die Kunst der Urvölker wird zum Vorbild und löst darin die Kunst der Antike ab.
Einige Künstler greifen nach dem 1. Weltkrieg ihre persönlichen Kriegs- erlebnisse in ihren Bildern auf. Nachdem mit dem Krieg eigentlich die Erwartung auf einen revolutionären Neubeginn verknüpft war, führt die Enttäuschung über das Gleichbleiben der alten Herrschaftsverhältnisse, die soziale Ungerechtig- keit nach Kriegsende und die Grausamkeit des Kriegsgeschehens selbst zu äußerst gesellschaftskritischen Darstellungen.
Wegen dieser Einstellung, aber auch wegen der zunehmenden Verfremdung und Abstraktion werden die expressionistischen Maler mit Beginn der national- sozialistischen Herrschaft als „entartet“ abgelehnt. Die neuen Strömungen werden aber bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten von Teilen der Gesellschaft durchaus auch wertgeschätzt. Dies zeigt sich u. a. in der Grün- dung des Bauhauses in Dessau und in der Berufung von „modernen“ Künstlern als Professoren - wie Max Beckmann in Frankfurt oder Wassily Kandinsky am Bauhaus in Dessau. In Deutschland entwickeln sich u. a. in Berlin und München Zentren der Moderne. Dies endet jedoch durch die rigide Kunstpolitik der Nationalsozialisten. Viele Künstler gehen ins Exil, v. a. nach Amerika, so dass nach dem Zweiten Weltkrieg alle modernen Strömungen von dort kommen.
Erstelle eine anschauliche Übersicht zu den bevorzugten Bildmotiven der Expressionisten.
Definition
Grundgedanken
Vorläufer
Vorbilder
lat. expressio = Ausdruck
Expressionismus meint eine Steigerung des Ausdrucks. Dieser gelingt in der Bildenden Kunst z. B. durch starke Kontraste, durch eine Übersteigerung der Farbigkeit und Reduzierung der Form auf das Wesentliche. Die äußere Welt wird nicht so wiedergegeben, wie sie objektiv zu sehen ist, stattdessen spie- len die subjektive Empfindung des Künstlers und der gewollte Ausdruck die- ser Empfindung eine wichtige Rolle. Expressionismus kann somit definiert werden als Ausdruckskunst mit dem Ziel der Ausdruckssteigerung. Den Begriff Expressionismus gibt es auch in der Literatur, im Theater und in der Musik.
Die Expressionisten streben nicht nach einer naturgetreuen Wiedergabe der Dinge. Sie wollen die Welt nicht in ihrer flüchtigen, oberflächlichen Erscheinung einfangen, wie es die Impressionisten taten. Der Expressionismus wird des- halb von vielen auch als Gegenbewegung zum Impressionismus verstanden. Stattdessen versuchen die expressionistischen Künstler beim Betrachter eine emotionale Wirkungen hervorzurufen. Es geht ihnen darum, das innere Wesen der Dinge und Figuren sowie ihr eigenes seelisches Erleben zum Ausdruck zu bringen.
Eine dem deutschen Expressionismus entsprechende Bewegung sind in Frank- reich die Fauves („Die Wilden“). Sie zeichnen sich bei der Wahl der Motive wie bei den Gestaltungsmitteln durch einen sehr farbstarken und lebensfrohen Stil aus.
Die Wurzeln des Expressionismus liegen im späten 19. Jahrhundert, bei Ma- lern wie Vincent van Gogh und Paul Gauguin , die in der Malerei bereits nach einer Ausdruckssteigerung von Form und Farbe gesucht hatten. In der Weiterentwicklung der impressionistischen Malerei fanden sie zu intensiven, kontrastreichen Farbtönen und geschlossener Form. Dabei wurde die realis- tische Darstellung zunehmend aufgegeben zugunsten einer auf das Wesent- liche reduzierten Form.
Ein Vorbild bildet die Kunst der Naturvölker , deren Werke zu Beginn des
Auch die mittelalterliche Kunst sieht man als unabhängig von der Vorgabe durch die sichtbare Welt, v. a. in den plastischen wie malerischen Darstellun- gen von Dämonen, von Figuren und Tieren. Das Vorbild der ausdrucksstarken Altarbilder von Grünewald (Isenheimer Altar) oder der Kathedralplastik lässt sich in expressionistischen Werken wiederfinden.
Schließlich werden die Bilder von Kindern zum Vorbild, da diese ihre Ge- fühle spontan zum Ausdruck bringen.
Erstelle ein anschauliches Blatt mit beispielhaften Bildwerken der oben genannten Vorbilder und Vorläufer des Expressionismus.
Charakterisierung des Expressionismus
1905 gründen in Dresden einige junge Architekturstudenten - Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Fritz Bleyl - die Künstlervereinigung „Die Brücke“. Später schließen sich Otto Müller und Max Pechstein an, für kurze Zeit gehört auch Emil Nolde zur Gruppe. Die Künstler arbeiten zunächst eng zusammen und entwickeln einen unverwechselbaren „Brücke“-Stil. Sie diskutieren ausführlich ihre Grundgedanken und Ziele, teilen sich Atelier und Modelle. Als Finanzierung ihrer Arbeit gründen sie eine Fördergruppe von passiven Mitgliedern, die als Jahresgabe eine Mappe mit Grafi- ken der Brücke-Künstler erhalten. 1911 siedelt die Gruppe nach Berlin um, löst sich dort jedoch schon 1913 auf. Die einzelnen Künstler entwickeln sich sehr unterschiedlich weiter. Als Grundgedanken ihrer Kunst formulieren sie das Ziel, alte Traditionen zu überwinden. Sie wollen überkommene Normen ablegen und eine Gesellschaft bzw. eine Kunst schaffen, die die Jugend und die „schaffende Generation“ vertritt. In ihren Schriften beschreiben sie es als ihre Absicht, „unverfälscht und unmittelbar das wiederzugeben, was einen zum Schaffen drängt“. „Im Glauben an eine gemeinsame Zukunft“ wollen sie mit diesen Gedanken und mit der neuen Kunst „die Jugend der Welt“ ansprechen.
Die deutsche Künstlervereinigung „Die Brücke“
Gestalte eine anschauliche Übersicht mit Abbildungen von Werken der genannten Künstler der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“.
Themen
Techniken
Gestaltungsmittel
Künstler und Werke
Ein großes Thema ist die Großstadt in ihren verschiedenen, meist negativen Facetten: die Anonymität, die Verlogenheit der Gesellschaft, ihre Außensei- ter, die Einsamkeit, die Gewalt. Hässliches wird in Form von verzerrten Gri- massen, in Bildern von Sucht, Krankheit oder Tod schonungslos zur Schau gestellt. Im Gegensatz dazu werden nach dem Vorbild der „primitiven“ Kunst die Menschen als Aktdarstellung in freier Natur gemalt.
Neben den traditionellen grafischen und malerischen Techniken entdecken die Brücke-Künstler für sich den Holzschnitt wieder, eine druckgrafische Tech- nik, die flächige und ausdrucksstarke Wirkungen ermöglicht.
Die Farben werden kontrastierend und zum Teil disharmonisch - also gerade entgegen der üblichen Beurteilung von „schön und passend“ - verwendet, häufig wirken die Farbzusammenstellungen und die einzelnen Töne sehr grell; sie vermitteln einen bestimmten Stimmungs- und Gefühlswert vermitteln. Die Formen sind meist scharf und kantig, sie werden oft mit schwarzen Konturen betont. Die Wirklichkeit wird vereinfacht oder auch verzerrt wieder- gegeben. Die Figuren und Objekte sind zwar erkennbar, die Gesichter wirken jedoch oft maskenhaft, die Figuren werden typisiert. Die Perspektive wird zum Teil mit traditionellen Mitteln im Bild wiedergegeben, meist jedoch ebenfalls verzerrt und verschoben. Innenräume wirken wie enge Guckkästen. Zum großen Teil verzichten die Künstler auch auf eine naturge- treue perspektivische Wirkung, die Bilder wirken dann flächig.
Ernst Ludwig Kirchner Potsdamer Platz, Berlin, 1914 Eine Künstlergemeinschaft, 1925 Erich Heckel Der Dorfteich 1910 Karl Schmidt-Rottluff Selbstbildnis, 1928 Fritz Bleyl Das Segel, 1905 Otto Mueller Badende, 1911 Max Pechstein Akte im Freien, 1911 Emil Nolde Palmen am Meer, 1914
Die deutsche Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“
Häufig werden Landschaften, in Einklang mit der Natur lebende Menschen und Tiere, Stillleben und Porträts gemalt.
Typisch für die Malerei dieser Künstler sind die stark vereinfachte, später zu- nehmend abstrahierte Formgebung sowie starke, leuchtende und kontrast- reiche Farben. In der Farbgebung geht es den Künstlern um einen alle Farben einschließenden harmonischen Gesamtklang. Die realistische Wiedergabe des Raums wird aufgegeben.
Franz Marc Zwei Katzen, blau und gelb 1912 Wassily Kandinsky Improvisation/Klamm, 1914 Gabriele Münter Winterlandschaft bei Murnach, 1909 Paul Klee Villa R, 1919 August Macke Vor dem Hutladen, 1914 Alexej Jawlensky Abstrakter Kopf : Morgenlicht, 1926
Diese Künstlergruppe entsteht 1911 in München. Auf der Grundlage von Gesprächen und gemeinsamer Arbeit entwickeln die einzelnen Künstler einen neuen Stil. Dabei wahrt - im Gegensatz zur „Brücke“ - von Anfang an jeder Künstler seine individuelle Eigenart. Gemeinsam ist ihnen allen der Hang zur Philosophie, v. a. der Ver- such, Mensch und Natur als Einheit zu sehen und sich in die Natur hineinzuversetzen. Der Mensch soll sich als Teil der Schöpfung verstehen und sich mit der Natur verbunden fühlen. Der Kunst wird eine fast religiöse Aufgabe zugedacht, weil sie zum inneren Wesen der Dinge vordringt. Der Name „Blauer Reiter“ wird von Kandinsky und Marc entwickelt (Marc liebt Pferde, Kandinsky malte Rei- ter...., so heißt es in den Schriften über den Ursprung des Namens) und ist zunächst für eine Kunstzeitschrift gedacht, die Beiträge über die Moderne enthalten soll. Die erste Ausstellung der Gruppe findet 1911 statt. Schon 1913 löst sich die Künstlergruppe jedoch auf. Kandinsky emigriert nach Russland, Marc und Macke fallen im 1. Weltkrieg, in den sie sich freiwillig gemeldet haben.
Themen
Gestaltungsmittel
Künstler und Werke
Gestalte eine informative Übersicht mit Abbildungen von Werken der genannten Künstler der Künstlergemeinschaft des „Blauen Reiter“.
GRUND- GEDANKEN
THEMEN
FORM
FARBE
RAUM
Die Brücke Der Blaue Reiter
Die deutschen Künstlervereinigungen im Vergleich
Vergleiche eine Tierdarstellung von Franz Marc mit einem Gemälde zum gleichen Motiv aus dem Barock oder dem Impressionismus.
Franz Marc entwickelt eine eigene Philosophie zur Symbolik und zur Wirkung der Farben, um auf diese Weise, wie er es ausdrückte, das Wesen der Dinge zum Ausdruck zu bringen. Dabei zieht er die reinen Spektralfarben den in der traditionellen naturgetreuen Malweise üblichen gedeckten Farben vor. In einem Brief an seinen Künstler- freund August Macke beschreibt er seine komplexen Gedanken zu seinen Farblehre sehr genau.
In seinen Bildern will Franz Marc immer das harmonische Gleichgewicht der Farben erreichen, so kommen meist alle sechs Grundfarben im Bild vor.
Die Farbsymbolik bei Franz Marc
GELB bildet für ihn das sog. „Weibliche Prinzip“, es steht für Sanftheit, aber auch für Energie und Lebensfreude.
ROT symbolisiert die Materie, die ungebändigte Kraft, die von den beiden anderen Farben überwunden werden muss.
BLAU gilt bei Marc als das „Männliche Prinzip“, für die geistige Kraft.
Aus dem Weiblichen und der Materie, entsteht die Farbe für Wärme und Lebendigkeit, das ORANGE. Durch das kühle, geistige Blau sieht er den passenden Gegenpart gesetzt.
Die Farbe GRÜN , die für alle lebendige Natur steht, setzt sich aus dem Weib- lichen und dem Männlichen - aus Gelb und Blau - zusammen.
Die Farbe der Mystik, das VIOLETT , enthält die Materie (Rot) ebenso wie den Geist (Blau). Marc beschreibt, dass dann als Ausgleich das versöhnliche Gelb unerlässlich ist.
Recherchiere die genannten Werke und erstelle eine anschauliche Übersicht.
Max Beckmann (vgl. Künstlerbiografie) befasst sich in der Hauptsache mit antiken Mythen und Sagen, die er aktualisiert, also im Blick der heutigen Zeit darstellt. Er greift dabei die in diesen Geschichten aufgenommenen grund- sätzlichen Fragen des Menschen nach Schicksal, Freiheit und Abhängigkeit auf und bezieht sie auf die aktuellen Probleme seiner Zeit. Die Zitate und Anspielungen sind teilweise schwer zu entschlüsseln. Max Beckmann ist ein gefragter Porträtmaler und schafft während seines Lebens auch eine große Anzahl von Selbstbildnissen, in denen er sich selbst genau beobachtet und „Zeugnis gibt von seiner Person.“
Keiner Gruppe zuzuordnen - eine Einzelpersönlichkeit
Selbstbildnis mit rotem Schal, 1917 Die Abfahrt - Triptychon, 1932/ Der Zirkuswagen, 1940 Perseus -Triptychon, 1941 Illustrationen u. a. zur Apokalypse, Faust II, 1941
Max Beckmann