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5.1.3 Fehlerabschätzung bei der Interpolation von Funktionen . ... Im Fall M = 0 (d.h. f ist linear) konvergiert das Newton-Verfahren in einem Schritt und ...
Art: Slides
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Intervallschachtelung
Eingabe: Intervallgrenzen a 0 , b 0 mit a 0 < b 0 , f (a 0 ) · f (b 0 ) < 0 F¨ur k = 0, 1 ,...
Setze xk+1 :=
(ak + bk)
Setze [ak+1, bk+1] =
[ak, xk+1], wenn f (ak)f (xk+1) < 0 [xk+1, bk], wenn f (ak)f (xk+1) > 0. Ausgabe: Iterierte xk+1, Intervallgrenzen ak+1, bk+
F¨ur eine Nullstelle z ∈ I 0 gilt nach Definition f¨ur alle k ≥ 0
ak ≤ ak+1 ≤ z ≤ bk+1 ≤ bk
und außerdem
|xk − z| ≤ |ak − bk| =
|ak− 1 − bk− 1 | ≤
)k |a 0 − b 0 | → 0 (k → ∞)
Der Fehler wird in jeder Iteration also ca. um einen Faktor 12 kleiner. Wir werden in diesem Fall sp¨ater von linearer Konvergenz sprechen. Die Intervallschachtelung ist ein stabiler numerischer Algorithmus zur Berechnung einer Null- stelle f¨ur beliebige stetige Funktionen f. Konvergenz ist unter der Bedingung f (a 0 )f (b 0 ) < 0 sichergestellt. Ist man an einer gewissen Genauigkeit (z.B. 6 Stellen) interessiert, ist die Kon- vergenz in der Regel allerdings relativ langsam
( 1 2
)k ≤ 10 −^6 ⇒ k ≥ 20.
Wir nehmen nun an, dass die Funktion f zweimal stetig differenzierbar ist. Das Newton- Verfahren (auch Newton-Raphson-Verfahren) basiert geometrisch auf der Idee eine (m¨oglicherweise komplizierte) Funktion f lokal durch ihre Tangente anzun¨ahern, siehe Abbildung 4.1. Sei x 0 ∈ I ein Startwert. Es gilt mit Taylorentwicklung f¨ur ein ξ ∈ [x 0 , x]
f (x) = f (x 0 ) + f ′(x 0 )(x − x 0 ) ︸ ︷︷ ︸ =:Tx 0 (x)
f ′′(ξ) 2 (x − x 0 )^2 = Tx 0 (x) + O
|x − x 0 |^2
Nahe bei x 0 ist Tx 0 (x) also eine gute N¨aherung von f (x). Aufgrund des Restterms spricht man von einer N¨aherung zweiter Ordnung. Im Falle f ′(x 0 ) 6 = 0 kann die Nullstelle von Tx 0 (x) einfach berechnet werden
f (x 0 ) + f ′(x 0 )(x − x 0 ) = 0 ⇒ x = x 0 − f (x 0 ) f ′(x 0 )
x 2 x 1 x 0
Abbildung 4.1: Graphische Darstellung des Newton-Verfahrens
Die Nullstelle x der Tangente ist im Allgemeinen noch nicht die Nullstelle von f. Da die Tangente eine N¨aherung zweiter Ordnung an f ist, besteht aber Hoffnung, dass diese deutlich n¨aher an der Nullstelle von z liegt als x 0. Wir definieren die Iteration
Newton-Verfahren Eingabe: Startwert x 0 ∈ I,
F¨ur k = 1, 2 ,... setze xk = xk− 1 −
f (xk− 1 ) f ′(xk− 1 )
Ausgabe: Iterierte xk
Geeignete Abbruchkriterien f¨ur die Iteration werden wir weiter unten diskutieren.
Wir wollen nun das Konvergenzverhalten der Newton-Iteration analysieren. Wir haben bereits gesehen, dass die Newton-Iteration nur f¨ur f ′(xk) 6 = 0 wohldefiniert ist. Deswegen beschr¨anken wir uns zun¨achst auf die Suche einfacher Nullstellen z, d.h. Nullstellen, f¨ur die f ′(z) 6 = 0. Da f ′ nach Voraussetzung stetig ist, ist dann auch f ′(x) 6 = 0 in einer Umgebung von z.
Satz 4.1. Die Funktion f ∈ C^2 [a, b] habe eine Nullstelle z ∈ (a, b) und wir nehmen an, dass
m := min x∈[a,b]
|f ′(x)| > 0.
Außerdem sei M := maxx∈[a,b] |f ′′(x)| und ρ > 0 sei so gew¨ahlt, dass
ρ <
2 m M , Kρ(z) := {x ∈ R, |x − z| ≤ ρ} ⊂ [a, b]. (4.3)
(ii) A priori Absch¨atzung: Als Nebenprodukt erhalten wir aus (4.7) bereits (4.4). Um (4.5) zu zeigen, setzen wir
rk :=
2 m
|xk − z|.
(4.7) impliziert
rk ≤ r k^2 − 1
und damit induktiv
M 2 m |xk − z| = rk ≤ r(
k (^) ) 0 =
2 m |x 0 − z| ︸ ︷︷ ︸ ≤ρ
)(2k (^) ) ≤ q(
k (^) ) .
(iii) Es bleibt die a posteriori Absch¨atzung (4.6) zu zeigen. Dazu verwenden wir eine Taylor- entwicklung erster Ordnung
f (xk) = f (z) + f ′(ξ)(xk − z), ξ ∈ [xk, z].
Daraus folgt direkt die erste Ungleichung in (4.6)
|xk − z| ≤
|f (xk)| |f ′(ξ)|
|f (xk)| m
Eine weitere Taylorentwicklung zweiter Ordnung ergibt
f (xk) = f (xk− 1 ) + f ′(xk− 1 )(xk − xk− 1 ) ︸ ︷︷ ︸ =
f ′′(ξ) 2
(xk − xk− 1 )^2 , f¨ur ein ξ ∈ [xk− 1 , xk].
Der erste Term auf der rechten Seite verschwindet nach Definition der Newton-Iterierten xk und es folgt
|f (xk)| m
2 m
|xk − xk− 1 |^2.
Abbruchkriterien Die a posteriori Absch¨atzung (4.6) legt zur Erreichung einer vorgegebenen Toleranz zwei m¨ogliche Abbruchkriterien nahe
1 m |f (xk)| < TOL oder
2 m |xk − xk− 1 |^2 < TOL,
wobei die erste Bedingung wegen der zweiten Ungleichung in (4.6) die sch¨arfere ist. Oft ist man daran interessiert statt dem absoluten Fehler den relativen Fehler
|xk − z| |z|
|xk − z| |xk|
zu kontrollieren (Ist die L¨osung z sehr groß ist es weniger relevant die n-te Nachkommastelle richtig zu approximieren). In diesem Fall schreiben sich die obigen Kriterien als
1 m
|f (xk)| |xk|
< TOL oder
2 m
|xk − xk− 1 |^2 |xk|
Newton-Verfahren mit Abbruchkriterium Eingabe: Startwert x 0 ∈ I
Solange
m
|f (xk)| |xk|
Setze xk = xk− 1 − f (xk− 1 ) f ′(xk− 1 )
k ← k + 1 Ausgabe: Iterierte xk
Definition 4.3. Ein Iterationsverfahren zur Bestimmung einer Nullstelle z einer Funktion f ∈ C[a, b] besitzt die Konvergenzordnung p ≥ 1 , wenn f¨ur beliebige Startwerte x 0 ∈ [a, b] gilt, dass
|xk − z| ≤ c|xk− 1 − z|p^ f¨ur k ∈ N.
Im Fall p = 1 spricht man unter der zus¨atzlichen Voraussetzung c < 1 von linearer Konvergenz, im Falle p = 2 von quadratischer Konvergenz. Weiter spricht man von superlinearer Konvergenz, wenn es eine Nullfolge (ck)k∈N gibt mit
|xk − z| ≤ ck|xk− 1 − z| f¨ur k ∈ N. Im Falle p > 1 liegt in der Regel nur lokale Konvergenz vor, d.h. f¨ur Startwerte x 0 ∈ Kρ(z) f¨ur ein ρ > 0. Dies sieht man folgenderweise
c
( (^1) p− 1
) |xk − z| ≤ c
( (^1) p− 1
) ︸ ︷︷ ︸^ c =c p−p 1
|xk− 1 − z|p^ =
c
( (^1) p− 1
) |xk− 1 − z|
)p ≤ ... ≤
c
( (^1) p− 1
) |x 0 − z| ︸ ︷︷ ︸ <^! 1
(pk^ )
.
Es folgt lokale Konvergenz mit ρ < c−^ p−^11 . In Theorem 4.1 haben wir gezeigt, dass das Newtonverfahren lokal quadratisch konvergiert,
wobei c = 2 Mm und daraus resultierend ρ < c(^
1 2 − 1 ) = (^2) Mm. Liegt der Startwert dagegen nicht gen¨ugend nahe an der Nullstelle z, ist die Konvergenz der Iteration nicht gesichert. In der Pra- xis werden bei solchen Problemen zum Beispiel langsamere, aber global konvergente Verfahren (z.B. die Intervallschachtelung) eingesetzt, um einen gen¨ugend guten Startwert f¨ur die Newton- Iteration zu berechnen. F¨ur die Intervallschachtelung kann man keine Konvergenzordnung im obigen Sinne angeben, da |xk − z| nicht notwendig monoton f¨allt. Man spricht in der Regel trotzdem von linearer Konvergenz, da f¨ur die Folgen der Intervalle (ak, bk)k≥ 0 gilt
|bk − ak| =
|bk− 1 − ak− 1 |.
Die Intervalll¨ange konvergiert also linear und ist wie oben gezeigt eine obere Schranke f¨ur den Fehler |xk − z|.
Iteration k xk |z − xk| 0 0.1 1. 1 10.05 8. 2 5.124502488... 3. 3 2.757392138... 1. 4 1.741357580... 3. 271 · 10 −^1 5 1.444943382... 3. 073 · 10 −^2 6 1.414540330... 3. 268 · 10 −^3 7 1.414213600... 3. 774 · 10 −^8 8 1.414213562... 4. 441 · 10 −^16 9 1.414213562... 2. 220 · 10 −^16 10 1.414213562... 2. 220 · 10 −^16
Tabelle 4.1: Newton-Verfahren zur Berechnung der Nullstelle z =
2 der Funktion f (x) = x^2 − 2. Korrekte Dezimalstellen sind unterstrichen.
Wegen
1 2 xk
(xk −
a) <
f¨ur xk ≥
a
liegt Konvergenz f¨ur beliebige Startwerte vor
|xk+1 −
a| ≤
|xk −
a|.
Quadratische Konvergenz liegt nach Satz 4.1 vor, wenn 2 Mm |xk −z| < 1. F¨ur k ≥ 1 gilt xk >
a und wir k¨onnen uns in der Definition von m auf diesen Bereich konzentrieren
m := min x>√a
f ′(x) = 2
a ⇒
2 m |xk − z| =
a |xk −
a|
! < 1
⇒ xk
! < 3
a.
Je nach Wahl des Startwerts x 0 kann das entweder schon f¨ur x 0 oder x 1 erf¨ullt sein, oder erst im Laufe der Iteration. Wir geben in Tabelle 4.1 als Beispiel die Berechnung von
2 (a = 2) mit (einem willk¨urlich bestimmten) Startwert x = 0.1. In der ersten Iteration erh¨oht sich der Fehler stark. In Iterationen 2, 3 nimmt der Fehler jeweils um etwas mehr als einen Faktor 2 ab, d.h. es liegt lineare Konvergenz vor. Ab der vierten Iteration verdoppelt sich die Anzahl der korrekten Dezimalstellen. Es liegt quadratische Konvergenz vor
|xk − z| < 10 −n^ ⇒ |xk − z| < c|xk − z|^2 < c · 10 −^2 n.
Ab Iteration 9 liegt der Fehler x 9 −z im Bereich der Maschinengenauigkeit = 2−^53 ≈ 1. 1 · 10 −^16. Aufgrund von Rundungsfehlern ist bei Verwendung von double precision keine Verbesserung mehr m¨oglich.
Iteration k ak bk xk |z − xk| 0 1 2 1 4. 14 · 10 −^1 1 1 1.5 1.5 8. 58 · 10 −^2 2 1.25 1.5 1.25 1. 64 · 10 −^1 3 1.375 1.5 1.375 3. 92 · 10 −^2 4 1.375 1.4375 1.4375 2. 33 · 10 −^2 5 1.40625 1.4375 1.40625 7. 96 · 10 −^3 6 1.40625 1.421875 1.421875 7. 66 · 10 −^3 7 1.4140625 1.421875 1.414063 1. 51 · 10 −^4 8 1.4140625 1.417969 1.417969 3. 76 · 10 −^3 9 1.4140625 1.416016 1.416016 1. 80 · 10 −^3 10 1.4140625 1.415039 1.415039 8. 26 · 10 −^4
Tabelle 4.2: Intervallschachtelung zur Nullstellensuche bei f (x) = x^2 − 2 mit Startintervall I 0 = [a 0 , b 0 ]. Korrekte Dezimalstellen sind unterstrichen.
Intervallschachtelung In Tabelle 4.2 stellen wir die Ergebnisse des Intervallschachtelungsver- fahrens f¨ur das selbe Problem dar. Als Startintervall ist hier I 0 = [1, 2] gew¨ahlt. Der Fehler |xk − z| reduziert sich, allerdings nicht-monoton. W¨ahrend der Fehler beim Newton-Verfahren nach 8 Schritten im Bereich der Maschinengenauigkeit liegt, liegt dieser bei der Intervallschach- telung nach 8 Schritten im Bereich O(10−^3 ) In Abb. 4.3 vergleichen wir das Konvergenzverhalten des Newton-Verfahrens und der Intervall- schachtelung in einem halblogarithmischen Plot. Dabei wird in der Vertikalen der Logarithmus des Fehlers log(|xk − z|) aufgetragen. Bei linearer Konvergenz gilt
|z − xk| = qk^ ⇒ log(|z − xk|) = k log(q).
d.h. wir erhalten eine Gerade mit Steigung log(q) < 0. Dies kann man bei der Reduktion der Intervalll¨ange |bk − ak| beim Intervallschachtelungsverfahren beobachten. Der Fehler |xk − z| verl¨auft jeweils knapp unter dieser Linie. Bei Konvergenzordnung p > 1 gilt
|z − xk| = q(p
k (^) ) ⇒ log(|z − xk|) = pk^ log(q),
d.h. die Kurve f¨allt exponentiell. Dies ist beim Newton-Verfahren zu beobachten, bis der Fehler die Gr¨oßenordnung der Maschinengenauigkeit erreicht.
Das gr¨oßte Problem beim Newton-Verfahren ist h¨aufig die Wahl eines geeigneten Startwertes x 0. Ist der Einzugsbereich der quadratischen Konvergenz einmal erreicht, konvergiert das Verfahren sehr schnell. F¨ur beliebiges x 0 ist dagegen im allgemeinen keine Konvergenz gesichert. Eine einfache Strategie, um den Konvergenzradius zu vergr¨oßern, ist das sogenannte ged¨ampfte Newton-Verfahren mit einer Folge von D¨ampfungsparametern (λk)k≥ 0 , λk ∈ (0, 1]
Eingabe: Startwert x 0 ∈ I,
Solange
m
|f (xk− 1 )| |xk− 1 |
Setze xk = xk− 1 − λk f (xk− 1 ) f ′(xk− 1 )
f¨ur ein λk ∈ (0, 1].
k ← k + 1 Ausgabe: Iterierte xk
Bei “optimaler” Wahl der Folge (λk)k≥ 0 kann man sogar globale Konvergenz sicherstellen.
Satz 4.4. Die Funktion f ∈ C^2 [a, b] habe eine Nullstelle z ∈ (a, b) und wir nehmen an, dass
m := min x∈[a,b] |f ′(x)| > 0.
F¨ur beliebige Startwerte x 0 ∈ [a, b] kann man eine Folge (λk)k> 0 finden, so dass das ged¨ampfte Newton-Verfahren (4.10) gegen eine Nullstelle z konvergiert. Sobald xk ∈ Kρ(z) f¨ur ρ = 2 mM und M = maxx∈[a,b] |f ′′(x)|, kann λk = 1 gew¨ahlt werden und das ged¨ampfte Newton-Verfahren konvergiert nach Satz 4.1 quadratisch.
Beweis. Wir zeigen, dass f¨ur beliebiges xk stets ein Wert λk = λ ∈ (0, 1] gefunden werden kann, so dass f¨ur x(λ) = xk − λ (^) ff ′((xxkk^ ) ) gilt
|f (x(λ))| < q|f (xk)| f¨ur ein q < 1.
Mithilfe von Taylor-Entwicklung gilt f¨ur ein ξ ∈ [xk, x(λ)]
f (x(λ)) = f
xk − λ f (xk) f ′(xk)
= f (xk) − λ f (xk) f ′(xk) f ′(xk) + λ^2 f (xk)^2 f ′(xk)^2
f ′′(ξ) 2
=
1 − λ +
λ^2 2
f (xk)f ′′(ξ) f ′(xk)^2
f (xk).
F¨ur λ ≤ 1 folgt mit der Dreiecksungleichung
|f (x(λ))| ≤
1 − λ + λ^2 2
M |f (xk)| |f ′(xk)|^2 ︸ ︷︷ ︸ =:αk <∞
|f (xk)|.
Mit der Wahl
λk = min
αk
gilt im Fall αk > 1 (d.h. λk = α− k 1 )
1 − λk + αk
λ^2 k 2
2 αk
≤ q < 1
und f¨ur αk < 1 (d.h. λk = 1)
1 − λk + αk
λ^2 k 2
αk 2
In beiden F¨allen gilt bei dieser Wahl von λk f¨ur die n¨achste Iterierte xk+
|f (xk+1)| = |f (x(λ))| ≤ max{q,
=:˜q
|f (xk)| ≤ q˜k+1|f (x 0 )| → 0 (k → ∞).
Wie in (4.8) folgert man
|xk − z| < |f (xk)| m < q˜k+^ |f (x 0 )| m
d.h. (lineare) Konvergenz der Folge (xk)k≥ 0 gegen eine Nullstelle z. Gilt |xk − z| < ρ = 2 mM , so ergibt sich wegen
0 = f (z) = f (xk) + (z − xk)f ′(xk) + (z − xk)^2 f ′′(ξ) 2 , ξ ∈ [xk, z]
die Beziehung
αk = M |f (xk)| |f ′(xk)|^2
|f ′(xk)|
|xk − z| + M |f ′′(ξ)| 2 |f ′(xk)|^2
|xk − z|^2
m ρ +
2 m^2 ρ^2 ≤
< 1 ⇒ λk = 1.
Die Iteration entspricht fortan also der Standard-Newton-Iteration und konvergiert nach Satz 4. quadratisch.
In der Praxis ist das Finden einer geeigneten Folge λk oft problematisch, da z.B. M und damit αk nicht bekannt ist. Eine m¨ogliche Strategie (line search) ist es den Newtonschritt solange f¨ur Werte λk ∈ { 1 , 12 , 14 , ...} zu berechnen, bis |f (x(λk))| < q|f (x)| f¨ur ein q < 1 gilt:
Newton-Verfahren mit Liniensuche (line search)
Eingabe: Startwert x 0 ∈ I.
Solange
m
|f (xk− 1 )| |xk− 1 |
Setze λ = 1 und berechne x(λ) = xk− 1 − λ f (xk− 1 ) f ′(xk− 1 )
Solange f (x(λ))| > q|f (xk− 1 )| :
Setze λ ← λ/2 und x(λ) = xk− 1 − λ
f (xk− 1 ) f ′(xk− 1 )
Setze xk = x(λ), k ← k + 1. Ausgabe: Iterierte xk
Solange λk < 1 ist die Konvergenzgeschwindigkeit im Allgemeinen nur linear. Sobald der Ein- zugsbereich der quadratischen Konvergenz erreicht ist (xk ∈ Kρ(z)), entspricht das ged¨ampfte Newton-Verfahren dem Standard-Newton-Verfahren und konvergiert fortan quadratisch.
Taylorentwicklungen von f und f ′^ ergeben f¨ur gewisse ξ 1 , ξ 2 ∈ [xk, z]
f (xk) =
p∑− 1
i=
f (i)(z) ︸ ︷︷^ i! ︸ =
(xk − z)i^ +
f (p)(ξ 1 ) p! (xk − z)p^ =
f (p)(ξ 1 ) p! (xk − z)p
f ′(xk) =
p∑− 1
i=
f (i)(z) (i − 1)! ︸ ︷︷ ︸ =
(xk − z)i−^1 +
f (p)(ξ 2 ) (p − 1)! (xk − z)p−^1 =
f (p)(ξ 2 ) (p − 1)! (xk − z)p−^1.
Wir entwickeln den letzten Term in der ersten Zeile weiter um ξ 2 mit einem ξ 3 ∈ [xk, z]
f (xk) = f (p)(ξ 1 ) p! (xk − z)p^ = f (p)(ξ 2 ) p! (xk − z)p^ + f (p+1)(ξ 3 ) p! (xk − z)p(ξ 2 − ξ 1 ).
Damit folgt
|xk+1 − z| =
ωf (xk) (xk − z)f ′(xk)
∣|xk −^ z|^ =
ω p
f (p+1)(ξ 3 )(ξ 1 − ξ 2 ) pf (p)(ξ 2 )
∣|xk −^ z|^ (4.11)
Im Fall ω = p folgt
|xk+1 − z| ≤
pm |ξ 1 − ξ 2 ||xk − z|.
Unter der Voraussetzung, dass
M pm ρ < 1
folgt induktiv, dass xk+1 ∈ Kρ(z) und außerdem
|xk+1 − z| ≤
pm
|xk − z|^2.
In Falle ω = 1 gilt nach (Induktions-)Voraussetzung
∣∣ ∣
f (p+1)(ξ 3 )(ξ 1 − ξ 2 ) pf (p)(ξ 2 )
pm
|xk − z| <
p
und damit
∣ ∣∣ 1 − 1 p
f (p+1)(ξ 3 )(ξ 1 − ξ 2 ) pf (p)(ξ 2 )
(4.11) impliziert dann xk+1 ∈ Kρ(z) und (lokal) lineare Konvergenz.
Der teuerste Schritt bei der Durchf¨uhrung des Newton-Verfahrens ist oft die Berechnung der Ableitung f ′(xk). Dies ist insbesondere in mehreren Dimensionen der Fall (siehe unten). In 1d stelle man sich Funktionen f vor, die nur implizit definiert sind. In diesem Fall wird die Ableitung f ′(xk) h¨aufig nicht in jedem Newton-Schritt neu be- rechnet sondern es wird stattdessen auf in vorherigen Iterationen berechneten Ableitungen zur¨uckgegriffen
f ′(xk) ≈ f ′(xl) f¨ur l < k.
Es kann sogar gezeigt werden, dass die Ableitungen an beliebigen Stellen y ∈ Kρ(z) ausgewertet werden k¨onnen, wobei sich die Konvergenzordnung in diesem Fall auf 1 reduziert. Wir betrach- ten das folgende vereinfachte Newtonverfahren, bei dem die Ableitung nur im ersten Schritt berechnet wird.
Eingabe: Startwert x 0 ∈ I,
Solange
m
|f (xk)| |xk|
Setze xk = xk− 1 − f (xk− 1 ) f ′(x 0 )
Ausgabe: Iterierte xk
Satz 4.6. Die Funktion f ∈ C^2 [a, b] habe eine Nullstelle z ∈ (a, b) und wir nehmen an, dass
m := min x∈[a,b]
|f ′(x)| > 0.
Außerdem sei M := maxx∈[a,b] |f ′′(x)| und ρ > 0 sei so gew¨ahlt, dass
ρ < m 2 M
, Kρ := {x ∈ R, |x − z| ≤ ρ} ⊂ [a, b].
Dann bleiben die Newton-Iterierten xk f¨ur jeden Startwert x 0 ∈ Kρ(z) in Kρ(z) und konvergieren gegen die Nullstelle z. Es gilt die a priori Fehlerabsch¨atzung
|xk − z| ≤ q|xk− 1 − z| ≤
m 4 M qk, k ∈ N
mit q := (^2) mM ρ < 1.
Beweis. Ubung.¨
Das Sekantenverfahren kommt sogar ganz ohne Berechnung von Ableitungen aus. Statt wie beim Newton-Verfahren die Tangente T (x) als lokale Approximation von f um den Punkt x
wobei q = 2 Mm ρ < 1 und (γk)k∈N die Folge der Fibonacci-Zahlen. Asymptotisch ergibt sich die Konvergenzordnung p ≈ 1. 681 , da
lim k→∞ γk ≈ 0. 723 · (1.618)k.
Beweis. Siehe z.B. [5], Satz 6.23.
Bei der Sekantenmethode ist pro Iterationsschritt nur eine (neue) Funktionsauswertung f (xk) und keine Berechnung von Ableitungen notwendig, weshalb ein Iterationsschritt in der Regel deutlich g¨unstiger ist als beim Newton-Verfahren. Zusammen mit der Konvergenzordnung von 1 .681 k¨onnte man also vermuten, dass das Verfahren eine hocheffiziente Alternative zum Newton- Verfahren darstellt. Allerdings besteht die Gefahr von Ausl¨oschung, insbesondere wenn f (xk) monoton (nicht alternierend) gegen f (z) = 0 konvergiert, da f (xk) ≈ f (xk− 1 ). Deshalb wird das Sekantenverfahren in der Praxis eher selten eingesetzt.
Das Newton-Verfahren und die in Abschnitt 4.4 definierten Varianten lassen sich alle als Fix- punktiterationen in folgender Form schreiben
xk = g(xk− 1 ), k = 1, 2 , ..., (4.16)
wobei genau dann z = g(z) gelten soll, wenn z eine Nullstelle von f ist. Das Newton-Verfahren f¨allt in diese Kategorie, da unter den obigen Voraussetzungen an f ′ gilt
g(z) := z − f (z) f ′(z)
= z ⇔ f (z) = 0.
F¨ur eine Nullstelle z von f gilt weiter
g′(z) = 1 −
f ′(z) f ′(z)
f (z)f ′′(z) (f ′(z))^2
Das Verhalten der Ableitungen an der Nullstelle z kann benutzt werden, um die Konvergenz- ordnung einer Fixpunktiteration zu bestimmen.
Satz 4.8. Sei g ∈ Cp[a, b] mit p ∈ N, p ≥ 2 und sei z ∈ [a, b] ein Fixpunkt von g. Eine Fixpunktiteration der Form (4.16) hat genau dann (mindestens) die Ordnung p, wenn gilt
g′(z) = ... = g(p−1)(z) = 0.
Beweis. “⇐“ Sei zun¨achst g′(z) = ... = g(p−1)(z) = 0. Taylor-Entwicklung ergibt
xk − z = g(xk− 1 ) − g(z) =
∑^ p−^1
k=
k! g(k)(z) ︸ ︷︷ ︸ =
(xk− 1 − z)k^ +
g(p)(ξk) p! (xk− 1 − z)p, ξk ∈ [xk− 1 , z].
Es folgt
|xk − z| ≤ c|xk− 1 − z|p^ f¨ur alle k ∈ N. (4.18)
“⇒“ Es gelte nun umgekehrt (4.18) f¨ur p ≥ 2 und beliebiges x 0 ∈ [a, b]. Wir zeigen induktiv f¨ur m = 1,... , p − 1, dass g(m)(z) = 0. Induktionsanfang: Sei zun¨achst m = 1. Wir machen die Widerspruchsannahme g′(z) 6 = 0. Dann gilt auch g′(ξ) 6 = 0 in einer Umgebung Kρ(z). Aus (4.18) folgt nach einer m¨oglichen Verkleinerung von ρ außerdem die Konvergenz xk → z f¨ur alle Startwerte x 0 ∈ Kρ(z). Taylor- Entwicklung (bzw. der Mittelwertsatz der Differentialrechnung) ergibt
xk − z = g(xk− 1 ) − g(z) = g′(ξk)(xk− 1 − z), ξk ∈ [xk− 1 , z]. (4.19)
Wegen g′(ξk) 6 = 0 in Kρ(z) wird xk − z niemals Null. Es folgt im Widerspruch zur Annahme
|g′(z)| = lim k→∞
|g′(ξk)| = lim k→∞
|xk − z| |xk− 1 − z|
≤ c lim k→∞
|xk− 1 − z|p−^1 = 0.
Induktionsschritt: Wir nehmen nun an, dass dass g′(z) = ... = g(m−1)(z) = 0 f¨ur ein m < p und machen wieder die Widerspruchsannahme, dass g(m)(z) 6 = 0. Mittels Taylor-Entwicklung erhalten wir f¨ur x 0 ∈ Kρ(z) f¨ur gen¨ugend kleines ρ
xk − z = g(xk− 1 ) − g(z) = g(m)(ξk)(xk− 1 − z)m m! , ξk ∈ [xk− 1 , z]
und damit im Widerspruch zur Annahme
|g(m)(z)| = lim k→∞ |g(m)(ξk)| = lim k→∞ m!
|xk − z| |xk− 1 − z|m^ ≤ c(m!) lim k→∞ |xk− 1 − z|p−m^ = 0.
Die Taylor-Entwicklung (6.7)
xk − z = g′(ξk)(xk− 1 − z), ξk ∈ [xk− 1 , z].
gibt noch ein Kriterium f¨ur (lokal lineare) Konvergenz. Gilt n¨amlich |g′(z)| < 1, so ist auch |g′(ξk)| < 1 in einer gen¨ugend kleinen Umgebung Kρ(z). Es folgt lokal lineare Konvergenz, da
|xk − z| < q|xk− 1 − z|, mit q < 1.
Analog folgt, dass im Falle |g′(z)| > 1 keine Konvergenz gegen z vorliegt. Mithilfe der Resultate aus Theorem 4.8 k¨onnen wir nun weitere Fixpunktiterationen zur L¨osung des Nullstellenproblems f (z) = 0 konstruieren.
Beispiel 1: F¨ur die einfache Fixpunktiteration
xk = g(xk− 1 ) := xk− 1 + f (xk− 1 )
gilt
g′(z) = 1 + f ′(z).
Die Konvergenz der Fixpunktiteration ist abh¨angig von der Funktion f. F¨ur f ′(z) ∈ (− 2 , 0) liegt (lokal lineare) Konvergenz vor, nur im Falle f ′(z) = −1 ist diese lokal quadratisch.