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In einer Volksabstimmung hat die Mehrheit der Briten dafür gestimmt, dass Großbritannien aus der Europäischen Union austreten soll, aber die Briten sind geteilt: eigene wollen die längst überfällige Befreiung von der EU, andere sehen darin eine ungewisse Zukunft. Man hat den Wörtern „Britannien“ und „Exit“ geeint, um das Wort „Brexit“ zu prägen. Brexit bedeutet also, dass die Briten einen Ausstieg (Exit) nach 46 Jahren aus der Europäischen Union suchen. Was danach passiert? Das weiß keiner so genau, weil der Brexit der erste Ausstieg aus der EU ist. Sollte es ein Happy End für die Briten geben, könnte der Brexit Schule machen und auch andere Staaten zu einem Austritt verleiten. Dann würde die EU zerfallen, ein Staatenbündnis, das für lange anhaltenden Frieden in Europa verantwortlich ist. Um den Brexit zu verstehen, man soll ein Blick in die Europa-Geschichte Großbritanniens werfen. Das Land war nicht von Anfang an im europäischen Staatenbündnis dabei, nämlich ist sie im Jahr 1957 einen Mitgliedstaat geworden. Von Anfang fragt sie auf einer Extrawurst, nämlich schon seit den Achtzigerjahren zahlt Großbritannien weniger. Dieser wurde reduziert, er gilt aber bis heute, obwohl Großbritannien der zweitreichste EU-Staat nach Deutschland ist. Und das war nur die erste Extrawurst, denn Großbritannien ist nie der Währungsunion beigetreten und hat das britische Pfund als Zahlungsmittel behalten. Das war die zweite Extrawurst. Außerdem Großbritannien nie dem Schengener Abkommen beigetreten ist, das Reisen ohne Grenzkontrollen ermöglicht. So muss man, wenn man nach Großbritannien einreist, seinen Pass zeigen. Eine andere Extrawurst ist, dass es bei jedem Gesetzesakt entscheiden darf, ob es sich daran beteiligt oder nicht. Großbritannien nutzt die Vorteile, die ihnen die EU bietet. Aber warum stehen die Briten der EU trotz all dieser Freiheiten so kritisch gegenüber? Es liegt daran, dass sie sich dem Kontinent, nicht besonders verbunden fühlen. Die Briten haben oder machen Dingen, die ganz anders von Europa sind. Z. B. sie fahren auf der linken Straßenseite, sie benutzen Pints statt Litern, wiegen in Pfund und messen in Fuß als in Metern. Auch die Geschichte Großbritanniens spiegelt diese Sonderstellung in Europa wider. Das britische Empire war die größte Kolonialmacht der Welt im Jahr 1921. Und da Großbritannien eine große Weltmacht war, glauben viele Briten, die EU nicht zu brauchen. Sie sind der Ansicht, dass es Großbritannien früher besser ging. Es hat immer für die EU-Kritiker schwierig, sich gehört zu verschaffen. Großbritannien wollte aus der EU austreten, und in den Neunzigerjahren wurden diese Forderung lauter. Das lag an einer rechtspopulistischen Partei, die sich 1993 gründete und UKIP heißte. UKIP bedeutet UK Indipendence Party, und sein Hauptziel war der Austritt der Großbritannien aus der EU. Im Jahr 2014 gewann diese Partei mehr als ein Viertel der Stimmen, und damit erhöhte sich der Druck auf die britischen Politiker. Dann im Jahr 2015 wurde dieser Druck auf die Regierung so stark, dass sie eine Volksabstimmung machen musste, um den Verlieb Großbritannien zu entscheiden. Am Anfang glaubten die meisten, dass es nie zum Brexit kommen würde, weil sie dachten, dass eine breite Masse gegen den Brexit stimmen würde und dass damit das Thema geschlossen sei.
UKIP spielte von Anfang an, wie alle rechtspopulistischen Parteien, mit den Ängsten der Bürger. In diesem Fall benutzte die Partei die sogenannte Flüchtlingskriese. Obwohl in den vergangenen Jahren nur wenige Flüchtlinge nach Großbritannien gekommen waren, sorgten sich Teile der Bevölkerung, dass es doch zu viele werden könnten. Und auch die Tatsache, dass seit 2004 jeder EU-Bürger seinen Wohn- und Arbeitsplatz in den Mitgliedsstaaten frei wählen kann, und obwohl Großbritannien kein Mitglied im Schengener Abkommen ist, gilt diese Regelung auch dort. Dadurch kommen seit 2004 viele Polen, Bulgaren und Rumänen ins Land. Die UKIP und die Brexit-Befürworter argumentierten: Bleibt Großbritannien in der EU, kommen immer mehr Einwanderer aus den anderen EU-Staaten ins Land. Die Brexit-Kampagne nutzte die Stimmung im Land und versprach den Bürgern eine neue Souveränität: »Wir übernehmen wieder die Kontrolle über unsere Grenzen.« Am 23. Juni 2016 stimmten knapp 52% der Briten für den Austritt aus der EU. Als am nächsten Morgen das Ergebnis feststand, konnten es viele kaum glauben. »Was für ein Tag!«, postete zum Beispiel das Auswärtige Amt auf Facebook. »Wir gehen jetzt jedenfalls in einen irischen Pub und betrinken uns. Ab morgen arbeiten wir dann wieder für ein besseres Europa. Versprochen!«. Ein anderer meinte: »Juchuhhh. Wir sind alle bald tot, und es ist die nächste Generation, die leiden wird. Habt einen tollen Tag«. Damit spielten die Jungen darauf an (si sono convinti), dass mit zunehmendem Alter die Briten eher für den Austritt aus der EU gestimmt hatten. Allerdings zeigten die Zahlen auch, dass weniger junge Menschen ihre Stimme abgegeben hatten als alte. Laut einigen Meinungsforschern haben viele Alte für den Brexit gestimmt, weil sie ihr Großbritannien aus der guten alten Zeit zurückhaben wollen, in der ihnen die Welt überschaubarer erschien. Die Jungen haben eine andere Meinung: sie sehen Europa, die globalisierte Europa. Es gibt auch ein Unterschied zwischen den Ergebnissen der Stadt- und der Landbevölkerung. In einer Stadt wie London stimmten die meisten für einen Verbleib in der EU, weil sie jüngerer und gebildeter Menschen sind und guten Jobs schon haben. Im Gegenteil in den ländlichen Regionen Englands mit kleinen Städten stimmten die Mehrheit der Wähler hingegen für den Brexit. Ein Grund dafür war vielleicht, dass die Einwanderer aus EU- Ländern, z. B. Polen oder Bulgarien, ihnen die Jobs wegnahmen. Auch zwischen eher armen und reichen Wählern wurde ein Unterschied: Während die Menschen rund um London und um die Universitätsstadt Cambridge gegen den Brexit stimmten, votierten viele Menschen in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und geringen Einkommen für den Brexit. Das ist, weil die Höherqualifizierte eine globalisierte Welt wollten und dachten, dass sie mit dem Brexit nutzen konnten. Am 29. März 2017 hat Premierministerin Theresa May den Austrittsantrag bei der EU eingereicht und am 29. März 2019 soll Großbritannien die EU verlassen. Das Verfahren zieht zwei Jahre lang hin, weil Großbritannien und die EU über die Ausgestaltung des Austritts verhandeln müssen und insgesamt gibt es 21 000 EU-Regeln und Gesetze (bei dem jetzigen Zeitplan:40 bis 50 Gesetze pro Tag), die besprochen werden müssen. In den Verhandlungen darum gehen, weiterhin möglichst gute Handelsbeziehungen zur EU zu unterhalten und ein Freihandelsabkommen auszuhandeln. Die EU dagegen wird versuchen, den Briten die Bedingungen für die Zeit danach so schwer wie möglich zu machen, um andere Länder